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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section/H23

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Heft 22 des Voigtländischen Kreises Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen von Gustav Adolf Poenicke
Heft 23 der Section Voigtländischer Kreis
Heft 24 des Voigtländischen Kreises
Die Beschreibungen sind auch als Einzeltexte verfügbar unter:
  1. Unterlauterbach
  2. Bergen
  3. Tirpersdorf
  4. Eubabrunn



[177]
Unterlauterbach


in waldiger Gegend, an einem nordwärts zur Trieb gehenden Bache 11/4 Stunde von Falkenstein, 11/8 Stunde von Treuen, 31/4 Stunde östlich von Plauen gelegen.

Das hiesige Rittergut gehörte einst zu dem grossen Gütercomplex des Reichslehns Treuen, als welches es im Jahre 1329 Heinrich Voigt zu Plauen vom König Ludwig annahm. Erst im 16. Jahrhundert kam Treuen und somit auch Unterlauterbach an die Ritter von Feilitzsch, welche aus dem Bayreuther Lande stammten und diese Güter von den Herren von Herrmannsgrün acquirirten.

Jobst von Feilitzsch besass Unterlauterbach zuerst, dem sein Sohn Moritz, Reichsritter, der hinter dem Kurfürsten Moritz bei der Kurbelehnung stand, folgte.

Seines Sohnes Jobst Caspars Söhne theilten sich in die Güter, so dass Urban die Untertreuensche Linie stiftete und Moritz Rüdiger die Obertreuensche. Urban verkaufte Unterlauterbach an Urban Caspar von Feilitzsch auf Marienei, welcher 1689 mit Tode abging, dem sein Sohn Haus Adam folgte.

Nach den Herren von Feilitzsch gelangte Unterlauterbach an die Familie Adler, welche es dermalen noch besitzt. Der derzeitige Besitzer ist Herr Anton W. Adler.

Das Schloss von Unterlauterbach ist neueren Ursprungs; aber in einem recht netten Styl erbaut. Das alte Schloss war von Wall und Graben umgeben und ein im früheren Geschmacke erbautes Gebäu.

Im Nordwesten steht die Schäferei, im Westen oberhalb des Teiches die Mühle, welche zum Gute gehört.

Felder und Wiesen sind bedeutend und gehören der mittleren Bodenclasse an, am bedeutendsten sind die Waldungen, welche zum Gute gehören, so dass die Holznutzungen jährlich einen grossen Gewinn bringen.

Die Jagd war früher hier eine der grössten des Voigtlandes und in der frühesten Zeit hausten hier Bären und Wölfe, da die Verbindung mit den Oberlauterbacher und Falkensteiner grossen Waldungen diesen Unthieren sicheren Schutz und dichtes Obdach verlieh.

Die Menge Sagen, die auf Erlegung dieser Thiere, auf die Bravour der früheren Ritter dieser Gegend sich beziehen, alle hier aufzuführen, würde zu weit führen.

Eine Masse Punkte werden heutigen Tages noch nach dem Aufenthalte dieser wilden Thiere hier benannt und muss diese Gegend so recht früher geeignet gewesen sein, dem Jagdvergnügen, dem Hange nach Abenteuern sich so recht mit ganzer Seele hinzugeben.

Der Schutzpatron der ganzen Kirchfahrt war vor der Reformation deshalb der heilige Bartholomäus, dem man besonders Schutz gegen Wölfe und Bären zuschrieb; seine Statue soll noch zu sehen sein und an seinem Jahrestage wird der Kirchweihjahrmarkt in Treuen, wohin Unterlauterbach mit Wetzelsgrün, Hartmannsgrün, Weisensand mit Wolfspfütz, Eich, Reimtengrün, Schreiersgrün, Altmannsgrün, Perles, Buch, Mahnbrück und die Weitenhäuser gepfarrt sind, gehalten, davon die Kirche das Stättegeld bezieht. Unterlauterbach beherbergt, wie Treuen, viele Weber, sowie auch hier schon der Klöppelsack des Erzgebirges zu finden ist.

