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Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen III. Section/H6

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Heft 5 des Lausitzer Kreises Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen von Gustav Adolf Poenicke
Heft 6 der Section Markgrafenthum Oberlausitz
Heft 7 des Lausitzer Kreises
Die Beschreibungen sind auch als Einzeltexte verfügbar unter:
  1. Mittel-Sohland
  2. Milkel
  3. Plotzen
  4. Glossen


[41]
Mittel-Sohland
am Rothstein.


Sohland liegt am östlichen Abhange einer der schönsten Höhen der Oberlausitz, des Rothsteines, und wird deshalb zum Unterschied des gleichnamigen Dorfes Sohland an der Spree „Sohland am Rothstein“ genannt. Das Dorf, welches zwei Stunden von Löbau, ebensoweit von Herrnhuth und eine halbe Stunde von der Preussischen Grenze entfernt ist wird von dem Flüsschen Schöps berührt und erstreckt sich von Süden nach Norden in der Richtung der Görlitz-Herrnhuther Strasse bis über die grosse Dresdner-Breslauer Chaussee hinaus in einer Länge von beinahe anderthalb Stunden. – Der Rothstein steigt von allen Seiten gleichmässig empor und bildet von der Mitte seiner Höhe an ein anmuthiges Rundgebirge. Im Süden treten die Höhen auseinander und gewähren einen Blick in waldige von zusammenhängender Hügelkette umschlossene Gründe. Unendlich reichhaltig ist auf dem Rothsteine die Vegetation, denn die Erdrinde, welche den aus Basaltmassen bestehenden Berg überdeckt, ist von ungemeiner Fruchtbarkeit und erzeugt namentlich eine Menge heilsamer Kräuter und Wurzeln, welcher Reichthum Hunderte von Menschen aus Böhmen herbeizieht, die sich mit Einsammlung derselben zum Bedarf der Apotheken beschäftigen. Nach allen Seiten hin gewährt der isolirt stehende Berg die reizendsten Aussichten. Auf der östlichen Kuppe bemerkt man noch zwei Erdwälle, die in der Zeit, wo die Sorben ihren Göttern opferten Altäre derselben gewesen sein mögen. Der nördliche Wall ist 149 Schritt lang und noch immer 2 bis 6 Ellen hoch, und der südliche, an diesen sich anschliessend hat eine Ausdehnung von 207 Schritten Länge und zum Theil eine Höhe von 12 Ellen. Auf diesem nördlichen Kamme des Rothsteins stand einst die deutsche Burg Dolgowitz, welche nach der Unterdrückung des Slavenvolkes erbaut wurde um die nahewohnenden Stämme im Zaume zu halten, doch sind von ihr keine Spuren mehr übrig, da sie wahrscheinlich nur aus Holz erbaut war. Die Burg Dolgowitz wird urkundlich nur zweimal, 1213 und 1228 und zugleich auch „Zalom durch das die Sprewa fleusst“ erwähnt. Auch auf der südöstlichen Spitze des Rothsteines soll eine Burg gestanden haben, auf der die Ritter von Rothstein hausten und die weite Umgegend durch ihre kühnen Raubzüge in Furcht und Schrecken erhielten. Noch giebt es in der Oberlausitz alte Leute, welche darauf schwören, mit eigenen Augen gesehen zu haben, wie in stürmischer Mitternacht das wilde Heer von dem Rothsteine nach dem Löbauer Berge gezogen sei, angeführt von Berndietrich dem gespenstigen Nachtjäger, denn die Raubritter auf dem Rothsteine sollen unmenschliche Verbrechen begangen und grosse Schätze im Innern des Berges verborgen haben, die noch Niemand auffinden konnte, weshalb sie verdammt sind des Nachts aus den Gräbern zu steigen und mit wildem Halloh die Lüfte zu durchziehen. Mit der fortgeschrittenen Aufklärung sind indessen auch die gespensterhaften nächtlichen Jagden seltener geworden und es scheint die Zeit dazusein wo der Spuk vorüber ist und die Wegelagerer des Rothsteins ungestört in ihren Gräbern schlummern dürfen. – Auf der südwestlichen Spitze des Rothsteins, welche den Namen Georgenberg führt, sind noch Ueberreste einer Kapelle bemerkbar, die einst dem heiligen Georg geweiht war. Mit dem [42] Paulsdorfer Spitzberge, dem Herwigsdorfer Hirschberge und dem Löbauer Berge bildet der Rothstein ein Viereck; alle vier Höhen sind ohne Zweifel vulkanischen Ursprungs.

Die älteste Geschichte Sohlands ist wie die der meisten Dörfer völlig unbekannt, doch ist wohl anzunehmen, dass der Ort zu den ältesten der Gegend gehören möge. Der Name „Sohland“ ist schwierig zu erklären, es wird von Einigen Za-lom, wendisch: „hinter dem Bruche“ von Andern als ein rein deutsches Wort „Saalland“ oder Grenzland gedeutet. Im vierzehnten Jahrhundert hiess der Ort Zoland und hatte nur einen Rittersitz. Gewiss ist es dass Sohland im dreizehnten Jahrhundert zum Bereich der schon erwähnten Burg Dolgowitz gehörte. Nach dem Jahre 1630 hatte Sohland bereits drei Rittergüter mit der Benennung Ober-, Mittel- und Niedersohland, 1660 gab es deren fünf und 1700 kam noch ein sechstes hinzu, das aus angekauften Bauergütern gebildet worden war. So zerfällt jetzt das Dorf in Mittelsohland, Obersohland I., Obersohland II., Obersohland III., Niedersohland I. und Niedersohland II. Bei Einführung der Landgemeindenordnung vereinigten sich sämmtliche Rittergutsantheile zu drei Gemeinden unter den Namen Ober-, Mittel- und Niedersohland. Dieselben enthalten etwa zweihundertneunzig Häuser und eine Bevölkerung von siebzehnhundert Seelen.

