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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section/H03

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Heft 2 des Voigtländischen Kreises Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen von Gustav Adolf Poenicke
Heft 3 der Section Voigtländischer Kreis
Heft 4 des Voigtländischen Kreises
Die Beschreibungen sind auch als Einzeltexte verfügbar unter:
  1. Elsterberg
  2. Reinsdorf
  3. Heinersgrün
  4. Leubnitz


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Elsterberg.


Auf einem bewaldeten Hügel‚ an dessen Fusse die weisse Elster in weitem Bogen sich hinzieht‚ thronen die ehrwürdigen Trümmer der alten Burg Elsterberg, die einst zu den bedeutendsten und festesten Schlössern des Voigtlandes gehörte. Ihre Erbauung fällt in die Zeit‚ wo die unterdrückten Slaven einen neuen Versuch wagten, die ihrer Freiheit angelegten Fesseln zu brechen. Die Uneinigkeit König Ludwigs des Deutschen mit seinem Bruder‚ Karl dem Kahlen erregte die Hoffnungen des schwer gedrückten Volkes dergestalt, dass es dem deutschen Statthalter Zisziber den Tribut verweigerte, und als er Gewalt brauchen wollte ihn erschlug. Vereint mit den Böhmen und Siuslern drangen nunmehr die Sorben in Thüringen ein und verwüsteten dieses Land fünf Jahre lang mit aller Wuth eines längst genährten Hasses, bis endlich Ludwig des Deutschen Sohn‚ der Prinz Ludwig‚ mit einem aus Thüringen, Franken und Sachsen bestehenden Heere die empörten Slavenstämme (869) in einer blutigen Schlacht gänzlich schlug‚ wobei die Böhmen bis auf Wenige niedergehauen wurden. Die Folge dieser Schlacht war der Sorben neue Unterwerfung und der Verlust des Landesstrichs zwischen der Saale und Elster, den man mit Thüringen vereinigte‚ und somit bildete die Elster nunmehr die Grenze zwischen dem Sorbenlande und Thüringen. Die Sorbenburgen Wida, Geraha‚ Grewcz‚ Slowitz‚ Reussa und Dobena‚ nebst Dobeneck‚ Planschwitz, Magwitz und Tirbel waren jetzt Eigenthum der Sieger und dienten als Grenzfestungen‚ die man noch durch mehrere neue Burgen vermehrte‚ unter denen sich Reichenfels‚ Stein‚ Sachsgrün‚ Mühldorf und auch Elsterberg befanden.

Als ein neu entstandener Theil vom Osterlande oder Ostthüringen gehörte das jetzige Voigtland nunmehr zu der nördlichen und östlichen thüringischen Mark‚ welche aus der einstigen Sorbischen Mark gebildet worden war. Nach völliger Unterwerfung der Slaven finden wir (1046) einen Markgrafen Eckard von Nord- und Ostthüringen‚ nach dessen Tode die markgräfliche Würde an Herzog Ludolf von Sachsen und später an Ludwig den Bärtigen kam. Neben diesen Markgrafen bestanden indessen auch noch fünf kaiserliche Voigteien und einige Dynasten‚ unter welchen Letzteren der Sächsische Graf Bruno von Eberstein der mächtigste war‚ indem er nach einer noch vorhandenen Urkunde zu Anfang des zwölften Jahrhunderts ein Gebiet von fast zehn Quadratmeilen besass. Die übrigen ebenfalls reichbegüterten Voigtländischen Dynastieen bestanden aus den Grafen von Orlamünde‚ denen auch Weimar gehörte‚ und welche ihre Abkunft von dem Sachsenherzog Wittekind herleiteten; den Grafen von Gliesberg oder Gleisburg und denen von Lobdaburg. Letztere waren Besitzer Elsterbergs.

Das alte Geschlecht der Lobdaburger hatte sein Stammhaus in Lobeda bei Jena‚ und besass, wie sich durch Urkunden beweisen lässt, bereits in der Mitte des zehnten Jahrhunderts bedeutende Güter in Franken. Im Jahre 958 gründete Hartmann von Lobdaburg gemeinschaftlich mit dem Grafen Ernst von Truhendingen das Benedictinerkloster Anhausen an der Wernitz‚ und durch seine Vermählung mit Truhendingens Schwester‚ welche an Kaiser Ottos I. Hofe lebte und bei dessen Gemahlin in hoher Gnade stand‚ trug Hartmann von Lobdaburg nicht wenig zur Macht und dem Ansehen seines Hauses bei. Noch existiren zwei kaiserliche Urkunden aus den Jahren 956 und 996, in denen Hartmanns von Lobdaburg Erwähnung geschieht. In einer Urkunde des Markgrafen Otto von Meissen vom Jahre 1166 werden Hartmann und Otto von Lobdaburg als Zeugen aufgeführt. Bis gegen 1220 besassen die Lobdaburger noch Güter im Anspachischen und 1315 verkaufte Herrmann von Lobdaburg die ihm zugehörige Stadt Jena an den Markgrafen Friedrich mit der gebissenen Wange. Otto von Lobdaburg war 1207 Bischof von Würzburg und 1226 bekleidete diese Würde Hermann von Lobdaburg. Die Herren von Lobdaburg breiteten sich namentlich an der Saale aus, wo sie in einen zusammenhängenden Striche als freie Reichsdynasten‚ ausser dem Stammhause Lobeda noch Jena‚ Kahla‚ die Leuchtenburg, Roda‚ Burgau und zweiundsiebzig Dörfer besassen. Die Familie bestand aus fünf Hauptlinien, Arnshaugk, Lobdaburg‚ Leuchtenburg, Burgau und Elsterberg, von welchen jedoch nur [18] die Arnshaugker Linie den Grafentitel führte‚ die übrigen aber sich einfach des Dynastenprädikats „Herr“ bedienten‚ und entweder nach dem allgemeinen Familiennamen oder nach dem ihrer Linie nannten. Im Schilde führten die Lobdaburger einen schrägen Balken. – Die Elsterberger Linie spielte im Voigtlande zwischen den Jahren 1250 und 1350, worauf sie Meissnische Vasallen wurden‚ eine bedeutende Rolle‚ indem ihre Besitzungen unterhalb des Schlosses Greiz begannen, und sich bis zum Dorfe Syra bei Plauen erstreckten, wo sie auch eine Kirche gründeten. Noch im funfzehnten Jahrhundert wird Syra ein Lehn von Elsterberg genannt.

Im Jahre 1198 gehörte Elsterberg dem Ritter Rayner von Elsterberg und 1225 den beiden Brüdern Herrmann und Hartmann von Lobdaburg, welche in Gemeinschaft mit zwei Voigten von Weida die St. Laurentiuskirche zu Elsterberg stifteten. Als nun aber die Herren von Weida beim Schlosse Greiz ebenfalls eine der heiligen Jungfrau gewidmete Kirche erbauten‚ geriethen sie mit den Lobdaburgern in Streit, weil diese die neue Kirche zu einem Filiale der Elsterberger Laurentiuskirche machen wollten. Nach langem Zwist gelang es endlich dem Bischof Engelhard von Naumburg eine Versöhnung zu stiften, worauf die von Weida ihr Mitpatronatsrecht auf die Elsterberger Kirche an die Lobdaburger abtraten. Aus der im Weimarischen Archiv aufbewahrten Vergleichsurkunde geht hervor‚ dass die Stadt Elsterberg damals ein nicht unbedeutender Ort und mit Mauern und Thürmen wohl befestigt war. Die Kirche zu Elsterberg war ehemals eine Probstei und besass die Ober- und Erbgerichte über ein Gut zu Sachswitz‚ welche Hans Röder auf Pöhl an sie übertragen hatte. – Herrmann von Lobdaburg auf Elsterberg stellte 1273 eine Urkunde aus, in der er sich bereitwillig erklärt, dem Orden der deutschen Ritter oder Marianer Niederlassungen auf seinem Gebiet zu gestatten.