Die Einwohner sind fleissige, arbeitsame Leute und betreiben neben ihren Professionen auch die Feldwirthschaft, namentlich wird auf den Kartoffelbau viel Fleiss und Mühe verwandt. Der sandige, nicht fette Boden erzeugt Kartoffeln von bestem Geschmacke. Ueberhaupt ist hier schon die Kartoffel wie im Erzgebirge, das Hauptnahrungsmittel. welches [178] die Bewohner hiesiger Gegend drei Vierteljahre hindurch erhalten muss und sein Schmausessen ist der Götze. Diese Speisen, das harte Wasser und die häufigen Wechsel der – besonders oft nebligen – Witterung gelten für die Ursachen des hier, wie im erzgebirgischen Kreise überhaupt so häufigen Magenkrampfes oder der sogenannten Herzenskrankheit, bei welchem Namen man freilich in grossen Städten nicht an die Kartoffeln denken würde.

Die Sprache ähnelt hier schon dem Erzgebirger und dieselbe ist bereits mehr singend. Die Bevölkerung selbst ist schon sehr stark und vermehrt sich von Jahr zu Jahr mehr, wozu frugale Lebensart, nicht ungesundes Klima und die immer grössere Verbreitung des Fabrikwesens das Ihrige beigetragen haben.

Unterlauterbach heisst der Ort zur Unterscheidung von dem ziemlich damit zusammenhängenden Dorfe Oberlauterbach, welches von jeher zur grossen Herrschaft Falkenstein gehörte, wie wir dies schon weiter und näher bei der Beschreibung dieses Ortes erwähnt haben.

Unterlauterbach, wie Oberlauterbach, sind wohl zu unterscheiden von den beiden Rittergütern Lauterbach obern Theils und Lauterbach untern Theils, welche eine Viertelstunde von Oelsnitz liegen. Den Namen haben wohl alle diese Orte von einem klaren und lautern Bache, der in ihrer Nähe fliesst; denn sonst wäre der Name nicht zu erklären, da eine Familie von Lauterbach nicht existirte und also auch dem Orte nicht den Namen gegeben haben kann.

Unterlauterbach hatte bis zur Einführung der neuen Gerichtsorganisation seine eigenen Gerichte und irren viele Topographen, welche diesen Ort früher den Voigtsberger Amtsdörfern zugetheilt haben. Man könnte annehmen, dass dies eine Verwechslung bezüglich des Rittergutes von Unterlauterbach selbst sein könnte und man damit weiter nichts sagen wollte, als dass das Rittergut als neu schriftsässiges Gut dem Amte Voigtsberg untergeordnet gewesen sei. Aber auch dieses wäre nicht richtig, da Unterlauterbach als Gut zum früheren Justizamte Plauen gehörte.

Wenn man einen schönen Anblick von diesem Rittergute geniessen will, so muss man bei einer Wanderung auf der alten Strasse von Plauen nach Falkenstein über der Trieber Höhe hin, bald bei dem Ausgange des Holzes vor Falkenstein, Halt machen und der Wanderer wird bei seiner Umschau nach der linken Seite hin durch dichte Waldung das schöne Schloss von Unterlauterbach in seiner ganzen Grösse erblicken und man kann sich denken, wie versteckt dasselbe in den frühesten Zeiten in Waldesdunkel gelegen haben muss. Bedenkt man noch die früheren unwirthbaren Wege, die frühzeitigen harten Winter, so muss man sich wundern, wie auch hieher der menschliche Fuss gelangte und eine Stätte sich baute.

Noch viel mehr aber muss man menschlichen Fleiss und menschlichen Muth anstauen, welcher alle Hindernisse zu überwinden wusste und die grösste Wildniss in freundliche Wohnungen umwandelte, Wälder ausrodete und Land urbar machte, um für sich und die Seinigen Nahrung zu finden und das Leben sich angenehm zu machen.

