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Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen III. Section/H28

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Heft 27 des Lausitzer Kreises Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen von Gustav Adolf Poenicke (Hrsg.), Moritz Grimmel.
Heft 28 der Section Markgrafenthum Oberlausitz
Heft 29 des Lausitzer Kreises
Die Beschreibungen sind auch als Einzeltexte verfügbar unter:
  1. Schönbach
  2. Nieder-Cunewalde
  3. Arnsdorf
  4. Diehmen


[217]
Schönbach


nur 2 Stunden von Löbau, 1 Stunde nordöstlich von Neusalza, 2 Meilen südöstlich von Budissin entfernt gelegen. Die Ortsfluren grenzen in Osten und Süden mit Lawalda, Dürrhennersdorf und Friedersdorf, im Westen und Norden mit Spremberg, Beiersdorf und Lauba. Die Lage des Dorfes von Westen nach Osten, in mehr als einer halben Stunde Länge sich ausbreitend, ist in Ansehung der benachbarten Orte hoch zu nennen.

Gegen Norden erhebt sich längs des Ortes eine bedeutende Anhöhe, wo Saatfelder mit zerstreut liegendem Gestein, mit Pirken und Erlen bunt durcheinander abwechseln. Gegen Süden ist die Lage der Felder frei und eben, der Boden mehr nass und lehmigt.

Die schönste Ansicht des Dorfes ist unstreitig in der Gegend von Zischens Berg, eine südlich von Schönbach sich erhebende, sanfte Anhöhe, wo man das in einer freundlichen Lage sich ausbreitende Dorf ganz übersehen kann, welches mit den vielen, schön und regelmässig gebauten Häussern, ein treues Bild seines Namens darstellt. Das am westlichen Ende des Dorfes aus 2 Brunnen entspringende Löbauer Wässerchen, welches inmitten des Ortes hinabfliesst, dem benachbarten Dürrhennersdorf zueilt, bis es mit mehrern Gewässern vereinigt, Löbau erreicht und zuletzt bedeutend verstärkt, unter dem Namen „das Löbauer Wasser“ von den Wellen der Spree aufgenommen wird.

Die von Neusalza und Spremberg quer durch Schönbach nach Lawalde und Löbau führende Communicationsstrasse bildet hier die Grenzlinie zwischen Ober- und Niederdorf, von denen der westlich gelegene, ungleich grössere Theil mit Einschluss der Kirche, das Oberdorf, der östliche, mit Ritterguts-, Pfarr- und Schulgebäuden, das Niederdorf genannt wird.

Die Gründung Schönbachs ist nicht genau zu ermitteln, so wie auch die Herleitung des Namens von Steinbach nicht in vollkommne Gewissheit gesetzt ist.

So viel steht fest, dass über den Ort der Stadt Löbau zuerst die Gerichtsbarkeit zustand, und zwar schon zu Anfang des 14. Jahrhunderts.

Im Jahre 1419 kam Schönbach durch Kauf an die Stadt Löbau.

Durch Kaiser Ferdinand I. im Jahre 1547 wurde Löbau, gleich den andern Sechs-Städten aller Privilegien, Kirchenkleinodien, Grundstücke und Dörfer beraubt, und Schönbach wurde einer adelichen Familie verliehen, und zwar dem Geschlechte von Metzrad. Es gehörte 1550 einen Nicol von Metzrad, Hofrichter zu Budissin. Durch kaiserliche Concession vom 12. März 1562 wurden den Gebrüdern Joachim und Heinrich von Metzrad zu Schönbach die Ober-Gerichte auf ihren Gütern verliehen.

Im Jahre 1587 finden wir Caspar von Gersdorf auf Schönbach; aber schon 1618 besass das Gut Caspar von Rodewitz: dann im Jahre 1657 folgte im Besitze Junker Hanns von Kötteritz auf Neuhausen, auch später auf Gross-Ossig, der es 1675 an Wolf Christoph von Kötteritz abtrat. Dann kam das Gut an die von Ponikausche Familie. Adam von Ponikau verkaufte 1697 das Gut an Christoph Siegismund von Raussendorf auf Schmölln, welcher dasselbe am [218] 31. Marz 1700 an den Geheimerath Ludwig Gebhardt, Freiherrn von Hoym auf der Herrschaft Dreyssig käuflich abtrat. Diesem folgte Carl Heinrich, Graf von Hoym, welcher 1736 mit Tode abging.