Heinrich, der Voigt zu Gera‚ hatte durch seine Vermählung mit der Gräfin Leukardis von Lobdaburg‚ der reichen Erbin der mit ihrem Vater ausgestorbenen Nebenlinie Lobdaburg-Arnshaugk-Paussa‚ die unmittelbaren Reichsherrschaften Paussa‚ Lobenstein und Saalburg erhalten‚ und den Brackenkopf, das alte Lobensteiner Wappenbild auf Schild und Helm angenommen; später als Graf Otto von Lobdaburg-Arnshaugk mit Tode abging, und mit ihm auch die Hauptlinie der Arnshaugke ausstarb‚ kamen aus dessen bedeutender Verlassenschaft die beiden Herrschaften Schleiz und Burgk in Heinrichs Besitz, und das Haus Gera erlangte dadurch eine Bedeutung, die es bald den mächtigsten Dynastenfamilien an die Seite stellte. Graf Otto von Arnshaugks Wittwe‚ aus der Familie der Voigte von Plauen‚ behielt für sich und ihre Tochter von ihres Gemahls Gütern Arnshaugk mit Neustadt und den grössten Theil des Neustädter Kreises‚ sammt einem Antheile an der Stadt Jena; die Lobdaburger aber erhoben Einsprüche gegen diese Besitzergreifung der Arnshaugkschen Güter und Graf Ottos Wittwe‚ Elisabeth‚ stellte sich unter den Schutz Landgraf Albrechts des Unartigen von Thüringen mit dem sie sich sogar später vermählte. Der Landgraf musste nun‚ um die usurpirten Rechte seiner Gemahlin zu schützen‚ auch die des Voigtes Heinrich vertreten‚ und so fanden die von Lobdaburg mit ihren Protestationen und Forderungen wenig Gehör‚ namentlich da auch die Kaiser Adolph von Nassau und dessen Nachfolger Albrecht stets mit dem Landgrafen und seinen bösen Handeln einverstanden waren. Im Jahre 1294 musste sogar auf des Kaisers Befehl der Landgraf Albrecht Heinrichen von Gera öffentlich unter seinen Schutz nehmen und 1304 empfingen des Letzteren Söhne von Kaiser Albrecht zu Recht und Sicherheit ausgestellte Schutzbriefe. Die Streitigkeiten zwischen den Lobdaburgern und Reussen endigten zum Nachtheile der Ersteren im Jahre 1325.

Heinrich von Gera hinterliess drei Söhne, von denen einer Prior im Dominikanerkloster zu Plauen wurde‚ die beiden andern aber sich in die väterlichen Güter theilten‚ und die Herrschaften Paussa‚ Schleiz‚ Burg, Saalburg und Lobensten anfänglich gemeinschaftlich besassen. Da nun die beiden Kaiser, Adolf und Albrecht nicht mehr am Leben waren, Landdgraf Albrecht der Unartige aber in schwerem Hader mit seinen eigenen Söhnen lebte‚ so hielten die Lobdaburger den Zeitpunkt für günstig, die ihnen zukommenden Arnshaugkschen Güter mit Gewalt der Waffen zurück zu erobern. Die Lobdaburger begannen die Fehde mit so grosser Erbitterung, dass sie sogar den Termin zur Belehnung mit ihren Besitzungen bei Kaiser Ludwig IV. verabsäumten und durch Fürsprache den Unwillen des Reichsoberhauptes beseitigen lassen mussten. Uebrigens gewann das Unternehmen der Lobdaburger eine günstige Aussicht durch die Vermählung Friedrichs mit der gebissenen Wange mit Elisabeth von Arnshaugk‚ des verstorbenen Grafen Otto Tochter‚ und durch den Tod Landgraf Albrechts‚ wodurch Friedrich in den ungestörten Besitz der Landgrafschaft Thüringen gelangte, und sammt der alten Gräfin Elisabeth, seiner Schwiegermutter‚ die Lobdaburger unterstützte.

Mit Herrmann von Lobdaburg‚ Albrecht von Lobdaburg-Leuchtenburg und Herrmann von Lobdaburg-Elsterberg hielten es der Erzbischof Burkhard von Magdeburg‚ einige Harzgrafen, die Burggrafen Ludwig und Heinrich zu Leissnig und Burggraf Eckenbrecht von Starkenberg; auf Seiten der Herren von Gera standen Heinrich von Weida‚ Friedrich von Schönburg‚ Heinrich von Wildenfels‚ die von Tannenroda‚ Heinrich von Kirchhof nebst Thymo und Albrecht von Kunthen und mehreren anderen mächtigen Edelherren. Aber die Fehde dauerte Jahre lang‚ ohne dass Friedrich der Gebissene bei seinen eigenen Händeln die Lobdaburger kräftig unterstützen konnte‚ und endlich blieben die von Gera dennoch im Besitze der bedrohten Güter‚ da 1316 am Michaelistage zu Altenburg durch Friedrichs Vermittelung die Fehde beigelegt wurde. Als Zeugen bei dieser Sühne nennt die Urkunde Albrechten von Hackeborn‚ Busso von Elsterberg‚ Ludwig von Blankenhain‚ Günther von Salza, Hartmann von Beulwitz, Günther von Planitz, Johann von Neuenhofen, Meister Walther den Kanzler und Cunrad den Schreiber von Arnstadt.

Aber Herrmann von Lobdaburg und sein Vetter Albrecht von Leuchtenburg konnten die herrlichen Besitzungen nicht verschmerzen und griffen bald wieder zu den Waffen, ohne dass jedoch die von Elsterberg ihr Beginnen unterstützten. Von den meisten ihrer Bundesgenossen und den Sächsischen Fürsten verlassen‚ waren sie der Macht der Voigte von Gera nicht mehr gewachsen und wurden nach den hartnäckigsten Kämpfen 1320 zu einem Waffenstillstande gezwungen‚ der die von Gera in den ruhigen Besitz der Arnshaugkschen Güter brachte. Die Lobdaburger aber hatten sich durch die lange blutige Fehde dergestalt geschwächt‚ dass sie ihre Besitzungen bald nachher an die Grafen von Schwarzburg veräussern mussten. Von dem alten stolzen Geschlechte der Lobdaburger blieb nur die Elsterberger Linie übrig, welche sich bei den Kriegswirren in den Besitz der Herrschaft Paussa zu [19] setzen gewusst hatte‚ die ihr jedoch Heinrich der Lange von Plauen wieder abnahm; und auch diese letzte Linie der einst so mächtigen Dynastie trat nach 1360 in Meissnische und Böhmische Vasallenschaft, und wurde mit Elsterberg und Falkenstein in aller Form belehnt.