Bis an Falkenstein heran zogen sich die dichten Waldungen und die grossen Sümpfe, und auf stundenlangen Wegen war kein Haus, kein Obdach zu sehen. Der Wanderer fand weiter keine menschliche Seele in diesen Waldungen, als höchstens ein Mal einen Stockmacher, der sich bei seinem Feuer seine Nahrungsmittel bereitete.

Wie ganz anders jetzt. Die schönsten Wege führen überall durch diese Waldungen, überall Leben und Betriebsamkeit, überall dazwischen üppige Wiesen und schöne fruchtbare Felder.

Zu allen diesen vortheilhaften Verwandlungen haben die Gerichtsherrschaften von Unterlauterbach redlich das Ihrige beigetragen. Namentlich hat die Familie Adler die Oeconomie des Gutes bedeutend gehoben und vorzüglich die Viehwirthschaft in den Stand gesetzt, dass in dieser Beziehung das Gut den grössten Gütern des Voigtlands an die Seite gesetzt werden kann.

Die Schicksale des Orts anlangend, so kann etwas besonders Merkwürdiges darüber nicht erwähnt werden, als dass es in dem 30jährigen Kriege mit den Orten hiesiger Gegend Gleiches zu dulden und zu ertragen hatte.

Somit hätten wir blos noch zu erwähnen, dass Unterlauterbach keine eigne Schule hat, sondern seine schulpflichtigen Kinder nach Oberlauterbach schickt.

Der Ort selbst, welcher in 30 Gebäuden 180 Einwohner hat, gehört zum Gerichtsamte Treuen.

(M. G.)     



[179]
Bergen


liegt 21/2 Stunden von Plauen, 11/2 Stunde von Falkenstein, 21/2 Stunden von Oelsnitz, 2 Stunden von Treuen in einem grossen und romantischen Thalbecken, was von dem Triebbach durchflossen nach dem Dorfe Trieb zu immer weiter und weiter wird.

Dieses herrliche Thal ist nach Mittag von waldigen Höhen eingeschlossen, wovon Bergen seinen Namen erhalten hat. Das Klima dieses Ortes ist wegen dieser Umfassung keinesweges so rauh, als öfter erzählt wird.

Bei guter Cultur gedeihen alle Getreidearten gut, ja sogar einzelne ausgezeichnet; berühmt sind vorzüglich die Kartoffeln hiesiger Gegend.

Der Boden enthält viel Granitsand mit etwas Lehm und Granitfelsblöcken, aus denen die hier heimischen Steinmetzen Werkstücke jeder Art fertigen, die weit und breit zu Bauten verfahren werden. Die Steinmetzen sind zünftig und haben sich der Zunft der Maurer angeschlossen; sie haben unter den Einwohnern des Ortes unstreitig den besten Verdienst.

Vorzüglich durch diese Werkstätten der Steinmetzen, sowie durch die nicht unbedeutenden Holzlieferungen aus den hiesigen Waldungen, findet im Dorfe Bergen ein lebhafter Verkehr, namentlich mit der Stadt Plauen statt.

Das im Dorfe befindliche in der Abbildung zu schauende Schloss ist zwar nicht ausgezeichnet an Grösse, dagegen ist dasselbe sehr wohnlich eingerichtet und die Gastfreundschaft der jetzigen dasigen Gerichtsherrschaft macht den Aufenthalt daselbst angenehm. Wer hier als Gast weilte, der kann gewiss auch von froh verlebten Stunden auf diesem Gute erzählen und wird der traulichen Gespräche im heitern Kreise sich stets gern erinnern. Möge nie der heitre Sinn, der frohe Lebensmuth aus diesem Hause weichen und Glück und Segen walten für und für.