Nach dessen Tode trat auf einige Jahre eine Sequestration des Gutes ein, bis die Gebrüder Carl Siegismund und Ludwig Gehhardt von Hoym zum gemeinschaftlichen Besitz von Schönbach gelangten. Am 2. Juni 1768 übernahm Herr Peter August von Schönberg auf Schmochtitz u. s. w. die Hoymschen Güter und somit auch Schönbach. Aber 1786 verkaufte Herr von Schönberg das hiesige Rittergut an Friedrich Ferdinand Degener aus Blumberg bei Berlin, um die Summe von 34,006 Thlr.

Nach dessen am 4. April 1811 erfolgtem Tode wurde Friedrich Wilhelm Degener Besitzer des väterlichen Erbes, bis derselbe solches 1830 um 60,000 Thlr. an Johann Christian Gocht aus Eibau verkaufte, dessen tragisches Ende wir schon in diesem Album näher erzählt haben.

Gocht hinterlies keine Kinder und die Gochtsche Verlassenschaft wurde längere Zeit vom Kreisamte zu Budissin sequestrirt, bis dieses Rittergut in der Subbastation am 16. November 1838 an die 3 Gebrüder Müller (Betheiligte der Gochtschen Erben), nämlich von Carl Friedrich zu Gersdorf, von Johann Gottfried zu Eibau und von Johann Gottlob, welcher das Gut bezog und solches jetzt noch bewirthschaftet, um die Summe von 72,025 Thlr. erstanden wurde.

Schonbach bestand in früheren Zeiten aus mehreren Abtheilungen, deren jede ihren eigenen Besitzer erhalten hatte. Die Art und Weise, wie früher das Steuerquantum aufgebracht wurde, beweiset dies hinlänglich. Das Steuerquantum zerfiel in 5 einzelne Theile, als:

1) Der von Hoym’sche Antheil oder das jetzige Rittergut mit Zubehör.

2) Der von Bolberitz’sche, später Bierigs-Zieschen und dem Bauer Issrael zuständige Antheil.

3) Der von Ponikau’sche Antheil, worauf das Dorf Neudorf ist, wovon wir weiter unten sprechen werden.

4) Der von Rechenberg’sche Antheil das spätere Jährigs’che Lehngut.

5) Der von Schreibersdorf’sche Antheil später vom Bauer Pursche und den Winkler’schen Lehnsleuten besessen, welcher letztere ums Jahr 1630 einen Antonius von Schreibersdorf zum Besitzer hatte, 1690 aber an dessen Enkel-Tochter, an die Winkler übergegangen ist.

Alle diese Abtheilungen sind gegenwärtig mehr oder minder mit dem Rittergute vereinigt, und nur der von Rechenberg’sche später Jährig’sche Antheil bildete bis auf die neueste Zeit eine besondere Gerichtsbarkeit.

Der vorerwähnte Ort Neudorf, südwestlich von Schönbach in einer langen Häuserreihe sich erhebend und mit Schönbach selbst zusammenhängend, ist auf Ritterguts Grund und Boden unter dem Herrn von Ponikau, welcher diesen Antheil 1776 besessen hat, und mit dem Namen „Oberhof“ belegt war, erbaut.

Nach erfolgter Erweiterung des Orts wurde derselbe unter Zuordnung besonderer Gerichtspersonen und Beilegung des Namens Neudorf im Jahre 1774 zu einer besonderen Gemeinde erhoben.

Durch Einziehung der einzelnen Antheile wurde das Rittergut im Niederdorfe ungemein vergrössert und verbessert.

Das frühere alte Schloss existirt nicht mehr; denn die Rittergutsgebäude wurden durch zweimaliges Brandunglück in den Jahren 1817 und 1818 zerstört. Aber die neue herrschaftliche Wohnung ist seitdem schöner und grossartiger wieder aufgebaut, und man kann die Wohnung ein imposantes Schloss nennen.