Ehe indessen die Lobdaburger auf Elsterberg die Hoheit der Meissner Markgrafen und des Königs von Böhmen anerkannten, suchten sie ihre Selbstständigkeit dadurch zu erhalten‚ dass sie sich mit den ebenfalls durch die Macht des Meissnisch-Thüringischen Hauses gefährdeten Voigten eng verbanden‚ und ein Schutz- und Trutzbündniss schlossen. Im Jahre 1327 fand auf Veranlassung Bussos von Elsterberg und seines Sohnes zu Ronneburg eine Versammlung statt‚ bei der die sämmtlichen Reusse sammt ihren Anhängern den sogenannten „Ronneburger Verein“ bildeten. Bald darauf trat Busso mit seinem Bruder Herrmann nebst Heinrich Reuss dem Kleinen auch einer Verbindung mehrerer Thüringischen Grafen und Städte bei, worauf die sogenannte Orlarmündische Fehde gegen das Haus Meissen begann‚ welche den Grafen von Orlamünde ihre schönsten Besitzungen‚ darunter Orlamünde und Weimar‚ kosteten‚ und sie zwang sich Markgraf Friedrich dem Strengen als Vasallen zu unterwerfen.

Auch die Verbündeten waren nicht im Stande den Waffen der Meissner zu widerstehen. Der Thüringische Heerführer Graf Heinrich von Hohenstein übte fürchterliche Rache. Eine Anzahl Städte wurden erstürmt und zerstört, und auch vor die Burg Elsterberg zog ein Haufen wuthentbrannter Kriegsleute und stürmte mit unwiderstehlicher Gewalt ihre festen Mauern und Thürme. Der Sohn Bussos von Elsterberg nebst zwölf gefangenen Edelleuten wurden sofort auf dem Marktplatze des Städtchens enthauptet, die Besatzung in Stücken gehauen und das Schloss geschleift. Die Folgen dieses blutigen Krieges‚ der in der Geschichte unter dem Namen des „Voigtländischen Krieges“ bekannt ist, traf fast sämmtliche Verbündete sehr hart, und die Oberherrschaft Böhmens und des Meissnisch-Thüringischen Hauses war gesichert für immer.

Die Lobdaburger Herren‚ von denen 1415 noch ein Herrmann von Elsterberg und Plan genannt wird‚ welcher von Hans von Riesenberg die Herrschaft Luditz in Böhmen erbte‚ blieben im Besitze von Elsterberg bis gegen das Jahr 1440‚ wo es als offenes Lehn an die Landgrafen fiel‚ und von diesen den Herren von Bünau überlassen wurde, von welchen Günther von Bünau 1440‚ auch Christgrün besass. Ihm folgte Heinrich von Bünau, dessen gleichnamigem Sohne auch Thürnhof und Kummerhof gehörte. Heinrich von Bünau auf Schlöben‚ sein Sohn war Kreishauptmann des Voigtländischen Kreises‚ und 1578 besassen die Bünaus auf Elsterberg auch Steinsdorf und Kleingera. Im Jahre 1634 war der steinreiche Oberst von Bose auf Netzschkau Eigenthümer der Burg und des Städtleins Elsterberg‚ 1753 aber gehörte der Ort dem Obersteuereinnehmer Rudolf von Bünau auf Frankenhof, Kleingera und Kunsdorf‚ und 1818 dem Oberstlieutnant Heinrich Adolf von Beust. Ueber die eigentlichen jetzigen Besitzesverhältnisse können wir blos noch angeben, dass Elsterberg 1830 mit einigen andern Gütern dem Kammerherrn Freiherrn von Beust in Lehn gegeben wurden‚ obgleich sie zur Freiherrlich von Hünefeldschen Stiftung gehören‚ für deren Besitzungen 1832 ein Herr von Schlieben die Lehn übernahm.

Die alte Burg Elsterberg besteht noch aus einigen grauen Mauern und Thurmresten‚ ist aber erst in neuerer Zeit zur Verwendung der Steine niedergebrochen worden, denn noch vor siebzig Jahren stand die Schlosskirche unter Dach, und bei dem Brande des Städtchens, 1816, war die alte Veste noch so wohl erhalten, dass eine grosse Anzahl der Abgebrannten in ihren Räumen Wohnung und Unterkommen finden konnten. Die Sage‚ dass die Burg einst ein Raubnest gewesen sei‚ ist völlig ungegründet‚ und es mag wohl die im Munde des Volkes noch jetzt fortlebende Hinrichtung des jungen Busso von Elsterberg und seiner zwölf Ritter dazu Veranlassung gegeben haben.

Am Fusse des Schlossberges liegt‚ wie schon erwähnt‚ das Städtchen Elsterberg mit beinahe dreihundert Häusern und 2500 Einwohnern. Man webt hier namentlich für die nahen Fabrikstädte Plauen und Greiz Musselin und Baumwollenzeuge‚ und schon 1802 gab es über 230 Meister, die 1803 an 20,000 Stück lieferten; 1813 gegen 600 gangbare Stühle, und 1831 306 Meister mit 126 Gehülfen, aber nur fünf Schleierherren, da doch 1813 deren zwölf waren. Ueberhaupt zählte man 1831 28 Handelsleute und 520 Webende. Auch die Lohgerberei wird hier sehr stark getrieben‚ die Oekonomie aber durch die steilen Bergeshöhen‚ welche Elsterberg umgeben‚ sehr erschwert. Bemerkenswerth ist die hiesige Brauerei und Schafzucht. Von den beiden Elstermühlen gehört die sogenannte Franzmühle zum Frankenhofe‚ einem seit 1741 ebenfalls schriftsässigen Rittergute‚ welches durch Erbtheilung aus dem Schlossgute hervorgegangen ist und zu welchem der Ort Pansdorf gehört; die Stadtmühle aber hat auch Walk-, Graupen-, Loh-, Oel- und Schneidezeug. Ausserdem befinden sich in der Stadt eine Apotheke, zwei Gasthöfe, eine Färberei und zwei Töpfereien; eine Papiermühle befindet sich im nahen Görschnitz.

Das Städtchen Elsterberg hat jenseits der Elsterbrücke kleine Vorstädte‚ und südöstlich erhebt sich der hohe Kuhberg. Nicht weit von dem Orte mündet südwestlich die Weida und nordwestlich die Tremnitz in die Elster, welche drei Flüsse zum Theil die Landesgrenze bezeichnen. Die Kirche wurde‚ wie schon bemerkt‚ zu Anfang des zwölften Jahrhunderts von einem Ritter von Lobdaburg auf Elsterberg erbaut und stand eine Zeit lang auch unter dem Patronate der Voigte von Weida, bis durch die Gründung der Greizer Kirche eine eigene Pfarrei zu Greiz entstand‚ und die Voigte für die Erlaubniss zu der neuen Stiftung ihr Mitpatronatsrecht dem Ritter von Lobdaburg abtraten. Die Gemahlin eines dieser Voigte war eine geborene von Lobdaburg. Im Jahre 1430 verkaufte Hans von Röder auf Pöhl der Kirche zu Elsterberg die Ober- und Erbgerichte über ein Gut zu Sachswitz, welchen Kauf Heinrich von Reuss auf Greiz bestätigte; der Pfarrer zu Elsterberg übte deshalb über das genannte Gut, welches jetzt das Gotteshausgut heisst‚ bis in die neuesten Zeiten die Gerichtsbarkeit aus‚ die Obergerichtsbarkeit aber haftet an dem alten Schlossgute.