Das bedeutendste Rittergut in Sohland mit dem grössten Antheile am Dorfe nebst der Collatur über Pfarre und Schule ist Mittelsohland. Hier hauste im vierzehnten Jahrhundert Ritter Rambold von Gersdorf, dem zugleich auch die Rittersitze Reichenbach, Oehlisch, Coswitz und Mengelsdorf gehörten. Er starb im Jahre 1387. Dieser Rambold von Gersdorf hatte seiner Gemahlin, Metze oder Margarethe, Sohland, Mengelsdorf und Coswitz zum Leibgedinge verschrieben, doch schon 1382 waren vom Herzog Johannes von Görlitz Luthern von Gersdorf Zusicherungen wegen des Anfalls der Ramboldschen Güter gemacht worden, so dass daraus zwischen Metze von Gersdorf und ihrem Vetter Luther sehr ernsthafte Streitigkeiten entstanden. Endlich wurde der Beschluss gefasst, die Sache dem Schöppenstuhle zu Dohna zur Entscheidung vorzulegen und dieser sprach zu Gunsten der Wittwe, so dass Luther sich gezwungen sah, seine Ansprüche aufzugeben. Nach einiger Zeit schloss indessen Metze von Gersdorf mit der Gegenparthei einen Vergleich, worin die Wittwe sich gegen angemessene Entschädigung zur Abtretung der Güter an Luther von Gersdorf bereit erklärte.

Luther von Gersdorf war ein gewaltiger Kriegsmann und dabei ein Todfeind der Hussiten. Als 1427 diese wilden Horden unter der Anführung der beiden Procops und Weleks von Kaudenlink die Stadt Görlitz berannten, hatte man die Vertheidigung des Neissethores dem Ritter Luther von Gersdorf anvertraut, und er erfüllte seine Aufgabe mit der Entschlossenheit und Klugheit eines trefflichen Kriegers, wie er bereits schon den Zittauern gute Dienste gegen die Hussiten geleistet hatte. Als 1428 der Adel zu Görlitz ein Bündniss gegen die Hussiten schloss trat demselben auch Luther von Gersdorf bei und hat sich in der noch vorhandenen Liste der Verbündeten unterzeichnet „Luther zum Zolande“. Im Jahre 1433 befehligte er die Reiterei der Oberlausitzer Landschaft und fand auch in diesem Jahre seinen Tod. Bei einem blutigen Gefecht zwischen seinen Reitern und einem von Kralowecz geführten Hussitenschwarm, – welches bei Machendorf unweit Kratzau stattfand, – wurden zwar die Hussiten geschlagen, aber Luther von Gersdorf erlag den feindlichen Waffen und ist in der Kirche zu Sohland begraben. Johann von Gubin nennt in seiner Chronik, bei der Schilderung dieses Gefechtes, Luther von Gersdorf „den Vorrenner.“

Nach Luthers Tode kam Sohland an Peter von Gersdorf, der ebenfalls mit den Hussiten manchen Strauss bestand. Als 1477 der bekannte hussitische Parteigänger Heinrich von Smircitzky aus Böhmen in die Lausitz eindrang, Bautzen verwüstet und Löbau berannt hatte, stattete er auch dem Dorfe Sohland einen Besuch ab. Peter von Gersdorf hatte die nöthigen Vorkehrungen getroffen dem blutdürstigen Gesindel kräftig entgegenzutreten und namentlich das Schloss und die Kirche stark befestigt. Nach einigen Stürmen gelang es den Hussiten die Kirche zu erobern, zum Glück aber zog dem bedrängten Orte ein Trupp Görlitzer Bürger und benachbarter Edelleute zu Hülfe, so dass die Feinde ihr Heil in der Flucht suchen mussten.

Peter von Gersdorf starb um das Jahr 1489 und Sohland kam nunmehr in Besitz eines seiner Schwiegersöhne, des Ritters von Kottwitz, dem auch Reichenbach gehörte; jedoch schon 1496 finden wir auf Sohland wieder einen Georg von Gersdorf dem 1532 Melchior von Gersdorf folgte. Von diesem kam das Rittergut Mittelsohland an Heinrich von Balbitz, später an Hermann von Balbitz und um 1590 an einen Herrn von Jornitz. Die Tochter dieses Edelmanns war die Braut Heinrichs von Scharfsod, eines jungen Mannes, der das Gut Radgendorf von einem Herrn von Falkenstein gepachtet hatte. Am 14. November 1613 war Heinrich von Scharfsod zu Zittau in einem Weinkeller und als er etwas berauscht die Treppe heraufsteigen wollte begegnete ihm [43] der Ziegelstreicher Walter, welcher den Junker hart anstiess. Bei dem hierauf erfolgenden Wortwechsel zog Scharfsod den Dolch und stiess den Ziegelstreicher nieder, worauf der Rath den Mörder ergreifen und in das Gefängniss bringen liess.