Das Rittergut mit Trieb sammt seinen Gerechtsamen gehörte in früheren Zeiten zu dem grossen Güter-Complex der Familie von Trützschler auf Falkenstein, die sich auch bei dem Verkauf des Gutes die Collatur über die hiesige Pfarr- und Schulstelle, sowie die Gerichtsbarkeit über das Pfarrlehn (auch Collaturgerichte genannt) vorbehalten hat.

Seit dem 27. Juni 1788 ist die Förstersche Familie im Besitze dieses Gutes.

Der derzeitige Besitzer, Herr Franz Julius Förster, trat schon im Jahre 1848 seine Gerichtsbarkeit an das Justizamt Plauen ab, deren Verwaltung später dem königlichen Gerichtsamt zu Falkenstein zugetheilt worden ist.

Das Rittergut Bergen wird deshalb „Bergen mit Trieb“ genannt, weil ihm die Gerichtsbarkeit über beide Orte zustand.

Seine hiervon bezogenen Einnahmen waren früher bedeutender, als die von der zum Rittergute gehörigen Oeconomie. Letztere wurde erst in neuerer Zeit durch den Ankauf von einigen Bauergütern, sowie durch Urbarmachung von Waldboden, eine entsprechende Ausdehnung gegeben. Der ganze Gütercomplex enthält 484 Acker mit 3004 Steuer-Einheiten.

Der zum Gute gehörende gut gepflegte Wald liefert durch seine geschützte und zusammenhängende Lage, durch seinen üppigen Wuchs und durch seine Pechnutzungs-Erträge seit 50 Jahren einen sichern, nicht unbedeutenden Reinertrag.

Besondere hervorragende andere Gebäude ausser dem Rittergute [180] hat Bergen nicht aufzuweisen, selbst die Kirche, um welche der Friedhof angelegt ist, bietet, mit ihrem altväterischen, unregelmässig gebauten Thurme dem Auge nichts Ausgezeichnetes dar; aber die drei Glocken auf dem alten Kirchthurme ergötzen, so oft sie ertönen, die Ohren durch ein überaus schönes, harmonisches Geläute.

Wann und durch wen die hiesige Kirche gegründet worden, welche Schicksale dieselbe im Laufe der Zeit erfahren hat, darüber fehlen die geschichtlichen Nachrichten. Nach mündlichen Traditionen ist sie eine der ältesten Kirchen des Voigtlandes und schon lange vor der Reformation erbaut. Die katholischen Kapläne zu Falkenstein haben der Sage nach den Gottesdienst in derselben mit verrichtet.

Ausserdem sind im Orte zwei Mühlen, die eine die obere, die andere die untere Mühle genannt. Erstere hat neben der Mahlmühle, aus zwei Mahlgängen bestehend, noch eine Schneidemühle und mit der letztern, ebenfalls aus zwei Mahlgängen bestehend, ist noch eine Oelmühle verbunden. In früherer Zeit soll auf der nämlichen Stelle, wo jetzt die untere Mühle steht, ein Eisenhammer gangbar gewesen sein. Wenigstens bürgt für diese Sage das Auffinden von Schlacken in der Nähe jenes Ortes.

Der Triebbach, welcher die beiden Mühlen in Bewegung setzt, ist ein klares, kaltes und schnellfliessendes Bergwasser (daher jedenfalls der Name Trieb von treiben) also zum Aufenthaltsorte und zum Gedeihen der Forelle besonders geeignet. Zu Zeiten ist auch jetzt noch grosser Reichthum an dieser Fischart vorhanden.

Die Fischerei in demselben gehört, so weit die Bergner Fluren reichen, einzig und allein dem Rittergute Bergen.

Die Pfarr-, sowie die Schulstelle in Bergen gehört zu den besseren des Voigtlandes. In die Schule zu Bergen sind auch die Kinder aus dem Harzberge, der Gansgrün, dem Streuberge, dem Steinigt und dem untern Jägerswalde gewiesen.

Die Einwohner Bergens, angeblich 750 an der Zahl, nähren sich theils vom Ackerbau, theils vom Tagelöhnen, Nähen und Klöppeln.