Mit den zur Kirche in Elsterberg eingepfarrten Dörfern sammt den Filialen Hohndorf und Steinsdorf zählt die Parochie etwa 4500 Seelen und beschäftigt drei Geistliche‚ von denen die beiden Diakonen abwechselnd den Filialdienst zu versehen haben. Ehedem erhielt der Pfarrer seine Besoldung vom Stiftscapitel zu Altenburg‚ Churfürst Ernst bestimmte dieselbe im Jahre 1471 auf neunundvierzig Schock Groschen; aber 1492 entstand zwischen dem Stiftscapitel und dem Ritter Heinrich von Bünau auf Elsterberg über die Dotation des Pfarrherrn ein neuer Vergleich. Der erste protestantische Prediger [20] an hiesiger Kirche war Paul Lindemann‚ der 1524 zu Zwickau sich verheirathete‚ 1529 aber von dort vertrieben‚ und später Herzog Heinrichs des Frommen Hofprediger wurde. Elsterberg ist auch der Geburtsort des berühmten Gothaischen Philologen und Schulmannes Oberconsistorialrathes Friedrich Wilhelm Döring‚ welcher 1837 mit Tode abging. – Bei den grossen Bränden‚ welche die Stadt in den Jahren 1816 und 1838 betrafen‚ blieb die Kirche unversehrt. Die eingepfarrten Ortschaften sind Brokau‚ Christgrün, Feldwiese‚ Wipplas‚ Rückisch‚ Pfannenstiel‚ Görschnitz mit den Gipphäusern, Kleingera, Reuth, Lohsa, Nosswitz, Sachswitz, Reimersgrün, Scholis, Thürnhof, Coschütz und einige einzeln stehende Häuser.

Otto Moser, Redact.      




Reinsdorf.


Mag der Reisende das früher so wenig gekannte und doch an Naturschönheiten‚ wie an mannigfachen Vorzügen und Schätzen anderer Art so reiche Sächsische Voigtland auf der hier den Norden mit dem Süden Deutschlands verbindenden Eisenbahn‚ oder auf der grossen Strasse von Böhmen her berühren‚ so wird er, angelangt bei der immermehr aufblühenden Kreis- und Industriestadt Plauen‚ – dem Mittelpunkte des alten Landes der Voigte – sich aufs Angenehmste durch die vor seinen Augen ausgebreitete Landschaft‚ und zwar nicht minder durch das Neue und Freundliche und dabei Solide der Bauart der Stadt mit ihren Thürmen und grossartigen Schloss- und Fabrikgebäuden‚ als vorzüglich durch das Liebliche des Thalgrundes, in dem sich die Stadt bis zum Elsterflusse herabzieht, und durch das Romantische und Abwechselnde seiner Umgebungen überrascht finden.

Hier hat sich vor Jahrtausenden der Elsterfluss‚ der vor dem da einen See gebildet‚ ein tiefes Rinnsaal‚ den Eingang zu der unfern der Stadt beginnenden Voigtländischen Schweiz, durch Felsen und Berge gebrochen und eine herrliche Aue‚ umsäumt von bewaldeten Anhöhen und jetzt bedeckt von Wiesengeländen‚ Gärten und Fruchtfeldern‚ in deren Mitte sich die Stadt gelagert‚ zurückgelassen.

Hier münden auch eine Menge der anmuthigsten Seitenthäler mit ihren sie befruchtenden und belebenden Bachen‚ hier kreuzen sich belebte und von allen Himmelsgegenden her kommende Strassen‚ und soweit das Auge reicht‚ findet es die Gegend mit Dörfern und Landhäusern, – darunter auch stattlichen Schlössern – besäet.

Einer der schönsten Punkte in der Umgebung Plauens und unmittelbar vor dessen Thoren – kaum eine halbe Stunde davon entfernt‚ – ist das Rittergut Reinsdorf, eines der bedeutendsten‚ aber auch am Anmuthigsten gelegenen Güter des Voigtlandes. Dasselbe‚ ursprünglich Reinoldsdorf genannt‚ war in früheren Zeiten und bis zum Jahre 1602 ein landesherrliches Vorwerk‚ ein sogenanntes Küchengut. Im Jahre 1278 finden wir in einer Urkunde, das Dorf Strassberg betreffend, als Zeugen aufgeführt, zwei Herren des Namens Albertus de Reinoldsdorf, senior et junior, welche milites im Dienste des damaligen Voigts Heinrich von Plauen und wahrscheinlich nur Verwalter, nicht Besitzer von Reinoldsdorf waren. Aber wenn sie auch das Letztere gewesen waren‚ so muss doch das Vorwerk Reinsdorf später wieder in die Hände des Landesherrn gekommen sein. Unter der Sächsischen Herrschaft seit 1466 und resp. 1569 wurde es durch den Amtsschösser von Plauen verwaltet. Der Churfürst August verpachtete dasselbe 1578 an den Stadtrath von Plauen auf 12 Jahre. Dass nach Ablauf dieser Pachtzeit im Jahre 1590 der Pacht auf eine gleiche Zahl von Jahren erneuert worden sei‚ ist deshalb wahrscheinlich, weil gerade nach Verlauf von wieder 12 Jahren 1602 eine Veränderung mit Reinsdorf vorging. Es machte nämlich der Churfürst Christian II. das Vorwerk Reinsdorf seinem Oberküchenmeister (und nachmaligen Amtmann, sowie Amtshauptmann zu Zwickau) Sebastian von Metzsch auf Plohn zum Geschenk „für seine zwar geringen‚ aber unterthänigsten treuen Dienste‚“ wie Metzsch selbst sagt. Doch hatte Metzsch bei dieser Begnadigung 5000 Gulden an die Churfürstliche Rentkammer zu bezahlen. Hierauf wurde 1604 das Vorwerk Reinsdorf zu einem schriftsässigen Rittergut mit einem wegen der Landessteuer darauf gelegten Ritterpferde laut churfürstlichen Befehls vom 5. Mai d. A. erhoben. – Nachdem Sebastian von Metzsch 1606 mehrere Grundstücke, Besitzungen und Gerechtsame‚ die zu Reinsdorf gehörig gewesen‚ als: den Hofacker hinter dem Schlosse zu Plauen‚ die zwei Mahlmühlen in der Stadt mit Erb- und Obergerichten‚ sowie die Gerichtsbarkeit über die Vorthören von Plauen‚ (die Bewohner der Vorstädte) – an die Stadt Planen um 12,400 Gülden verkauft hatte, so verkaufte er auch 1613 das Gut selbst wieder an den Landesherrn‚ den Churfürsten Johann Georg I. um 12,000 Gulden‚ der es 1614 an die Stadt Plauen um 15,500 Gülden veräusserte und dabei einige dazu gehörige Hölzer sich vorbehielt. Die Stadt Plauen blieb im Besitz von Reinsdorf bis zum Jahre 1635‚ wo der Stadtrath aus mehrfachen Gründen [21] (die arge Verwüstung des Gutes durch die kaiserlichen Truppen in den Jahren 1632‚ 33 und 34‚ die Unmöglichkeit‚ die darauf noch stehenden Kaufgelder zu bezahlen – die in Folge des Kriegs gehäufte Schuldenlast der Stadt) das Gut an Joachim von Reibold auf Neundorf, Strassberg‚ Kloschwitz, Rössnitz, Gutenfürst und Tannhof verkaufte‚ doch wurde sich Seiten der Stadt „zwei Tagwerk uff der Hoffwiessen‚ beneben den Erbgerichten darauf, so wegen der Schleer bleichen (Schleierbleichen für die baumwollenen Waaren‚ die damals schon in Plauen fabricirt wurden)‚ die Stadt nicht wohl entrathen kann‚“ dabei vorbehalten.