Das voraussichtliche Schicksal des unglücklichen jungen Mannes, der, der Letzte seines Geschlechts, in einigen Tagen seine Vermählung feiern wollte, und jetzt auf Leib und Leben angeklagt im Kerker lag erregte allgemeine Theilnahme. Namentlich bemühte sich Erasmus von Gersdorf auf Ullersdorf angelegentlich den Unglücklichen zu retten. Auf seine Veranlassung reiste das Fräulein von Jornitz, Scharfsods Braut, nach Prag und flehte beim Kaiser fussfällig um das Leben ihres Verlobten. Der Kaiser Matthias rescribirte in dieser Angelegenheit zweimal (5. März und 18. Juni 1614) nach Zittau, und liess dem Rathe wissen, dass er es gern sehen würde, wenn die Wittwe des Erstochenen sich, nach einer damals noch vorkommenden Sitte, mit einer Geldsumme abfinden lassen wollte. Nun hatten aber die Sechsstädte, da die Verbrechen in beunruhigender Weise überhand nahmen, kurz vorher den Kaiser um strenge Handhabung der Justiz gebeten, und so weigerte sich der Rath zu Zittau entschieden den Junker von Scharfsod zu begnadigen. Nach vierzigwöchentlichem Gefängniss wurde derselbe zum Tode verurtheilt. Die bewaffnete Bürgerschaft hatte zechenweise auf dem Marktplatze einen Kreis gebildet, worin zwei Tische standen an deren einem die Zittauer Stadtgerichten am andern der Hof- und Landrichter von Haugwitz mit mehreren Zittauer Rathsherrn sassen. Darauf wurde der Junker in Begleitung des Primarius Pascha und des Diakonus Lehmann aus dem Kerker herbeigeführt und von der Wittwe und den drei kleinen Waisen des Erstochenen nach damaliger Sitte peinlich angeklagt. Nun trat der deutsche Kirchensänger Johann Otto hervor und verlas kaiserlicher Majestät Urtheil zur Hinrichtung. Nachdem die Geistlichen den Verurtheilten nach dem Sandhaufen geleitet hatten kniete er auf ein schwarzes Tuch und wurde enthauptet, seine Freunde aber hüllten den Leichnam in das Tuch und brachten ihn nach Friedersdorf, wo er hinter der Kirche begraben liegt.

Von der Familie von Jornitz gelangte Mittelsohland 1637 an Abraham von Uichtritz, und in dessen Familie erhielt sich das Gut zwei Jahrhunderte hindurch. Um 1660 gehörte das Gut einem Hans von Uichtritz und 1743 starb der Hauptmann Carl von Uichtritz, Stifter der Sohlander Linie, welcher noch [            ] besass. Sein Sohn, der Hofrath Carl Gottlob von Uichtritz starb um das Jahr 1780 und im Anfange dieses Jahrhunderts gehörte Mittelsohland sammt Obersohland der Frau Caroline Auguste Henriette von Uichtritz, später, bis 1835, dem Leutnant und Kammerherrn Adolf Gottlob von Uichtritz. Im letzgenannten Jahre kam das Gut Mittelsohland durch Versteigerung an Johann Heinrich Ohnefalsch-Richter, der 1846 mit Tode abging. Die Wittwe blieb im Besitze des Gutes bis 1847 und überliess es dann ihrem Sohne Johann Hermann Ohnefalsch-Richter, der es 1848 an einen Herrn Schmidt verkaufte. Schon 1849 gelangte Mittelsohland an den Dr. Brunnemann und gehört nunmehr seit 1852 Herrn A. M. von Beschwitz.

Das Schloss zu Mittelsohland ist ein hochgelegenes mit freundlichen Anlagen umgebenes Gebäude an das sich ein ausgedehnter Wirthschaftshof anschliesst. Im Jahre 1802 wurde der Ort von einer Feuersbrunst heimgesucht, wobei auch das Schloss nebst den Pfarrgebäuden, der Schule und vielen andern umliegenden Häusern in Asche sanken. Der damalige Besitzer, Kammerherr von Uichtritz begann zwar alsbald mit dem Neubau seines Schlosses, es stellten sich indessen Hindernisse ein, die erst im Jahr 1840 den Ausbau desselben erlaubten. – Die Einwohnerschaft Sohlands treibt hauptsächlich Ackerbau und Viehzucht, auch hat der Ort, namentlich Mittelsohland, eine treffliche Obstlage. Die Sohlander stehen in dem Rufe eines sehr betriebsamen Völkchens und der grösstentheils sehr gute Boden bringt dem angewendeten Fleisse reichlichen Lohn. Am Dorfbache liegen drei Wassermühlen, auf nahen Hügeln zwei Windmühlen, auch sind hier fünf Schmieden; mehrere Schenken und Kramläden sorgen für die Bedürfnisse des Ortes. An der Chaussee befinden sich zwei belebte Gasthöfe.

Die Kirche zu Sohland war ein altes ehrwürdiges Gebäude mit Nischen zu Heiligenbildern in den dicken Mauern und zwei kleinen Thürmchen, auf welchen drei 1824 neugegossene Glocken mit ausgezeichnetem Geläute hingen. Die Kirche wurde in den Jahren 1657 und 1738 renovirt und hatte 1619 einen neuen Altar erhalten, aber weder das Innere noch das Aeussere der Kirche entsprach seiner hohen Bestimmung und der Wohlhabenheit der stattlichen Parochie, denn die altersgrauen Mauern zeigten tiefe Sprünge, hässliche Anbaue verunstalteten das Aeussere, die beiden hölzernen Glockenthürmchen sassen ziemlich gebrechlich auf dem Dache und das Innere zeigte einen dunklen schmutzigen Raum an dessen Decke zerschlitzte Leinwandtapeten herabhingen, während eine altersschwache Orgel ihre herzzerreissenden Töne in diese traurigen Zustände hineingellte. Da die Kirche nicht mittellos ist, so [44] entschloss man sich im Jahre 1840 zu einem Neubau, der denn auch im Jahre 1846 glücklich zu Stande gebracht wurde, und jetzt besitzt Sohland ein Gotteshaus, welches zu den schönsten der Gegend gehört. Ob, wie die Sage geht, Sohland früher ein Filial von Reichenbach war, vermochten wir nicht zu ermitteln, doch ist nachgewiesen, dass zu Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts es bereits Sitz eines Pfarrers war, denn 1439 wird in den libr. recogn. Herr Michael Engelhardt als der „Pfarr zum Sohlande“ genannt.