Auch einige Handwerker haben sich ausser den Steinmetzen hier niedergelassen, wie z. B. ein Fleischer, drei Schneider, einige Zimmerleute, Maurer und Weber, ein Hufschmied und zwei Wagner.

Die Wohnungen der Landleute ziehen sich in einem Halbkreise um eine massige Anhöhe herum, auf welcher die Kirche, nebst Pfarr- und Schulwohnung, liegen.

Hier findet man unter den Landleuten die voigtländische Genügsamkeit zu Hause. Der Mittagstisch besteht jeden Tag in der Woche meist aus Kartoffeln, und doch ist aus den Kartoffeln zu jeder Mahlzeit ein anderes Gericht bereitet. Hier, Unzufriedener mit Welt und Menschen, lerne und beobachte mit wie Wenigen eine Familie leben und auskommen kann, und wie froh und heiter, wie bescheiden und anspruchslos diese Menschen dabei leben!

Das nach Bergen eingepfarrte und mit dem Rittergute verbundene Trieb hat ausser mehreren Kleinhäuslern auch bedeutende Bauerngüter, zu denen viele und schöne Waldungen gehören. Durch Trieb führt die alte Strasse nach Falkenstein. und dann bleibt Bergen rechts liegen.

Bergen mit Trieb gehört seit Einführung der neuen Gerichtsordnung zum Gerichtsamte Falkenstein.

(M. G.)     



[181]
Tirpersdorf,


an der Strasse von Oelsnitz nach Falkenstein und Auerbach, 2 Stunden von erstrer Stadt entfernt gelegen, ist an einem Nebenwasser des Kornbachs in südwestlicher Richtung hinabgebaut.

Der Ort selbst liegt noch angenehm und mild, wogegen nach Kottengrün zu die Strasse hinauf nach Werda und von da nach Falkenstein ein viel rauheres Klima beginnt. Oft liegt in Tirpersdorf zu Winterszeit und mit Beginn des Frühjahrs kein Schnee mehr, während 1/4 Stunde über Tirpersdorf hinaus mit dem Schlitten bequem fortzukommen ist.

Die angenehme Lage des Orts wird noch erhöht durch die vielen kleinen Birkenwälder, die auf Ritterguts Grund und Boden sich befinden.

Tirpersdorf hat eigentlich zwei Rittergüter, und zwar Tirpersdorf obern Theils und Tirpersdorf untern Theils.

Tirpersdorf ist ein sehr alter Ort, aber die Geschichte desselben bis zu den Zeiten der Reformation sehr dunkel. Auf alle Fälle war es ein Wallfahrtsort vom Kloster Mechelgrün, wozu auch in den frühesten Zeiten die Hauptkirche in Theuma gehörte und die Capelle in Tirpersdorf.

Schon vom 15. Jahrhundert an besassen die beiden Rittergüter zu Tirpersdorf die Herren von Raab oder Raabe, welche solche auch bis zum 19. Jahrhundert behauptet haben.

Erst in den 40er Jahren unsers Jahrhunderts verkaufte Herr Heinrich von Raab die beiden Güter an Herrn Rittergutsbesitzer Gottfried jun. auf Untermarxgrün, welcher sich jetzt noch im Besitze der Güter befindet.

Das herrschaftliche Wohnhaus ist ein altes Gebäude, doch hat dasselbe ein freundliches Ansehn, die Wirthschaftsgebäude sind neuern Ursprungs und im vortrefflichen Zustande.

Das Areal an Feldern und Wiesen und den bedeutenden Holzungen beträgt über 500 Acker mit 5000 Steuereinheiten.

Dazu gehört das Vorwerk Jägerswald und eine Mühle mit einem Gange.

Schriftsässig waren Antheile von den Dörfern Zaulsdorf und Pilmesgrün dem obertheiligen Gute einverleibt.