Von 1635–1800 blieb Reinsdorf in den Händen der Reibold’schen Familie. Nach dem Tode des genannten Joachim von Reibold im Jahre 1638 übernahmen seine zwei Söhne Hans Christoph und Hans Philipp das Gut. Des Letztgenannten Sohn gleichen Namens war 1656 Besitzer von Reinsdorf. 1698 folgte ihm sein Sohn‚ der Kammerherr August Gottlob von Reibold, nachdem er sich mit seinen Brüdern verglichen hatte‚ und von ihm erbte das Gut sein Sohn‚ der Kammerjunker und Oberforstmeister Hans von Reibold. Dieser machte 1722 mit seinem Vetter Hans Erdmann von Reibold auf Kloschwitz einen Tausch‚ so dass der Letztgenannte Kloschwitz abtrat‚ und dafür Reinsdorf erhielt. Von ihm kam es 1747 an seinen Sohn‚ den Rittmeister Ferdinand Philipp von Reibold, der es 1800 an seinen Enkel‚ den Lieutnant Ferdinand Christian Wolf von Tümpling verkaufte‚ von dem es im Jahre 1846 durch Schenkung auf seinen Vetter‚ den jetzigen Besitzer, Herrn Kammerherrn und Rittmeister Wolf von Tümpling auf Sorna überging.

Von der Zeit der Gutsübernahme des jetzigen Besitzers an‚ datirt eine neue Aera fur Reinsdorf. An der Stelle der früheren‚ dem Verfall ziemlich nahe gewesenen Gebäude‚ sind neue massive dergleichen – für Jahrhunderte und zwar im schönsten Baustyle erbaut – aus der Erde gestiegen und nehmen den doppelten Raum des früheren Gehöfes ein.

Diese‚ wie die neuangelegten Kunstwiesen hinter dem Schlosse‚ die von Jahr zu Jahr steigenden Erndten‚ die Vervollkommnungen in allen Gutsbranchen‚ geben Zeugniss von dem hohen Stand der Landwirthschaft im Voigtlande im Allgemeinen, wie von dem Verständniss derselben und der Munificenz des dermaligen Besitzers des Gutes insbesondere. Die Gunst der Zeitverhältnisse hat es aber auch gefügt‚ dass die neue von Plauen nach Oelsnitz und in die Bäder führende Chaussee dicht an Reinsdorf vorüber gelegt worden. Hunderte von Wagen‚ Spaziergängern und Reisenden frequentiren diese Passage fast stündlich und beleben das ohnehin reizende Bild. Dabei ist das schöne Alte geblieben. Die uralten Eichen, die herrlichen Laubhölzer, in denen das Gut mit dem Dörfchen liegt‚ dienen ihm heute noch zur Zierde‚ und der alte Bergriese rechts vom Schlosse mit seiner Waldkrone, – in der Volkssprache „Olymp“ genannt, hält treulich Wacht bei ihm, und die Aussicht nach der Stadt hat sich durch den Blick auf das neue Wahrzeichen ihres Aufschwunges – den Bahnhof allda – und die dort vorbeifliegenden Dampfwagenzüge nur verschönt.

Otto Moser, Redact.     




Heinersgrün.


Mit dem zehnten Jahrhundert erscheint im Voigtlande eine neue Epoche des Anbaus. Um diese Zeit bildeten die von den Sorben angelegten Ortschaften kaum den dritten Theil der jetzt vorhandenen, als aber die Deutschen mit gewaffneter Hand die Slavenstämme zum Christenthum bekehrt‚ und zur Knechtschaft gezwungen hatten‚ entstanden überall Ortschaften und Ansiedelungen‚ deren Namen noch jetzt ihren deutschen Ursprung leicht erkennen lassen. Hierher gehören auch alle Dörfer, deren Namen sich mit grün endigen, wie Christgrün, Hartmannsgrün‚ Reichardsgrün‚ Bernsgrün und Heinersgrün; man bezeichnete damit eine im Walde gemachte Ansiedelung‚ der man den Namen des Anbaues beifügte‚ und so würde Heinersgrün einen Ort bedeuten, den auf ausgerodetem Walde ein Mann‚ des Namens Heinrich gründete.

Die ältesten‚ bekannten Besitzer des Rittergutes und Dorfes Heinersgrün sind die Herren von Feilitzsch. Diese uralte Voigtländische Familie, deren Stammgut Feilitzsch nicht weit von Hof in Baiern liegt, gehörte zu den reichbegütertsten Geschlechtern unseres Vaterlandes, und die Geschichte nennt eine grosse Anzahl Männer dieses Namens, die im Kriege, wie im Rathszimmer ihren Fürsten gute Dienste leisteten. Der erste bekannte Herr von Feilitzsch auf Heinersgrün war Ritter Reinhold von Feilitzsch, Sachsgrün, Gutenfürst, Kemnitz und Trögen, der um das Jahr 1330 urkundlich erwähnt wird. Ihm folgte sein Sohn‚ Reinhold von Feilitzsch‚ und als dieser 1380 mit Tode abging‚ sein Enkel, Ritter Hans von Feilitzsch. Ein Grossneffe des Ritters Hans war Herzog Wilhelms von Thüringen Rath‚ und gründete zwei Linien‚ die Gutenfürster und Heinersgrüner‚ aus welchen namentlich der kaiserliche Oberhofmarschal und Oberstallmeister Hans Christoph von Feilitzsch auf Gutenfürst, [22] Heinersgrün‚ Troschenreuth‚ Kemnitz‚ Posseck‚ Wiedersberg, Zedtwitz und Weischlitz sich auszeichnete. Der älteste Sohn desselben, Adam von Feilitzsch, stand in französischen Kriegsdiensten, und besass 1568 Oberweischlitz, Rosenberg‚ Heinersgrün und Blosenberg, welches letztere‚ ehedem ein besonderes Gut, schon längst mit Heinersgrün verbunden ist. Einer von Adams Söhnen veräusserte Heinersgrün an einen Herrn von Pöllnitz‚ bei dessen Familie das Gut bis zum Anfang dieses Jahrhunderts blieb. Heinersgrün gehörte 1713 dem Kammerrath Jonas Bruno von Pöllnitz auf Sparnberg und Blintendorf, bis 1758 dem Ansbacher Geheimrath‚ Generalmajor und Festungscommandanten August Friedrich von Pöllnitz‚ der ebenfalls Sparnberg und Blintendorf besass‚ und 1790 dem Hessen-Darmstädtschen Kammerjunker Friedrich Christoph von Pöllnitz auf Blosenberg. Hierauf kam das Gut wieder an die Feilitzsche Familie zurück. Der jetzige Besitzer von Heinersgrün ist der Kammerherr‚ Herr Ernst Georg Heinrich Lazarus von Feilitzsch.