Bis zum Jahre 1836 besass die Parochie Sohland nur eine Schule mit einem Lehrer, in diesem Jahre aber erbaute man ein zweites Schulhaus in der Nähe des älteren, so dass jetzt zwei ständige Lehrer das Schulamt verwalten und doch getrennt wohnen. Die Zahl der Schulkinder beträgt etwa 340 bis 350 Köpfe, früher hielten sich auch die Bewohner des nahen Preussischen Dorfes Deutschpaulsdorf zu hiesiger Schule und Kirche, bis in neuerer Zeit hierin eine Aenderung eintrat.

Erwähnenswerth ist noch der sogenannte Deutschpaulsdorfer See, ein grosser Teich, welcher fast dritthalbhundert Scheffel Land umfasst und mit seinem Spiegel vom Rothstein aus einen herrlichen Anblick gewährt.

Otto Moser, Red.     




Milkel.


Milkel, in Urkunden auch Milagkal genannt, woraus der wendische Ortsname Minakat entstanden sein mag, liegt am niedern Arme der Spree, drei Stunden nördlich von Budissin in einer Ebene und ist westlich von den Hahnenbergen sowie südöstlich von den Dubrauner und Stierer Anhöhen, nördlich aber von bedeutenden Teichen umgeben, jenseits deren sich die Waldung Zschernitze oder Schwarzwald hinzieht. Der Ort raint mit Lippitzsch, Oppitz, Droben und Laupe und gehört zu den ansehnlicheren Dörfern der Oberlausitz.

Das Rittergut zu Milkel, zu welchem ausser dem Dorfe Milkel noch die Dörfer Teicha, Crosta, Droben, Luppa, Dubrau und Wesel gehören, soll in der frühesten Zeit Besitzthum der Herren von Milkau gewesen sein und von ihnen den Namen erhalten haben, eine Behauptung, die sich durchaus nicht beweisen lässt, da alle Nachrichten über die Gründung Milkels und dessen Schicksale bis zum vierzehnten Jahrhundert fehlen. Das Schloss war einst ein festes mit Wall und Graben wohlverwahrtes Haus, dessen Mauern und Thürme jetzt friedlich auf die endlose mit wenigem Rosengesträuch untermischte Rasenfläche herabschauen, welche die Vorderseite des alterthümlichen Gebäudes in weitem Kreise umschliesst. Das Innere des Schlosses ist prachtvoll ausgestaltet, auch befinden sich hier einige vollständige mittelalterliche Ritterrüstungen. Der herrschaftliche Garten enthält nebst vorzüglichen Anlagen ein schönes Treibhaus.

Wie schon erwähnt sollen die ersten Besitzer Milkels die Ritter von Milkau gewesen sein. Historisch kommen als erste Herrn auf Milkel zu Anfang des vierzehnten Jahrhunderts die von Metzrad vor, denn nach einer Urkunde, welche Dornarius oder Dornau, der von 1609 bis 1617 Rector in Görlitz und ein sehr gelehrter Mann war, selbst in den Händen hatte, gründete diese adlige Familie 1322 die hiesige Kirche. Heinrich von Metzrad besass Milkel um das Jahr 1340 und Hans von Metzrad 1483. Leonhard von Metzrad bekleidete zur Zeit der Reformation das hiesige Pfarramt, blieb indessen dem alten Glauben treu, und starb später auf dem Schlosse Uhyst. In der Mitte des sechszehnten Jahrhunderts gehörte Milkel der Familie von Löben aus der Melchior von Löben 1597 von Caspar von Nadelwitz Bernsdorf erkaufte, es jedoch 1618 wieder an die Stadt Camenz und zwar für 13450 Thaler veräusserte. Im Jahre 1617 überliess Melchior von Löben das Rittergut Milkel Carl von Ponikau, welcher dasselbe nur einige Jahre erhalten konnte, da es wegen bedeutender Schulden versteigert werden musste. Der Käufer war der Kriegsobrist Carolus von Krahe nach dessen um 1631 erfolgtem Tode das Gut an seinen Sohn Alexander von Krahe gelangte. 1640 verkaufte dieser Milkel an Georg von Löben, welcher schon nach einigen Monaten das Rittergut an Carl von Ponikau abtrat. Dieser starb im Jahre 1686 und das Gut kam in Besitz seines Sohnes Appellationsrathes und Gegenhändlers Johann Adolf von Ponikau, der 1692 zum Landeshauptmann der Oberlausitz erhoben wurde. Als derselbe 1723 mit Tode abging erbte das Rittergut Milkel der Land- und Kammerrath Johann Adolf von Ponikau, dessen Tochter Eleonore Henriette mit [45] dem Grafen Niklas Wilibald von Gersdorf vermählt war. Nach ihres Vaters 1763 erfolgtem Tode liess die Gräfin das Rittergut Milkel ihrem Gemahle zuschreiben; als derselbe aber 1767 starb vermählte sich die Gräfin wiederum an den Sächsischen Cabinetsminister Grafen Johann Georg Friedrich von Einsiedel und überliess demselben später das Gut. Dieser Herr war ein eifriger Beförderer der Wissenschaften und Künste, wovon die von ihm gegründete Bibliothek im Schlosse zu Reibersdorf, sowie eine bis zum Jahre 1848 daselbst vorhandene vorzügliche Kupferstichsammlung Zeugniss geben. Von 1812 bis 1840 besass Milkel der Graf Georg von Einsiedel, welcher erst am Französischen dann am Russischen Hofe das Amt eines Sächsischen Gesandten verwaltete. Graf Heinrich, sein Nachfolger besass das Gut nur bis 1842, wo es an den jetzt regierenden Grafen Herrn Curt Heinrich Ernst, Reichsgrafen von Einsiedel, Standesherrn der Herrschaft Reibersdorf gelangte, der den grössten Theil des Jahres auf dem Schlosse zu Milkel verweilt.