Pilmesgrün war in den früheren Zeiten ein besonderes Rittergut, welches mit dem Vorwerke Jägerswald (früher die Wüstung genannt) verbunden war und den Herren von Tettau gehörte, von welchen es an die Herren von Raabe gelangte.

Ob die von Tettau, vor den Herren von Raab auch Tirpersdorf besessen haben, ist unermittelt.

Nach einer alten Urkunde zu schliessen, dürfte es aber fast anzunehmen sein.

Die Lage von Tirpersdorf an der Chaussee nach Oelsnitz und nach Falkenstein bietet für die beiden Rittergüter die trefflichsten Verkehrsmittel unter beiden Städten, weshalb auch Massen von Brennholz Jahr aus Jahr ein nach Oelsnitz, ja sogar nach Plauen verkauft werden. Das Holz selbst kann man in allen Gattungen hier bekommen und ist ein vorzügliches Brennholz zu nennen.

Für die benachbarten Schneidemühlen wird auch das schönste Nutzholz geliefert.

Wer will die Summen nennen, die seit 30 Jahren aus diesen Tirpersdorfer Waldungen fortgeschafft wurden? Und dennoch ist immer noch [182] der ganze hiesige Holzbestand ein vortrefflicher zu nennen, da überhaupt auch immer wieder neue Obstculturen angelegt worden sind.

Auch Jagd und Fischerei war von jeher hier nicht unbedeutend. Denn der Wildstand wurde gepflegt und das Wild selbst hatte einen trefflichen Aufenthalt wegen der schönen Wiesengründe.

Tirpersdorf besitzt, wie oben schon erwähnt worden ist, auch eine Kirche, in welcher alle 14 Tage vom Diaconus zu Theuma Nachmittags-Gottesdienst gehalten wird.

Dagegen werden die Taufen und Trauungen alle in der Hauptkirche zu Theuma verrichtet, so wie auch die in Tirpersdorf Verstorbenen auf dem Gottesacker zu Theuma beerdigt werden.

Ein besonderer Schullehrer ist in Tirpersdorf angestellt, indem Tirpersdorf mit Lottengrün zu einer Schule verbunden ist, welche von 130 Kindern besucht wird.

Der frühere grosse Besitz der Herren von Tettau in hiesiger Gegend, und ihre Beleihung mit dem grossen Grundbesitze von Kloster Mechelgrün war die Veranlassung, dass Theuma eine der stärksten Parochieen des Voigtlandes wurde und durch die Ueberzahl der schulpflichtigen Kinder von den vielen Ortschaften mehre Zweigschulen erhielt, wie z. B. in Grossfriessen, in Zschokau, in Mechelgrün, in Tirpersdorf mit Lottengrün.

Die Collatur über die Kirchen und Schulstellen der Parochie steht dem Superintendenten zu Plauen zu, welches Recht durch Aufhebung des Klosters als den ersten Geistlichen der Kirche auf denselben übergegangen ist.

Alle diese Umstände beweisen genug, dass diejenigen im Irrthume sind, welche die frühere Existenz des Klosters Mechelgrün wegleugnen wollen.

Bemerkenswerth von Tirpersdorf ist der dasige graue Thonschiefer, welcher viele dunkle, sich oft kreuzende oder sternförmig gestaltende Serpentinkrystallchen enthält und Fruchtschiefer genannt wird. Die Lager dieses Fruchtschiefers ziehen sich hinüber bis Theuma und weiter noch.

Die Schicksale des Orts und der hiesigen Gegend anlangend, so gehen bestimmte Nachrichten davon bis zum Jahre 1633 zurück.

In diesem Jahre und zwar in Mitte des Sommers kamen die kaiserlichen Kriegsvölker und plünderten Alles. In Theuma blieben dieselben zwei Tage, steckten beim Aufbruch das Dorf in Brand, so dass da Niemand sich sehen lassen durfte, um zu retten, die Pfarre nebst 6 Bauergütern ein Raub der Flammen wurden.