Das Rittergut Heinersgrün liegt etwas abgesondert vom Orte‚ und besitzt ausser den Vorwerken Blosenberg und Marxgrün Antheile von den Dörfern Ramboldsreuth‚ Englasgrün‚ Zettlasgrün‚ Berglas, Wiedersberg und Kemnitz, sowie die einzelnen Häuser Wolfsstaude, Oessa und die Hammermühle mit zwei Mahlgängen‚ Schneide-‚ Oel- und Graupenmühle. Einer der Thürme des Schlosses zeigt in seinem Innern noch Spuren eines früheren Burgverliesses.

Das Dorf Heinersgrün gehört zum Amte Voigtsberg, und liegt nahe an der von Plauen nach Hof führenden Poststrasse, nicht weit entfernt von der Bairischen Grenze. Es enthält etwa sechzig Feuerstätten mit ungefähr dreihundert Einwohnern‚ von denen die meisten sich früher, als das Maschinenwesen noch nicht eine Anzahl von Menschenhänden überflüssig gemacht hatte, durch Baumwollenspinnerei ernährten.

Auf einer freundlichen Anhöhe, an deren Fusse die Häuser des Dorfes im weitem Kreise sich hinlagern‚ erhebt sich‚ dem Schlosse gegenüber eine zu Letzterem gehörige Kapelle, welche der heiligen Clara gewidmet war, und in früheren Zeiten von zahlreichen Wallfahrern besucht wurde. Vormals musste der Pfarrer von Wiedersberg‚ wohin Heinersgrün eingepfarrt ist‚ in der Kapelle jährlich siebzehn Mal, später drei Mal Gottesdienst halten, wofür er von dem Besitzer des Rittergutes Heinersgrün eine Vergütung empfing. Jetzt wird in der Kapelle nur noch das Kirchweihfest gefeiert‚ welches auf den Sonntag nach Martini fällt. Die Kapelle ist mit einem Thurme geschmückt, in dem früher drei Glocken hingen‚ von welchen aber in neuerer Zeit die beste gestohlen wurde, eine zweite zersprang, und nur die dritte noch vorhanden ist. Aus Besorgniss dass räuberische Hände auch die Orgel entführen könnten, liess der Rittergutsbesitzer dieselbe aus der Kapelle nach dem Schlosse bringen. In der Kapelle befindet sich eine schöne geräumige Gruft, und die Bekleidung des Altars ist reich und geschmackvoll mit Gold besetzt.

Die Kirche zu Wiedersberg ist ein längst vor der Reformation entstandenes Gebäude‚ welches in den Jahren 1730 und 1760 bedeutenden Reparaturen unterworfen wurde. Der Altar enthält viel alterthümliches Schnitzwerk und stammt aus sehr früher Zeit. An beiden Seiten der Kirche sind Kapellen angebaut‚ von denen eine zum Rittergute Heinersgrün‚ die andere aber den Rittergutsbesitzern auf Wiedersberg und Troschenreuth gehört. Das Innere der Kirche ist zwar ziemlich geräumig‚ doch fehlt es an Licht. Der hohe, schöne Thurm trägt drei Glocken und ist eine Zierde des Ortes‚ in dessen Mitte sich das Gotteshaus erhebt. Wiedersberg gehört zu den sogenannten Streitpfarren‚ über welche bis vor einem Jahrzehent das Collaturrecht Sr. Majestät dem König von Baiern, als Markgrafen von Baireuth, zustand. In den frühesten Zeiten wurden nämlich die kirchlichen Verrichtungen im sogenannten Regnitzlande von Hof aus besorgt, und der Pfarrer der dortigen Mutterkirche hatte die dazu erforderlichen Kapläne zu ernennen. Da nun oft durch Witterung oder sonstige Störungen der kirchliche Verkehr unmöglich wurde‚ so erbaute man in den entfernteren Parochieen Kapellen‚ und die Kapläne mussten in dem Orte‚ wo das neue Gotteshaus entstanden war‚ ihre Wohnung nehmen. Viele dieser Kapellen wurden bereits lange vor der Reformation zu Mutterkirchen und selbstständigen Pfarreien erhoben; dagegen blieben andere in enger Verbindung mit der Kirche zu Hof, deren Pfarrer fortwährend das Recht handhabte, Kapläne zu ernennen oder abzusetzen, und sie zu besolden. Vier Mal‚ früher fünf Mal‚ mussten die Kapläne in der Hauptkirche zu Hof Messdienste verrichten‚ und empfingen dafür vom Pfarrherrn eine Mahlzeit. Verlangte der Bischof von den Geistlichen eine Steuer, so zahlten die Kapläne ihren Beitrag an den Pfarrer zu Hof. Diese Verhältnisse‚ welche zugleich Aufschluss über die älteste Collatur der Pfarre zu Wiedersberg geben‚ bestanden bis 1531‚ wo der letzte katholische Pfarrer zu Hof, Domprobst Friedrich von Brandenburg‚ seinem protestantisch gesinnten Bruder‚ dem Markgrafen Georg dem Frommen die Pfarre zu Hof gegen die Probstei Würzburg abtrat. Dieser Tausch hatte eine Umänderung des Parochialverhältnisses zur Folge‚ indem Wiedersberg selbst Mutterkirche wurde. Das Collaturrecht der Pfarrei‚ hatte Domprobst Friedrich mit der Pfarrei seinem Bruder‚ dem Markgrafen‚ abgetreten‚ und so kam es‚ dass die Markgrafen von Baireuth (Brandenburg-Culmbach) dasselbe bis in die neueste Zeit ausübten, womit Sachsen freilich nicht einverstanden war, und in manche Zwistigkeit mit dem Nachbar gerieth. Die Streitpfarren im Sächsischen Voigtlande sind Wiedersberg, Krebes‚ Mislareuth‚ Sachsgrün‚ Eichicht und Grosszöbern; sie werden jetzt nach einer Convention vom Jahre 1844 abwechselnd einmal von Bairischer, das andere Mal von Sächsischer Seite besetzt. Eingepfarrt in die Kirche zu Wiedersberg sind ausser den Dörfern Wiedersberg und Heinersgrün auch noch Troschenreuth‚ Ebersberg‚ Blosenberg und Romolsreuth. In letzterem Orte ist der Pfarrer Lehnsherr über ein Gut‚ der Bargem genannt. Die Parochie zählt ungefähr 1100 Seelen‚ darunter 200 Schulkinder. In neuerer Zeit ist Heinersgrün aus dem Schulverbande mit Wiedersberg getreten und besitzt jetzt einen eigenen Lehrer.

Otto Moser, Redact.     



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Leubnitz.


Leubnitz‚ an der alten Strasse von Plauen nach Schleiz gelegen‚ ist slavischen Ursprungs, und hat seinen Namen von Leupa, „eine Linde“ empfangen, welche Baumgattung in früherer Zeit hier häufig angetroffen wurde‚ denn der Ort liegt in einer Niederung von Feldhügeln und wasserreichen Wiesengründen, wo die Linde wohl gedeiht. Noch jetzt leben alte Leute, die sich erinnern‚ im Dorfe Leubnitz mehrere uralte Lindenbaume gesehen zu haben, jeder Zweifel über die Deutung des Namens Leubnitz schwindet aber durch das vorhandene alte Kirchensiegel, welches einen abgebrochenen Lindenstamm mit einem Zweige von drei Blättern zeigt. Die Gegend um Leubnitz ist eine höchst angenehme. Südlich vom Orte‚ kaum einen Büchsenschuss entfernt, fliesst der Rodauer Bach‚ auch Röhrbach und Ruerbach genannt, welcher die Weissmühle mit zwei Mahlgängen, eine Oel- und Schneidemühle treibt; nördlich und östlich rinnen die Gewässer von Trochaus und Fasendorf, die sich in den einstmals sehr umfangreichen Plauteichen verlieren, und dort die Teichmühle mit zwei Mahlgängen und einer Schneidemühle speisen; deren Abfall aber‚ vereint mit dem Rodauer Bache‚ nicht weit davon die Forstmühle mit zwei Mahlgängen und Oelmühle‚ sowie auch eine Papiermühle in Bewegung setzt.