Den Ort selbst haben im Laufe der Zeit mancherlei Drangsale betroffen. Am Laurentiustage des Jahres 1556 entzündete der Blitz auf einem sehr nahe beim Dorfe befindlichen Felde, das Annenstück genannt, eine Getreidemandel, und da zugleich ein heftiger Wind wehte so wurde das brennende Stroh nach dem Dorfe hingetrieben, wo einige Dächer Feuer fingen und bald der ganze Ort in Flammen stand. Die Kirche blieb vom Feuer verschont. Eine zweite gleich schreckliche Feuersbrunst betraf Milkel im Jahre 1752 wo bis auf die Kirche und Pfarre gleichfalls das ganze Dorf in Asche sank. Der siebenjährige Krieg brachte der hiesigen Gegend unaufhörliche Truppenmärsche, Contributionen und willkührliche Erpressungen, so dass eine grosse Anzahl begüterter Leute gänzlich verarmten. Dazu kam im Jahre 1760 eine sehr gefährliche Viehseuche, die das wenige vor den Soldaten gerettete Vieh noch vernichtete. Auch in dem letzten Französischen Kriege hat Milkel vielfache schmerzliche Nachtheile und Leiden zu erdulden gehabt.

Die Kirche zu Milkel ist, wie schon oben bemerkt wurde, im Jahre 1322 erbaut. Die Herrn von Metzrad, sagt die urkundliche Nachricht, gründeten die Kirche Anno Christi 1322 Kalendis Junii und erhielten darüber von dem Bischof Witigo von Meissen und dem Canonicis zu Budissin die Confirmation, sowie sie auch 1476 zu Uhyst eine Capelle erbauten. Vor der Entstehung des Gotteshauses zu Milkel stand auf dem Feldstück, das Annenstück genannt, eine kleine Capelle, die noch bis zur Reformation, obgleich verfallen und unbenutzt, vorhanden, und einst der heiligen Anna gewidmet war. Im Jahre 1616 erhielt die Kirche, weil sie nicht mehr Raum genug bot, einen bedeutenden Anbau und auch im Jahre 1744 wurden in ihr vielfache Reparaturen und Verschönerungen vorgenommen. Im Juni 1837 feierte man hier der Kirche fünfhundertjähriges Jubiläum und zwar deshalb fünf Jahre nach der Zeit der wirklichen Gründung, weil in einem 1767 erschienenen kurzen Entwurfe einer Oberlausitzischen wendischen Kirchenhistorie[1] das Jahr 1337 als das Erbauungsjahr angegeben ist, ein Irrthum, der ohne Zweifel nur auf einem Druckfehler beruht, da der Verfasser auf Carpzovs Ehrentempel[2] verweist, dieser aber das Jahr 1322 als das der Gründung genannt hat. –

Das Innere der Kirche ist hell und geräumig und in ihren Grüften schlafen seit Jahrhunderten die Ritter und Edelfrauen aus dem Schlosse Milkel, deren starre steinerne Gestalten sich noch, im Harnisch oder mit dem Trauerschleier abgebildet, an den Wänden zeigen. Die Kirche hat keinen Thurm sondern in der Nähe ein Glockenhaus. Die beiden grösseren Glocken sind aus dem vierzehnten Jahrhundert, die dritte liess 1628 der Kriegsobriste von Krahe giessen. Vor der Reformation waren an hiesiger Kirche als Geistliche angestellt Seifried, Fritzsche, Severin, Wichar, Kotwitz, Kunsich, Malter, Leonhard von Metzrad und Petrus, von denen Letzterer 1554 in Milkel begraben wurde.

Die Kirche zu Milkel besitzt einiges Vermögen und mehrere Legate. Der vormalige Gerichtsdirector Matthias Pannach in Budissin legirte der Kirche 1792 dreihundert Thaler mit der Bestimmung, dass von den Zinsen jährlich sechs Thaler in die Schulkasse, ein Thaler an den Pfarrer und ein Thaler an den Schullehrer für Abkündigung und Absingen des Gedächtnissliedes gezahlt werden sollen. Ein Kapital von hundert Thalern empfing die Kirche im vorigen Jahrhundert von dem Secretair Laurentius, welches als eiserner Stamm auf hiesigen Gütern haftet und mit 6 % verzinst wird. Vier Thaler empfing die Schulkasse in Milkel und den Zinsenrest von zwei Thalern der Lehrer zu Luppe. Das dritte Legat, ebenfalls hundert Thaler stark, erhielt die Kirche 1838 von dem Gemeindevorstand Mörbe, die Zinsen davon werden zur Unterstützung armer Kinder verwendet.

Die Pfarrwohnung ist 1746 neu gebaut und ein ebenso freundliches als geräumiges Gebäude. Eingepfarrt in hiesige Parochie sind die Ortschaften Teicha, Wessel, Dreben, Bocka, Lomska und Crosta, ausserdem die Dörfer Lippitzsch, Alt- und Neuoppitz. Auch die protestantischen Einwohner aus der nahen katholischen Parochie Radibor, namentlich der Ortschaften Wirka, Luttowitz, [46] Caminau, Luppe und Lupschdubrau halten sich grösstentheils freiwillig zu Kirche und Abendmahl in Milkel. Die Parochie hat zwei Schulen in Milkel und Oppitz mit etwa zweihundert Schulkindern. Die Parochie zählt über tausend Einwohner.

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Plotzen.