Die Wirthschaftsräume sind ebenfalls neu und vortrefflich eingerichtet.

Zum Gute gehört eine bedeutende Oeconomie, gute Felder und Wiesen und überdiess noch schöne Holzungen.

Der Grundbesitz der Gemeinde beträgt 1672 Scheffel, und zwar 1279 Scheffel an Aeckern und 393 Scheffel an Wiesen. Der Kartoffelbau gehört zu den bedeutensten Erzeugnissen.

Bauergüter oder ganze Hüfner gab es ursprünglich nur 29, wovon 3 seit langer Zeit zum Rittergute geschlagen und mit ihm vereinigt sind. Aus den übrigen Bauergütern sind grösstentheils Halbhüfner, auch Gärtner und Häusler entstanden. Die Mehrzahl der Wirthe sind, ausser der Bearbeitung ihres kleinen Feldeigenthums, fast einzig und allein der Weberei zugethan, und von Kinde bis zum Greise ist in Schönbach und [219] Neudorf Jedermann beschäftigt mit Spinnen, Spuhlen, und Weben. Durch regen Händefleiss werden jährlich mehrere Tausend Stück weisse und bunte, leinene und baumwollene Waaren verfertigt, und von mehreren hiesigen Fabrikanten an entfernte Gegenden, selbst nach Amerika versendet.

Im Jahre 1807 belief sich in 260 Cataster-Nummern die Einwohnerzahl auf 1676, in Neudorf auf 246 in 45 Häusern, jetzt giebt es in Schönbach 55 Häuser mit 300 Einwohnern; in Neudorf an 300 Häuser mit 2221 Seelen, welche alle dem Gerichtsamte Neusalza einverleibt sind.

Die übrigen nennenswerthen Gebäude Schönbachs sind die Kirche, über welche der Gerichtsherrschaft zu Schönbach das Collaturrecht zusteht.

Die Kirche selbst ist ein freundliches, einfach geschmücktes Gebäude, lichtvoll und geräumig, hat auf beiden Seiten 2 Emporkirchen, auf deren einer die herrschaftliche Loge sich befindet.

Das Pfarrhaus besteht seit dem Jahre 1727, und ist eine freundliche, bequeme Wohnung.

Das Schulhaus ist mit 2 Wohnungen für 2 Lehrer eingerichtet, und enthält 2 abgesonderte Schulstuben.

Ausserdem hat Schönbach mit Neudorf 2 Windmühlen, die obere und niedere, und 2 Wassermühlen, die alte und neue benannt. 2 Windmühlen finden sich in Neudorf. Die Schicksale des Ortes anlangend, so ist derselbe von Feuer und Schwerdt hart heimgesucht wurden. Es hat in Schönbach nicht öfter als 16 Male in hundert Jahren gebrannt. Unter diesen Bränden sind 2 Mal die Gutsgebäude mit ein Raub der Flammen geworden, wie wir dies oben schon erwähnt haben.

Vorzüglich aber waren die Tage vom 12. bis 21. Mai 1813 Angst- und Schreckenstage für Schönbach.

Täglich kamen Hunderte von den in Bautzens Nähe lagernden Russen geritten, raubten und plünderten, oder erpressten Fouragelieferungen für ihre Pferde, Lebensmittel, Kleider und Geld von den armen Einwohnern, deren Viele ihre Habe in Kellern und andern Zufluchtsstätten, vor der Raubgier fremder Krieger geborgen glaubte und den heimathlichen Heerd verlassend, im benachbarten Böhmen mit ihren Familien und Vieh, Schutz und Sicherheit suchten, dort aber auch menschenfreundlich und theilnehmend aufgenommen wurden.

Nach dem Gefecht bei Ebersdorf (den 9. Sept. 1813) kamen den 11. Sept. etwa 1000 Mann Russen nach Schönbach, lagerten sich ohnweit des hiesigen Pfarrbusches, fouragirten und erpressten Lebensmittel und andere zur Lagerung nöthige Materialien; doch plötzlich und unerwartet marschirten sie nach 4 Stunden weiter.