Zu dem Kriegsübel sollte noch ein zweites hinzukommen – die Pest. Sie hauste so furchtbar, dass viele Häuser ganz ausstarben und in allen eingepfarrten Dörfern kaum noch 10 bis 12 Personen zu finden waren.

Durch Krieg und Pest wurde damals auch das noch mit nach Theuma eingepfarrte Dorf Frössig dergestalt verheert, dass jetzt davon blos noch geringe Spuren vorhanden sind.

Die Felder und Wiesen, welche dieser Ort besass, sind der Pfarre und dem Diaconate zu Theuma, so wie dem eingepfarrten Dorfe Grossfriessen zugefallen.

Auch im Jahre 1806 wurde hiesige Gegend noch ein Mal von Plünderung der Feinde heimgesucht, und zwar durch das Soultsche Corps. Seit dieser Zeit ist die Gegend von Kriegsdrangsalen und schweren Krankheiten verschont geblieben.

Die Bewohner von Tirpersdorf bestehen aus Bauern und Häuslern, wovon die ersteren ihr Feld bauen, die letzteren im nahen Oelsnitz und auf den Rittergütern ihren Unterhalt finden. Das weibliche Personal beschäftigt sich hier schon häufig mit feinen Stickereien der sogenannten Plauen’schen Waare.

Tirpersdorf mit seinen 630 Einwohnern in 100 Häusern gehört dem Gerichtsamte Oelsnitz an, während Pilmesgrün mit Jägerswald dem Gerichtsamte Falkenstein zugetheilt ist.

M. G.     



[183]
Eubabrunn,


1/4 Stunde von Erlbach, also eine halbe Stunde von der Stadt Markneukirchen, 11/2 Stunde von Adorf, 2 Stunden von Schöneck, 1 Stunde von dem böhmischen Städtchen Schönbach und 2 Stunden von der ebenfalls böhmischen Stadt Graslitz entfernt in einem freundlichen Thale gelegen, wogegen das Rittergut mit zwei andern Bauerhäusern vom Dorfe entfernt auf einem Berge sich erhebt, von wo aus man eine herrliche Aussicht nach den Städten Neukirchen und Adorf geniesst.

Den Namen hat der Ort von seiner schönen Lage im Thale und mag früher Aubrunn genannt worden sein.

Seine Entstehung ist wohl ebenfalls den böhmischen Exulanten zuzuschreiben, welche hierher kamen, sich ansiedelten und die Wälder rodeten.

Das dasige Rittergut war von jeher mit Erlbach combinirt gewesen und als Vorwerk betrachtet worden.

Jetzt aber und in den letzten Jahren sind zu dem alten Schlosse neue Wirthschaftsgebäude und Scheunen erbaut, wofür bis jetzt 22000 Thaler vorausgabt sind und zu deren Vollendung noch wenigstens 6 bis 8000 Thlr. erfordert werden.

Aus 300 Acker Holzboden ist Feld bearbeitet, welches nach 5 Jahren nach Einheiten sich ermitteln lassen wird.

Der Viehbestand ist ein vortrefflicher und auf 100 Stück zu berechnen, incl. des Rindviehs. Ausserdem ist eine grosse Dampfbrennerei im Gange, welche einen vorzüglichen Gewinn gewährt, und es ist mit Gewissheit jetzt schon zu bestimmen, dass nach 3 oder 4 Jahren die ganze Oeconomie musterhaft dastehen wird. Und man behauptet nicht zu viel, wenn man sagt: dass dieses Gut nach 3 oder 4 Jahren als eines der schönsten Rittergüter Sachsens erscheinen wird.

Der Boden hiesiger Gegend ist sehr ertragfähig, und man wird staunen, was menschliche Hände, was eine gute Bewirthschaftung vermag, wie viel einem solchen Boden abzugewinnen ist.