Die schönste Zierde des Dorfes ist das Rittergut mit seinem herrlichen Schlosse‚ welches mit den etwas niedrigen Wirthschaftsgebäuden ein grosses, längliches Viereck bildet, das einen weiten Hof umschliesst. Auf des Schlosses südlicher Seite befindet sich ein ausgedehnter‚ trefflicher Garten‚ mit zwei Häusern für exotische Pflanzen. Das alte Schloss zu Leubnitz brannte im Jahre 1762 nieder, und da die Herrschaft zu jener Zeit nicht hier, sondern auf dem Schlosse zu Mühltroff wohnte, so wurde dasselbe nur nach einem geringen Maassstabe wieder aufgebaut. Als aber im Jahre 1792 der Rittmeister Heinrich Wilhelm von Kospoth das Gut Leubnitz ererbte, und hier seine Wohnung nahm, liess er das kleine Herrenhaus abbrechen und erbaute das jetzige‚ grossartige Schloss‚ welches wegen der Regelmässigkeit seiner Gebäude und der darin herrschenden Symetrie zu den schönsten Edelsitzen des Voigtlandes gehört.

Das Rittergut Leubnitz besitzt die Ober- und Erbgerichte über Hals und Hand‚ soweit die Leubnitzer Fluren gehen‚ die hohe‚ mittle und niedere Jagd‚ viele Teiche‚ von denen indessen eine Anzahl in schöne Wiesen umgeschaffen worden sind, und eine beträchtliche Fischerei. Besonders erwähnenswerth sind die grossen‚ dem Gute gehörigen Waldungen‚ welche weit über die Leubnitzer Fluren hinausreichen und in weitem Kreise die Ortschaften Fasendorf, Mehltheuer, Oberpirk, Schönberg, Rodau und andere umschliessen. In früheren Zeiten bestand das Rittergut aus zwei Abtheilungen, Unterhof und Oberhof genannt, die indessen schon längst mit einander vereinigt sind. Die sämmtlichen Grundstücken des Rittergutes Leubnitz umfassen einen Flächenraum von tausend Ackern, es gehört sonach zu den bedeutenderen des Voigtländischen Kreises‚ und dem Besitzer steht die Collatur über Kirche und Schule zu Leubnitz und Rodau zu, wofür jedoch alljährlich ein Zins von zwölf Thalern an den Pastor Primarius und Superintendenten zu Plauen entrichtet werden muss.

Als die frühesten Besitzer des Schlosses Leubnitz werden die Herren von Röder genannt‚ ein vormals im Voigtlande reichbegütertes Geschlecht, von denen Ritter Conrad Röder auf Leubnitz beim Einfalle der Hussiten in das Voigtland, das Schloss Hradschin vertheidigen half. Es war im Jahre 1430, als die furchtbare Hussitenschaar durch Blut und Aschenhaufen auf das unglückliche Plauen anzog, um über die Stadt das volle Maas des Zornes eines erbitterten‚ unmenschlichen Siegers auszuschütten, den sie gegen Burggraf Heinrich II. gefasst hatten, welcher den Herrn von Sternberg, einen vornehmen Hussiten‚ gefangen hielt, und selbst gegen ein bedeutendes Lösegeld nicht freigeben wollte. Plauen war damals eine feste mit Thurm und Wall gut verwahrte Stadt‚ und galt für eine wichtige Festung‚ deshalb hatten sich die Bewohner der nahegelegenen Ortschaften mit ihren besten Habseligkeiten hierher geflüchtet‚ und dieser Umstand veranlasste Plauens Verderben, denn zur Rachgier gesellte sich nunmehr die Habsucht, und die Hussiten beschlossen die Stadt um jeden Preis zu gewinnen. Die Belagerten wehrten sich wie tapfere Männer, aber sie konnten endlich den Angriffen der schlachtenkundigen Hussiten nicht mehr wiederstehen, und der Feind drang stürmend ein. Alles wurde niedergehauen oder mit teuflischen Martern langsam hingerichtet‚ und bald stand die Stadt mit der Kirche und allen öffentlichen Gebäuden in Flammen.

Noch hielt sich das feste Schloss Hradschin, worin bei Erstürmung der Stadt ein grosser Theil der Bürgerschaft Zuflucht gefunden hatte‚ und vielleicht würde dieses durch seine Lage‚ Befestigung und tapfere Besatzung unbezwingbar gewesen sein‚ wenn nicht der Kommandant desselben, ein Herr von Ratschauer‚ durch gebotenes‚ feiles Gold geblendet‚ als Verräther das Thor geöffnet hätte. Die ganze Besatzung‚ zweitausend Mann stark, wurde niedergemacht‚ aber unter den Getödteten befand sich auch der bübische Kommandant. Die Hussiten erbeuteten hier ungeheure Reichthümer und demolirten vor ihrem Abzuge‚ gleich der Stadt‚ auch den Hradschin.

Unter den Edelleuten‚ welche der Wuth des hussitischen Kriegsvolkes zum Opfer fielen, befand sich ausser dem schongenannten Conrad von Röder auf Leubnitz auch Otto von Röder auf Rodersdorf, Einer von Pöhl‚ zwei Brüder von Magwitz‚ Einer von Rab‚ Einer von Reussa‚ Hans von Posseg, Einer von Kopp‚ Hans von Pöllnitz mit zwanzig Knechten‚ Wilhelm von Mylau mit drei Knechten‚ Heinz Rumpf von Mosbach und Conrad von Molsdorf, die Alle der Stadt zur Hülfe gekommen waren. Ein furchtbares Schicksal traf namentlich die Pfaffen und Mönche‚ von denen zwölf auf dem Klosterkirchhofe lebendig begraben wurden. – Mehr Glück als die Vertheidiger Plauens, hatten die von Wunsiedel, denn als die Hussiten auch hier ihr furchtbares Spiel beginnen wollten, wehrten sie deren 18000 Mann starkes Belagerungsheer von ihren Mauern ab‚ wofür sie in ihr Stadtwappen den Hundskopf mit der goldenen Krone über einem offenen Helme erhielten.

[24] Von den Herren von Röder kam Leubnitz im sechszehnten Jahrhundert an die Trützschler von Eichelberg, ebenfalls eine alte Voigtländische Familie, welche auch das Gut Stein an der Mulde als ein Lehn von Hartenstein innehatte. Hildebrand Trützschler von Eichelberg, verkaufte 1605 Leubnitz an Wilhelm Melchior von Bodenhausen auf Mühltroff.