Dieselbe Nacht bildete sich bei Spremberg ein grosses russisches Lager, dessen Stärke über 30,000 Mann betrug.

Viele Hunderte kamen täglich von diesen Gästen nach Schönbach und zeigten sich nicht von der liebenswürdigsten Seite. Sie konnten alles Eigenthum der Bewohner von Schönbach gebrauchen, und oft konnte man weithin das Wehklagen beraubter Familien hören.

Erst am 16. Sept. wurde Schönbach von diesem nicht erfreulichen Besuche befreit, und die langen Friedensjahre haben wohlthätig auf den Ort gewirkt. Ja wären keine Handelsconjuncturen bisweilen eingetreten, so konnte man kühn behaupten: Schönbach mit Neudorf ist ein wohlhabender, ein glücklicher Ort.

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[220]
Nieder-Cunewalde.


Im 28. Hefte dieses Albums[WS 1] ist schon die Lage des Ortes Cunewalde näher bezeichnet, und seine Eintheilung in Ober-, Mittel- und Nieder-Cunewalde erwähnt.

Die früheren Besitzer des noch ungetheilten Ortes sind ebenfalls dort schon einzeln aufgeführt, so dass wir mit dem Zeitabschnitte beginnen können, wo Nieder-Cunewalde als besonders bewirthschaftetes Gut erscheint.

Vom Jahre 1632 kam durch den schwedischen Rittmeister Christoph Nicolaus von Nostitz Nieder-Cunewalde an das von Zieglersche Geschlecht, dessen Stammvater Wigand von Ziegler auf Röcknitz um 1320 gelebt hat.

Joachim von Ziegler kaufte, wie wir früher erwähnt haben, Ober-Cunewalde um 1623, ward 1628 den 7. April der Vater des durch sein umfangreiches Werk: „Täglicher Schauplatz der Zeit,“ berühmt gewordenen Heinrich Anshelm von Ziegler, und starb 1671 am 27. November.

Sein Sohn Wolf Rudolph besass Ober-, Mittel- und Nieder-Cunewalde, und starb 1685 den 9. Decber.

Ein Sohn von Wolf Rudolph, und zwar der dritte Sohn, Friedrich Adolph, ward Herr auf Nieder-Cunewalde, welcher am 8. August 1767 mit Tode abging.

Seine Nachkommen auf Nieder-Cunewalde sind Gottlob Ehrenreich, gestorben 1757; Carl Gottlob Ludwig, gestorben 1775; welcher den Armen seiner Gemeinde ein Legat von 200 Thlrn. aussetzte. Friedrich Wilhelm, gestorben 1792 den 14. April in Malsitz, aber in Nieder-Cunewalde beerdigt.

Nachdem das Geschlecht derer von Ziegler seit mehr als 300 Jahren den Beinamen „und Klipphausen“ führte, wurde Herr Carl Friedrich August Wilhelm, Herr auf Pielitz, Grossherzogl. Sachsen-Weimarischer Kammerherr, Mitglied der ersten Kammer, Erb-, Lehn- und Gerichtsherr von Nieder-Cunewalde, von welchem es auf Frau Johanna Eleonore von Ziegler und Klipphausen überging, die jetzt noch als Besitzerin das Gut bewirthschaftet.

Nieder-Cunewalde gehört ebenfalls zu den Orten, wo die sogenannte weissgarnichte Leinwand vorzugsweise mit gefertigt wird.

Ueber die Geschichte der Leinwandmanufactur herrscht, wie über so Manches, auch hier noch ein Dunkel.

Dass schon die Sorben sie vor dem 14. Jahrhundert trieben, scheint daraus hervorzugehen, dass sie häufig Flachs erbauten, und schon unter Carl dem Grossen zählten die Slaven die Leinwand unter ihre Handelsartikel.

Die alten Wenden verspannen den Flachs auch zu Garn, und verwehten dieses zu Leinwand; ob sie aber auch schon Grosshandel mit letzterer trieben, ist nicht bekannt.