Wie wir schon bei der Beschreibung der beiden Rittergüter Erlbach obern und untern Theils erwähnt haben, so gehörten diese Güter mit Eubabrunn stets zusammen und die frühesten Besitzer war das altadelige berühmte Geschlecht des Voigtlands die Herren von Thoss, von welchen sie an eine eben so berühmte und würdige Familie an die von [184] Beulwitz kamen. Bei der letzten Familie blieb Erlbach untern Theils mit Eubabrunn bis vor einigen Jahren, wo nach dem Tode des Herrn Rittmeister von Beulwitz die Güter Herr Stadtrath Funk acquirirte, welchem das Gut Eubabrunn seine enormen Meliorationen verdankt.

Von Eubabrunn war in Wernitzgrün ein besonderes Vorwerk, welches schon früher eingegangen ist.

Auch Wernitzgrün hat noch guten und ertragsfähigen Boden, und die Einwohner nähren sich theils vom Ackerbau, theils von Geigenwirbeln, Drechseln und Instrumenten machen.

Die Schicksale des Orts anlangend, so war das Jahr 1575 ein verhängnissvolles Jahr für Eubabrunn und der hiesigen Gegend.

Hier waren die Versammlungen der Bauern von weit und breit, um Beschlüsse zu fassen und ihren Revolutionsideen Anhänger und Freunde zu verschaffen und die Macht der Ritterschlösser zu brechen. Der unglückliche Ausgang des Bauernkrieges auch in hiesiger Gegend ist bekannt genug, als dass wir nöthig hätten, eine nähere speciellere Geschichte hierüber zu schreiben.

Auch der 30jährige Krieg hat bis hierher seine Leiden und Drangsale verbreitet und Eubabrunn war damals ein wüster, verlassener Ort. Alle Einwohner waren nach Schöneck geflüchtet, um wenigstens mit grösseren Massen gegen die wilden Feinde sich vertheidigen zu können.

In Eubabrunn war in den früheren Jahrhunderten eine alte Familientafel der Herren von Thoss zu finden, auf welcher der Stammvater dieses Geschlechts mit mehreren andern merkwürdigen Familiengliedern verzeichnet war.

Diese Tafel soll in den Kriegsjahren von feindlichen Soldaten zertrümmert worden sein.

Die von Thosse existirten und blüheten im Voigtlande schon im 12. Jahrhundert und Thossen an der alten Strasse von Oelsnitz nach Schleitz ist ihr Stammsitz gewesen, von wo aus sie nach und nach durch die Gunst der Voigte mit mehreren Gütern beliehen worden sind. Sie dienten in wichtigen Angelegenheiten den Voigten von Plauen als Zeugen.

Sie waren tapfere, ehrsame Rittersleute, die überall Rath und Anschlag ertheilen konnten und nie müde wurden, für Religion und Kirche zu kämpfen und zu opfern.

Sie auch waren die Veranlassung, weshalb die Voigte von Plauen oft und gerne sich hier aufhielten und an den Jagden und Lustbarkeiten Theil nahmen, welche von den Adel des oberen Voigtlandes veranstaltet wurden.

Die grossen Waldungen, die schönen Thalgründe boten dem Wilde einen zweckmässigen Aufenthalt zu dessen grosser Vermehrung.

Jetzt ist freilich davon keine Spur mehr zu finden, wiewohl gegen andere Gegenden doch immer noch mehr und schöneres Wild zu sehen ist.

Ausserdem gewährt für die hiesige Gegend das Geigenwirbeln, Drechseln und das Instrumentemachen einen leidlichen Nahrungszweig.

Eubabrunn und Wernitzgrün hatten früher zwei besondere Schulen mit einem Lehrer, der Vormittags in der einen und Nachmittags in der andern Schule Unterricht ertheilt.

Jetzt sind diese beiden Schulen in eine vereinigt, indem im Mittelpunkte beider Orte ein neues Schulhaus erbaut ist.

Eubabrunn mit Wernitzgrün ist in die Kirche nach Erlbach eingepfarrt, die Einwohner – an Zahl 150, gehören unter das Gerichtsamt Markneukirchen.

M. G.     




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