Die Familie von Bodenhausen, welche aus Braunschweig stammt, besass bedeutende Güter. Diesem Wilhelm Melchior von Bodenhausen gehörten, ausser Leubnitz und Mühltroff auch die Güter Arnstein, Almen und Brakenberg in Hessen, drei Viertheile der Herrschaft Blankenhain-Lauterberg, das Hohnsteinsche Schloss Nora und im Voigtlande pfandweise das Amt Paussa. Von Wilhelm Melchiors von Bodenhausen Nachkommen wurde sein Sohn Otto Landeshauptmann zu Hof, und sein Enkel, Franz Wilke, 1669 vom Kaiser Ferdinand III. in den Freiherrenstand erhoben, weil er für denselben auf eigene Kosten ein Dragonerregiment von 1000 Mann angeworben und ausgerüstet hatte. Er führte auf Mühltroff einen fürstlichen Haushalt, unterhielt adlige Räthe, sowie Hofmeister, Pagen, Hofdamen, einen Schlosshauptmann, Leibarzt, eine mussikalische Kapelle und sogar eine Leibwache von fünfzig Dragonern. Seine Tochter, Elisabeth Sophie, vermählte sich 1679 mit Heinrich VIII., Grafen Reuss zu Hirschberg.

Melchior Otto von Bodenhausen, wurde im Jahre 1695 vom Kaiser Leopold I. zum Vormund von Obergreiz bestellt. Mit dessen Sohne, Otto Georg, starb jedoch 1764 die Familie Bodenhausen auf Mühltroff aus, und die Herrschaft Mühltroff mit Leubnitz kam an Karl Erdmann von Kospoth, den Gemahl seiner einzigen Tochter Ottonie Eleonore, nachdem Leubnitz durch Landesherrliche Gnade auch die Weiberlehn empfangen hatte.

Das Stammhaus der uralten Familie Kospoth, Cospoda, in Urkunden auch Cosscebothe oder Cozzibut genannt, liegt im Bezirk Weida, und 1253 besassen die Kospothe bereits Schilbach, sowie 1292 Frankendorf mit Oschitz. Wie mehrere der ältesten Voigtländischen Adelsgeschlechter, z. B. die Feilitzsch, Planitz, Magwitz und Zedwitz führen, auch die Kospoth einen slavischen Namen, und es ist nicht unwahrscheinlich, dass diese Familien von vornehmen Slaven abstammen, die sich den andringenden Siegern freiwillig fügten und anschlossen, und dadurch Freiheit und Besitzthum retteten. In der Marienkirche zu Schleiz bestand bereits 1220 eine durch Leutold von Kotztzebode gestiftete Begräbnisskapelle, welche der heiligen Anna gewidmet war, derselbe Leutold von Kospoth unterzeichnete 1246 eine Schenkung der Kirche zu Gefell. Asmus von Kospoth kommt 1235 vor, Burgold von Kospoth 1317, der ehrbare Knecht Hans Kospoth 1337, Kunz von Kospoth 1461, Veit und Friedrich von Kospoth 1485, Jobst von Kospoth 1534, Balthasar von Kospoth 1581 und Friedrich von Kospoth 1602. Im vierzehnten Jahrhundert war eine Margarethe von Kospoth Aebtissin des Klosters zu Saalburg und Sophie von Kospoth bekleidete dieses geistliche Amt um 1507.

Nach dem Tode des Rittmeisters von Kospoth, der im Jahre 1834 erfolgte, kam das Rittergut Leubnitz an dessen Sohn, Herrn Friedrich Heinrich von Kospoth, der bereits im Jahre 1823 das Rittergut Rodau erkauft hatte, und 1852 verstarb. Die Güter Leubnitz und Rodau fielen an dessen hinterlassene vier Söhne, die Herren Franz Heinrich Rudolph, Hermann Heinrich Maximilian, Bernhard Heinrich Asmus und Hugo Heinrich Luithold von Kospoth, welche dieselben noch jetzt besitzen.

Das Dorf Leubnitz besteht mit Inbegriff der Pfarre, der Schule, der Mühlen und einiger abgelegener Häuser aus 110 Feuerstätten, unter denen vier halbe Höfe, einundzwanzig Viertelhöfe und sechsundsiebzig Häuslerwohnungen befindlich sind. Ausserdem stehen unter dem Rittergute Leubnitz in Mehltheuer ein Vorwerk und sechszehn Häusern; in Stelzen das dasige Wirthshaus. Mit Erbgerichten gehören dazu im Dorfe Cornbach ein halber Hof und ein Häusler; in Schönberg ein halber Hof und ein Häusler; in Demeusel ein ganzer Hof, fünf halbe Höfe und drei Viertelhöfe; in Trochaus ein ganzer Hof, drei halbe, ein Viertelhof, drei andere Begüterte und sieben Häusler; in Oberpirk neun halbe Höfe, ein Begüterter und fünf Häusler; in Fasendorf zwei ganze, drei Dreiviertelhöfe, ein Viertelhof, ein begüterter Hof und vier Häusler; in Rössnitz drei Häusler; in Kloschwitz ein Halbgebinde von drei und Dreiviertel Höfen, ein halber Hof, eine Mühle, vier Häusler. Zu Rodau gehören drei ganze Höfe, fünf halbe, vier Viertelshöfe und achtzehn Häusler. Die Zahl der Einwohner beträgt etwa 600 Köpfe, welche sich nach dem Verfall der Baumwollenspinnerei hauptsächlich mit Ackerbau, Viehzucht und Handarbeiten beschäftigen.

In den unheilvollen Kriegen des fünfzehnten, siebzehnten und neunzehnten Jahrhunderts, hatte Leubnitz viel zu leiden, und namentlich trug der Umstand, dass der Ort an der Heerstrasse von Plauen und Schleiz liegt, Schuld, dass derselbe im Jahre 1806 von dem Soultschen Corps geplündert wurde. Einige Tage nach dem Abzuge der Franzosen liess ein Bairischer General, der mit sechshundert Mann durch Leubnitz kam, die unglücklichen Einwohner abermals ausplündern und verursachte dadurch dem Orte einen Schaden von fast 4000 Thalern, welchen jedoch die Bairische Regierung theilweise wieder vergütete.

Die Kirche zu Leubnitz ist ein schmuckloses mit einem hübschen Thurme verziertes Gebäude, welches auf der Stelle des uralten Gotteshauses, von dem man nur die Grundmauern stehen liess, im Jahre 1823 errichtet wurde. Die Kirche ist geräumig, freundlich und hell, besitzt einen hübschen mit Schnitzwerk verzierten Altar, zwei sehr alte Glocken – die dritte ist aus neuerer Zeit – und eine 1826 von den Gebrüdern Heidenreich in Hof erbaute, treffliche Orgel. An einem Pfeiler der Kirche, welcher noch von dem alten Gebäude übrig geblieben ist, befindet sich eine undeutliche Mönchsschrift, welche vielleicht auf die Erbauung der ersten Kirche Bezug haben mag. Das Vermögen der Kirche besteht aus etwa 700 Thalern, doch besitzt sie auch drei Legate, das Römersche, Hurlbecksche und Kospothsche, deren Zinsen der Kirche, dem Pfarrherrn und dem Lehrer zufallen. Eingepfarrt in die Kirche zu Leubnitz sind, ausser dem Dorfe Leubnitz die Ortschaften Rössnitz, Schneckengrün, Fasendorf, Mehltheuer, Oberpirk und Trochaus.

Otto Moser, Redact.      




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