Fast in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erscheint die Leinweberei historisch als ein Gewerbe der oberlausitzer Städte, welche Leinwand theils nach Böhmen, theils nach Schlesien und Polen auf der sogenannten hohen Strasse über Görlitz sendeten.

Nach Errichtung des hanseatischen Bundes, und später nach Entdeckung der neuen Welt, wurde der Handelsgeist fast in ganz Europa belebter, und auch in der Oberlausitz zeigte sich eine grössere Regsamkeit in der Verfertigung leinener Zeuge. Wie bedeutend hier Leinenhandel schon im 15. Jahrhundert war, ergiebt sich unter andern daraus, dass die Kaufleute Zittaus in dortiger Hauptkirche ihren eigenen Altar nebst Kapelle hatten, ja selbst einen Priester besoldeten und über diesen [221] das Patronatrecht ausübten. Auch erschienen schon damals bei städtischen Unruhen, welche öfter vorkamen, die Leinweber oft als rüstige und Ausschlag gebende Kämpfer, wobei wohl ihre grosse Zahl den Ausschlag gegeben haben mag.

Dass durch das Aufblühen des Leinwandhandels auch ein gewisser Stolz und eine gewisse Ueberhebung gegen andere Stände sich zeigte, steht fest, und man muss viele Fehden und Kämpfe des Mittelalters nicht als blosse willkührliche Räuberei betrachten: Denn es ist z. B. noch unerörtert, ob die Weber im Jahre 1401 nicht die Veranlassung gaben, dass Hanns von Cottbus von seinen Knechten alle Leinwand auf den Bleichen wegnehmen lies.

Lieber die Veranlassung zu dieser That schwebt noch ein Dunkel, und wird blos von denen zum Vortheil ausgebeutet, welche nun ein Mal das Mittelalter als dasjenige hinstellen wollen, wo Herren über Knechte herrschten.

Im Ganzen hat der damalige Adel bei Weitem keinen so übertriebenen Gebrauch gemacht, als derselbe eigentlich konnte.

Grossmuth und Schutz dem Schwachen wurde allenthalben geübt. Lüge wurde mehr gehasst, als in allen Zeiten, Wahrheit und Treue, welche als die ersten Tugenden auf Schulen und Universitäten jetzt noch gepredigt werden, waren an der Tagesordnung, und der Adel musste geachtet werden wegen seines Adels des Herzens. Und in der That ist der Adel des Herzens allein das Erkennungszeichen und das Merkmal des vornehmen Mannes: Das präge man unserer Jugend ein, damit sie nicht aus Schulen in das bürgerliche Leben hinüber falsche Begriffe von vornehm und niedrig mit hinüber nimmt.

Dann wird Unzufriedenheit und ein Sichunglücklichfühlen weniger vorkommen und somit auch die Zahl der Ruhestörer und der neuerungssüchtigen Kopfe sich mindern.

Ueber Nieder-Cunewalde haben wir weiter hier nichts hinzuzufügen, da das Nöthige, bezüglich der Kirche und der Bewohner, bei Ober-Cunewalde in diesem Album erwähnt worden ist.




Arnsdorf.


5/6 Stunden von Gaussig, 2 Meilen östlich von Bischofswerda, nahe an der böhmischen Grenze, zwischen den Dörfern Mönchenwalde, Oberneukirche, Thiemen und Golenz.

Arnsdorf ist wohl ursprünglich Arnoldsdorf, Arnoldesdorf genannt worden, und hat seinen Ursprung vielleicht einem Arnold zu verdanken, welcher als Einwanderer sich hier ansiedelte.

Arnsdorf mag früher den Meissner Bischöfen gehört haben: Denn in einem alten bischöflich Meissnischen Lehnregister wird als Zubehör des Rittergutes ein Wald und 6 Teiche, ingleichen 3 Schock und 5 Groschen Zinsen angegeben. Der Bischof hatte hier auch die Obergerichte, dagegen blos die Erbgerichte abgetreten, nachdem eine Verleihung des Gutes an Privatpersonen stattgefunden haben mag.

Als die ersten Besitzer von Arnsdorf werden uns im 15. Jahrhundert die Sommerfeld genannt. Matthias und Wenzel Sommerfeld, Vater und Sohn, Bürger in Budissin, kommen im Jahre 1489 vor.