Plotzen, auch Plozen und Plotze, wendisch aber Blotzany genannt liegt zwischen Lehen und Hochkirch nahe der Strasse von Bautzen nach Löbau an einem nordwärts zum Löbauer Wasser fliessenden Bächlein. Der kleinere Theil dieses nach Hochkirch gepfarrten Dorfes gehörte dem zu Anfange des funfzehnten Jahrhunderts von zwei frommen Schwestern gegründeten Hospital der Maria und Martha zu Budissin, während der andere Theil des Ortes sich von der Grundherrschaft freigekauft hatte und in den Schutz der Familie von Metzrad zu Ottenhain begab (1641.) Bis in die neuere Zeit übte die Gerichte des Budissiner Antheils ein Inspector, die Metzradschen aber ein Justitiar aus. – In der Nähe des Dorfes erheben sich die alten Götterberge Hohenstein, Ziegelberg und Czernabog. Hier war es wo die heidnischen Priester und Priesterinnen den Cultus der Götter des Frageberges ausübten. Dieser Berg, wendisch Praschiza, Praschiwa auch Hora Czornoboh genannt, befindet sich in der Hügelkette, welche längst der Strasse von Budissin nach Löbau sich hinzieht, und verdient nicht nur wegen seiner schönen Aussichten – er ist der höchste Punkt – erwähnt zu werden, sondern ist auch dadurch denkwürdig, dass auf ihm die schauerlichen Mysterien der furchtbaren Göttin des Todes und der Nacht, Czorneboh Pya, stattfanden, und von dieser, wie auch von der Göttin des Lebens und der Liebe, Ziwa, durch Priester und Priesterinnen hier Orakelsprüche verkündet wurden. Die Tradition erzählt, dass sich namentlich auf den Czernabog ein Orakel der Czornoboh Pya befand. Der Berg ist theilweise bewaldet und mit einer Anzahl grosser und kleiner Felsstücken bedeckt, worunter sich vorzüglich fünf bedeutende in Zwischenräumen von einigen hundert Schritten aufgeschichtete Haufen Granitblöcke auszeichnen. Der in der Richtung von Osten nach Westen liegende erste Fels heisst mala kaczka – kleine Ente – der andere wulka kaczka – grosse Ente –, die übrigen Haufen aber nennt man schlechthin die Frageberge. Nach dem Sturze des Heidenthums zerstörte man nicht nur die Göttersitze, sondern auch die Felsenklüfte, welche zu den geheimen Stätten des Priestertruges führten, und jetzt ist nur noch eine Oeffnung vorhanden, die „Teufelshöhle“ genannt, aus welcher die Antworten der Götter durch einen im Felsen versteckten Priester ertönten.

Plotzen ist denkwürdig durch die Schlacht bei Hochkirch. Nachdem die verbündete Russisch-Preussische Armee nach der Schlacht bei Lützen über die Elbe zurückgegangen war wählten ihre Generale die durch den Ueberfall Friedrich des Grossen im siebenjährigen Kriege berühmt gewordene Stellung von Bautzen und Hochkirch um dort dem Französischen Kaiser eine Schlacht zu liefern. Die Position, bereits durch natürliche Gelegenheit befestigt, war mit Verschanzungen und Batterien dergestallt eingefasst, dass es unmöglich schien sie mit Glück anzugreifen. Napoleon gelang es indessen nach der Schlacht bei Wurschen (21. Mai 1813) den rechten Flügel der Verbündeten zu umgehen und so war der linke Flügel, welcher sich an Hochkirch lehnte, nicht im Stande dem furchtbaren Drucke zweier Französischen Corps unter Marmont und Macdonald zu wiederstehen, sondern musste dem allgemeinen Rückzuge der Armee in der Richtung nach Görlitz folgen. Die unglücklichen Dörfer, welche auf dem Schlachtfelde lagen, waren nunmehr der Willkühr wüthender Soldaten preisgegeben. Ueberall ertönte das Jammergeschrei misshandelter Landleute, überall schlugen die Flammen über friedlichen Wohnungen empor und haufenweise flohen die verzweiflungsvollen Einwohner mit ihrer geringen Habe um nur wenigstens das Leben zu retten. In Hochkirch erbrachen Soldaten die Kirche, raubten werthvolle Effekten und Gelder, warfen die Leichen aus den Särgen um diese am Wachtfeuer zu verbrennen und trieben die zügellosesten Frevel. In Plotzen, das mitten in dem schrecklichen Schlachtgewühle lag, zeugt noch jetzt eine Kanonenkugel, welche in das Holzwerk des Herrnhauses eindrang von jenen Schreckenstagen, die sich zum Theil im August desselben Jahres wiederholten.

Die Besitzer des Rittergutes Plotzen waren in früheren Zeiten die in der Oberlausitz reichbegüterten Herren von Gersdorf, denen auch das nahegelegene Lehne gehörte. Viele derselben sind in der Kirche zu Hochkirch beerdigt, wo man noch ihre Epitaphia sehen kann. Die Gersdorfe überliessen Plotzen der alten Lausitzischen Familie von Bolberitz. Später gehörte das Gut dem Amtshauptmann von Carlowitz von dem es 1849 durch Kauf an den Herrn H. E. A. von Thielau, Landesältesten und Vorsitzenden der Stände des Markgrafenthums Oberlausitz gelangte. Das Gebäude, auf welchem die Gerechtsame [47] des Rittergutes und die Lehn ruhn, ist ein kleines altes Haus von dem die Bewohner des Dorfes eine Menge schauerliche Sagen zu erzählen wissen. Plotzen ist mit den Dörfern Döhlen, Kohlwesa, Küppritz, Lauske, Lehne, Niethen, Pommritz, Rachlau, Rodewitz, Scheckwitz, Soritz, Sornsig, Steindörfel, Tschorna, Wawitz, Waditz, Wuischka und Meschwitz in die Kirche zu Hochkirch eingepfarrt. Von Meschwitz, wendisch Meschizi, wird behauptet, dass es einst der Sitz der Priester und Priesterinnen gewesen sei, welche auf dem Czornoboh der Pya und Ziwa dienten, eine Annahme, die man von dem wendischen Worte Mjeschnik, ein Priester, woraus „Meschwitz“ entstanden sein soll, herleiten will.

