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Allgemeines Deutsches Kommersbuch:100

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Schauenburg:
Allgemeines Deutsches Kommersbuch
Seite 198, 199
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[198]

     3. Der feste Glaube, will er wanken, in deinem Quelle stärkt er
sich; da wachsen Flügel dem Gedanken, dem Auge tagt es wonniglich;
es schaut in deiner blauen Flut den Himmel und das ewge Gut.

     4. Die Freiheit kommt auf dir geschwommen, hat deiner Arche sich
vertraut; wird ihr das kühne Wort genommen, so tauchet sie sich in
den Laut. Sie schifft aus Griechenland und Rom, ein selger Schwan,
auf deinem Strom.

     5. Wenn deine Wogen uns umschlingen, so wissen wir, was Freund=
schaft heißt; so stark und einig, wie wir singen, so stark und einig ist
ihr Geist. Viel Kehlen und ein einzger Sang, viel Seelen in ver=
bundnem Drang.

     6. Auch dieses glühnde Blut der Reben wird erst in deiner Mi=
schung mild; du machst, daß mit ihm reinres Leben in allen unsern
Adern quillt; du stimmest unsern Gläserklang: Gedeihe, festlicher
Gesang!

     7. Ja, deinen Segen zu verbreiten, hast du uns Brüder ausge=
sandt; wir wollen deine Ströme leiten hinaus ins liebe Vaterland;
und wo sie fließen, wo sie glühn, soll Glaube, Freiheit, Liebe blühn!

G. Schwab. 1824.


          221.     Beim Burschenmahl.     (IV. 73.)

     Singw. des: Hört zu, ich will die Weisheit singen ec.
Christian Gottlob Neefe (1748-1798.)

     1. Wo ei=ne Glut die Her=zen bin=det, wo Aug dem
Au=ge nur ver=kün=det, was Sehnsucht in dem Her=zen
spricht; wo, wenn der Sturm die Form zer=spal=tet,
die Gott=heit in den Trümmern wal=tet, kennt
[199] man der Lie=be Tren=nung nicht.

     2. Heran, ihr Brüder, Nord und Süden! ob euch des Herrschers
Wink geschieden, laßt uns ein Volk von Brüdern sein! Schließt ja
in Schönbunds weiten Auen, von allen Strömen, allen Gauen, ein
Rasen unsre Brüder ein.

     3. Wohl ist der Siegsgesang verklungen, ganz anders wird jetzt
vorgesungen, ganz andre Weisen spielt man vor; doch tönt, von Weh=
mut fortgetragen, ein Ton noch aus den bessern Tagen und schlägt
an manch empfänglich Ohr.

     4. Hört ihr auf Frühlings leichten Schwingen den alten Ton
herüberklingen von unsrer Brüder Schlachtgefild? Der Einklang
ist’s von tausen Tönen, der mächtig in Germaniens Söhnen zu der
Begeistrung Wogen schwillt.

     5. So sinket in der Brüder Arme, daß Brust an Bruderbrust
erwarme, daß alte Treue neu erwacht! Und schwinget hoch die Fest=
pokale, und ruft’s beim frohen Burschenmahle: Des Volkes Einheit
sei’s gebracht!

Wilhelm Hauff. 1824.


          222.     Frohe Gegenwart.

     Singw.: Der Gott, der Eisen wachsen ließ ec.

     1. Wohlauf, daß uns das Glück beschied, in großer Zeit zu leben!
Wer große Thaten reifen sieht, erwacht zu hohem Streben. Und daß
die Zeit sich groß erweist und Hochsinn mächtig waltet, macht deutsche
Kraft und deutscher Geist, der herrlich sich entfaltet.

     2. Ein kräftger Hauch erfrischt die Welt, wer kann, mög sich
erproben; die Brust geschwellt, den Geist erhellt, fühlt jeder sich ge=
hoben. Und von der stolzen Gegenwart schweift kühn der Blick ins
Weite; das Herz wird stark, die Faust wird hart zum sieggewohnten
Streite.

     3. So laßt uns stehen festgeschart, daß wir als Männer zählen,
und in dem Kampf um deutsche Art darf keiner, keiner fehlen. —
Beglückt Geschlecht, dem Gunst beschied, in großer Zeit zu leben! Was
still dereinst ersehnt das Lied, uns ward es nun gegeben.

Konrad Ettel.