Nach dieser Familie und bereits 1557 gehörte es denen von Schlieben, welche es im Jahre 1580 an Hanns Wolf von Schönberg verkauften.

[222] In der Folge finden wir den Vater der bekannten, 1675 gebornen Gräfin von Rochlitz, den General-Lieutenant Rudolph von Neitschütz im Besitz, welcher, sowie noch sein Sohn das nahe Gaussig gleichfalls besass. Jm Jahre 1764 gehörte Arnsdorf dem Landeshauptmann der Oberlausitz, Wolf Christian von Schönberg, dann kam es an Herrn Christoph Wilhelm von Salisch und Grossgraben.

Erst im Jahre 1819 acquirirte es Herr Benjamin Friedrich Baumgarten.

Später gelangte es an Sr. Excellenz den Herrn Staatsminister von Zeschau, welcher Sachsens Finanzen auf eine so glänzende Höhe gebracht, dass man nur mit Dankbarkeit auf die Wirksamkeit dieses hoch begabten Mannes unter dem Ministerium Könneritz zurückschauen muss.

Jetzt aber besitzt das Gut Herr Johann Gotthelf Werner, welcher seinem würdigen Vorgänger insofern ein treuer Nachfolger war, als er die Finanzen seines Gutes von Jahr zu Jahr durch eine rationelle Bewirthschaftung zu heben weiss.

Das Herrenhaus von Arnsdorf ist ein schön eingerichtetes Gebäude, woran ganz neue, massiv aufgeführte Wirthschaftsgebäude stossen. Zum Gute gehören schöne Felder und Wiesen und auch nicht unbedeutende Waldungen.

Der Gerichtsbarkeit von Arnsdorf waren bis zur Einführung der neuen Gerichtsorganisation Neu-Arnsdorf, Schlunkwitz und die Postschenke unterworfen.

Früher wurde Arnsdorf mit Neu-Arnsdorf zu den meissnischen Ortschaften gerechnet, welche nach Gaussig gepfarrt waren, jetzt ist Arnsdorf zum Gerichtsamte Bautzen gewiesen.

Der Ort zählt 2 Halbhüfner, 9 Gärtner, 10 Häusler, 1 Erbgericht mit Schänk- und Schlachtgerechtigkeit und 1 Mahlmühle, im Ganzen 48 Wohnungen mit 247 Einwohnern. Neu-Arnsdorf, welches 1 Stunde von Gaussig liegt, zählt 4 Kleingärtner und 16 Häusler.

Arnsdorf ist mit den übrigen frühern Meissnischen Ortschaften Neu-Arnsdorf, Cossern, Dretschen, Gnaschwitz, Günthersdorf, Naundorf, Postschenke, Schlunkwitz, Zockau nach Gaussig gepfarrt, wo Herr Graf Carl von Schall-Riaucour im Kreise seiner blühenden Kinder lebt, dessen Frau Gemahlin geh. Gräfin von Sainsheim leider seit dem Jahre 1845 aus diesem Leben geschieden ist, zum Leid aller Hülfsbedürftigen und Nothleidenden.

Das Merkwürdigste der Kirche zu Gaussig ist das Denkmal des General-Lieutenants Rudolph von Neitschütz, bestehend in einer herrlich gearbeiteten Kriegsarmatur. – Eine Schule hat der Ort nicht – und die Kinder von Arnsdorf, Neu-Arnsdorf, ein Theil von Diehmen, Neu–Diehmen und die Postschenke gehen in die Schule nach Dretschen, in welcher an 100 Kinder unterrichtet werden.

Die ganze Gegend von Arnsdorf, Schlunkwitz u. s. w. ist ungemein schön und reizend. Im Süden beim Orte Schlunkwitz steigt das Steinbergel (die Camenska Hora) empor, welche 765 Fuss über dem Meere liegt.

Oestlich von der Schlunkwitzer Mühle steigt eine steile Höhe mit einer Sorbenschanze empor.

Alle diese sogenannten Meissnischen Ortschaften liegen auch sehr nahe zusammen und bilden ein wahres Panorama, wozu das nahe Gaussig viel beiträgt.