Das Gotteshaus zu Hochkirch ist in den Jahren 1717 bis 1719 von Grund aus neu aufgebaut worden und erhielt 1720 das Dach. Die Stürme des siebenjährigen wie des letzten Krieges sind glücklich an der Kirche vorübergezogen, obgleich sie einigemale von brennenden Gebäuden umringt in grosser Gefahr schwebte. In ihr befindet sich ein schönes dem tapfern Feldmarschall Keith gewidmetes Epitaphium. Derselbe führte am 14. October 1758 ein Regiment zum Angriff in das brennende Dorf Hochkirch und wurde an der Spitze seiner Streiter von einer Kugel in die Brust getroffen. Die Inschrift lautet:

Jacobo Keith
Guilielmi Com. Maresc. Hered. Regui Scotiae
Et Mariae Drumond filio
Friederici Borussorum Regis
Summo Exercitus Praefecto
Viro
Antiquis Moribus Et Militari Virtute
Claro
Dum In Praelio Non Procul Hinc
Inclinatam Suorum Qciem
Mente Manu Voce et Exemplo
Restituebat
Pugnans Ut Heroas Decet
Occubuit
D. XIV. Octobris
A. MDCCLVIII.

Da dieses Denkmal, welches der Englische Gesandte von Keith, des Feldmarschalls Bruder nach erfolgtem Frieden hier aufrichten liess, wegen fehlender Einfriedigung mehrfach muthwillig beschädigt worden war versetzte man es hinter den Altar, aber leider an eine so dunkle Stelle, dass die Inschrift kaum zu lesen ist. Im Haupteingange zur Kirche zeigt man noch die Bank auf welche der Leichnam Keiths gelegt wurde, als man ihn am Morgen nach der Schlacht, im Hohlwege bis aufs Hemde ausgeplündert, auf einem Schubkarren hierherbrachte.

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Glossen.


Das Dorf Glossen mit einem schönen Rittergute liegt am linken Ufer des Löbauer Wassers auf einem Hügel den der Bach halb umfliesst. Die Stadt Bautzen ist vier Stunden, Löbau anderthalb Stunden, Reichenbach eben so weit und Weissenberg eine Stunde entfernt, und die ziemlich coupirte Gegend zeigt schon verschiedene anmuthige Landschaften. Mit den Glossener Fluren rainen die von Mauschwitz, Bautitz, Drauschwitz, Grabe und Kleinradmeritz.

Glossen ist der Stammort der alten adligen Familie von Glossen, die bis zum funfzehnten Jahrhundert in der Lausitzischen Geschichte häufig erwähnt wird und deren letzter Zweig Agnes von Glossen 1414 Aebtissin des Klosters Marienthal war. Der Umstand, dass die Tochter des letzten Ritters von Glossen auf Glossen den Schleier nahm und Aebtissin wurde, mag wohl zu der noch jetzt oft gehörten Sage Veranlassung gegeben haben, dass Glossen einst ein Kloster gewesen sei. Geschichtlich wird der Ort zuerst 1228 genannt, wo in einer zwischen Wenzel dem Jüngeren von Böhmen und Bischof Bruno von Meissen vollzogenen Grenzurkunde er unter dem Namen Glusina vorkommt. Im funfzehnten Jahrhundert war Glossen ein Sitz der Herren von Gersdorf nach dem sich eine Linie dieses Geschlechts nannte. So lebte hier um 1431 Hans Wenzel von Gersdorf und 1472 Siegismund von Gersdorf. Hans von Gersdorf besass das Gut um 1505, Christoph von Gersdorf 1550. Michael von Gersdorf auf Glossen ertrank allda im Jahre 1620 in seinem vierzigsten Jahre und ist in der Kirche zu Kittlitz beigesetzt. Ein eben so unglückliches Ende nahm sein Nachfolger, Nikolaus von Gersdorf, der 1643 im vierundzwanzigsten Lebensjahre zu Reichenbach in Folge eines Streites erschossen wurde und ebenfalls in der Kirche zu Kittlitz begraben liegt. Nach ihm besass Glossen Joachim Ernst von Gersdorf der 1672 unverheirathet und erst dreiunddreissig Jahre alt zu Kittlitz seine letzte Ruhestätte fand. Christian

[48] Felix von Gersdorf besass ausser Glossen auch Sohland und starb 1694, worauf Glossen an Christian Ludwig von Gersdorf, chursächsischen Rath, gelangte, nachdem dessen älterer Bruder kurz vorher gestorben war. Dieser Besitzer von Glossen starb im Jahre 1720 als Landesältester der Oberlausitz und nach ihm gehörte das Gut dem Stiftsverweser Johann Adolf von Gersdorf bis 1753 und dem Landescommissär Carl Gottlob von Gersdorf auf Techritz, Mauschwitz, Schöps und Gosswitz bis 1768. Noch 1787 besass Glossen der Landesälteste N. von Gersdorf und bis 1822 ein Hauptmann von Gersdorf. Der jetzige Besitzer von Glossen ist Herr F. W. Schmalz.

Was die Schicksale Glossens anlangt so befand sich dasselbe unter den Ortschaften, welche 1431 von den Hussiten gänzlich eingeäschert wurden. Ein starker Heerhaufen derselben hatte 1431 einen Zug gegen Budissin unternommen, die Stadt berannt und hart bedrängt, denn nicht nur dass sie der Stadt von einem Felsen, der Badstube gegenüber, heftig zusetzten stürmten sie auch von dem Eselsberge fast neun Stunden mit aller Wuth die Mauern, wurden indessen blutig zurückgewiesen. Nach langen Mühen sahen die Hussiten ein, dass der wohlvertheidigten mit allen nöthigen Vorräthen versehenen Stadt nicht beizukommen sei, und zogen nunmehr zum Theil gegen Löbau, zum Theil aber gegen Camenz. Der Haufen, welcher auf Löbau marschirte, brannte alle Dörfer nieder, die er auf seinem Wege antraf, hierunter befand sich auch Glossen, wo die wilde Horde den Edelsitz demolirte und sämmtliche Bauernhäuser einäscherte. In Löbau angekommen – die Stadt war nicht im Stande Widerstand zu leisten – schwelgten die Hussiten fünf Tage lang und zogen dann weiter nach Lauban, wo ein neues entsetzliches Blutbad unter den unglücklichen Einwohnern angerichtet wurde, obgleich die Stadt von einem früheren Besuche des hussitischen Gesindels noch fast gänzlich in Asche lag. Eine Folge der verübten Scheusslichkeiten war ein Bündniss der Städte Budissin, Görlitz und Löbau, dem sich eine grosse Anzahl adliger Herren vom Lande, worunter auch Hans Wenzel von Gersdorf, anschlossen.

Glossen wurde auch von der berühmten Schlacht bei Hochkirch berührt, indem der rechte Oesterreichische Flügel unter General Brown hier stand. Bei dem Rückzuge der Alliirten litt der Ort entsetzlich und die unglücklichen Einwohner schwebten in unaufhörlicher Lebensgefahr. Ringsum brannten die Dörfer und überall sah man plündernde und wüthende Soldaten, denen man sich nur mit grosser Gefahr nähern durfte, weshalb auch die meisten Bewohner der berührten Dörfer in die Berge und Waldungen flüchteten; dazu erschütterte die Luft ein furchtbarer Kanonendonner und das Pfeifen der Tausende von tödtlichen Geschossen. Neuen Jammer brachten die Tage des August, wo der Rückzug der geschlagenen Französischen Armee wiederum die an der Hauptstrasse gelegenen Ortschaften berührte. – Aber alle Erinnerungen an diese Schreckenszeiten leben nur noch im Munde des Volkes und in den Annalen unseres Vaterlandes, denn ein vierzigjähriger Frieden und der Segen einer sorgsamen väterlichen Regierung haben die Wunden geheilt und die Spuren verwischt, welche einst durch die Furie des Kriegs entstanden. Die verwüsteten Dörfer sind schöner als früher aus der Asche hervorgegangen, die mit Blut und Leichen übersäeten Felder mit üppigen Saaten bedeckt und Glück, Wohlstand und Zufriedenheit leuchten aus Aller Augen. – Möge Gott unserem Sachsenlande fortdauernden Frieden schenken!

Dorf und Rittergut Glossen sind nebst den Ortschaften Grossdehsa, Jauernick, Peschen, Eisenrode, Nechen, Breitendorf, Lauche, Carlsbrunn, die Hälfte von Wohle, Unwürde, Georgewitz, Wendisch Paulsdorf, die Hälfte von Rosenhain, Zoblitz, Bellwitz, Oppeln, Kleinradmeritz, Lautitz, Alt- und Neukunnewitz, Mauschnitz und Hasenberg in die grosse und schöne Kirche zu Kittlitz eingepfarrt. Diesselbe war nach einer noch im Pfarrarchive vorhandenen Bulle des Papstes Innocenz IV. schon im Jahre 1252 vorhanden. Das alte in dem Jahre 1606 und 1607 von den Herren von Gersdorf auf Kittlitz und Lautitz erbaute Gotteshaus musste in der Mitte des vorigen Jahrhunderts wegen gefährlicher Baufälligkeit abgetragen werden und 1769 wurde die neue Kirche bis auf den Thurm glücklich vollendet. Ausser verschiedenen alten interessanten Denkmälern, die man aus der alten Kirche hierher versetzte, ist auch noch der uralte Altar vorhanden, welchem Kenner ein Alter von fünfhundert Jahren zusprechen. Derselbe wird in der Sakristei aufbewahrt und ist mit vergoldeten Figuren von trefflicher Schnitzarbeit und auffallender Farbenschönheit verziert. Nicht weniger bemerkenswerth ist ein Leichenstein aus Granit mit dem Nostizschen Wappen und einer Inschrift die noch Niemand entziffern konnte, weshalb er wohl einem der frühsten Besitzer von Kittlitz oder einem nahen einst Nostizschen Gute gehört haben muss. Den Gottesdienst zu Kittlitz versehen ein Pfarrer und ein Diakonus, von welchen Letzterer mit der eigentlichen und speciellen Seelsorge der Parochianen mit Ausnahme der Herrschaften und des Dorfes Breitendorf, betraut ist.

M.     






Druck von Sturm & Koppe (A. Dennhardt) in Leipzig.

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Mittel - Sohland
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Milkel
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Plotzen
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Glossen
Glossen

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Christian Knauthe: Derer Oberlausitzer Sorberwenden umständliche Kirchengeschichte. Fickelscherer, Görlitz 1767. Google
  2. Johann Benedict von Carpzov: Neueröffneter Ehrentempel merkwürdiger Antiquitäten des Markgrafenthums Ober-Lausitz. David Richter: Leipzig u. Budißin 1719, Th. II, S. 225
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