Arnsdorf erinnert dabei mit seiner Anhöhe unweit des herrschaftlichen Hofs so recht an die Bischofszeiten: Denn hier soll eine Kapelle gestanden haben, für welche von vielen Orten Decem geleistet wurde, der nach Eingang der Kapelle an den Gutsherrn von den Pflichtigen entrichtet werden musste.

Die zu Arnsdorf gehörige Postschenke besteht aus einem einzelnen Wirthshause mit einer Halbhüfnerwohnung und liegt an der Strasse von Budissin nach Neukirch, unweit des am Fusse des Dahrener Berg gelegenen Ortes Tautewalde und des Schuldorfes Dretzschen.

Als besonders bemerkenswerth ist noch zu erwähnen, dass in der Kirche zu Gaussig an einer Mauer daselbst eine ritterliche Ehrentafel des obenerwähnten weil. Herrn Christoph Wilhelm von Salisch und Grossgraben auf Arnsdorf und Schlunkwitz hängt.

Diese Tafel enthält den Sahlischen adlichen Stamm von des Vaters Linie, und den Sahlischen adlichen Stamm von der mütterlichen Seite.

Der Kirche zu Gaussig hat die verstorbene Gräfin Henriette von Schall-Riaucour geb. Gräfin von Sainsheim ein gesticktes blaues Altar- und Kanzeltuch mit gelbseidenen Borden und dergleichen Franzen, und [223] Herr Graf Carl von Schall-Riaucour ein mit gutem Golde staffirtes Cruzifix nebst 2 dergleichen Altarleuchtern geschenkt.

Ueberhaupt haben die zur Parochie gehörigen Gerichtsherrschaften sich stets um Kirche und Schule verdient gemacht, weshalb man nur mit Liebe und Achtung von denselben spricht.

Die hiesigen Gerichtsuntergebenen haben nie die früheren Einrichtungen, bezüglich der Erbunterthänigkeit u. s. w. gefühlt, und waren glücklich in dem Bewusstsein, Herrschaften zu besitzen, die mit väterlicher Milde walteten und regierten.

     




Diehmen


¼ Stunde von Gaussig in angenehmer fruchtbarer Legend, 2 Stunden südwestlich von Budissin und 2 Stunden südöstlich von Bischofswerda entfernt gelegen.

Diehmen mit Neu-Diehmen auch Kleebusch genannt, 3/5 Stunden von Gaussig, gehört zu den 10 Ortschaften, welche nach Gaussig gepfarrt sind und zum Unterschiede von den nach Gaussig gewiesenen Meissnischen Ortschaften, die Dörfer der wendischen Pflege genannt werden.

Diehmen hat ein schönes Rittergut mit guten massiven Gebäuden, und grossen Wirthschaftsräumen.

Bis zur Einführung der neuen Gerichtsorganisation stand dem Grafen Carl von Schall-Riaucour die Gerichtsbarkeit über Diehmen mit Neu-Diehmen oder Kleebusch zu.

Es bildet dieses Gut mit den Dominien Drauschkowitz, Gaussig, Medewitz mit Crostau, Rhodewitz mit Anneberg, Eulowitz, Bederwitz, Golenz, Malschwitz, Guttau, Brösang, Gleina, Wartha, Putzkau, Tröbigau, Naundorf, Zockau, Günthersdorf das von Schall-Riaucoursche Familien-Fideicommiss.

Diehmen wurde vom Grafen von Kaiserling acquirirt, dessen Gemahlin eine Comtesse Dallwitz aus dem Hause Königswartha war.

Im Jahre 1771 kaufte das Rittergut Andreas Reichsgraf von Riaucour, Churfürstl. Sachs. Conferenzminister und Geheime-Rath. Er ist der Stifter der Fidei-Commiss-Herrschaft, deren in diesem Album schon mehrmals Erwähnung geschehen.

Sämmtliche Felder und Wiesen des hiesigen Ritterguts sind an die Einwohner verpachtet und nur ein kleiner Theil wird besonders bewirthschaftet.

Die herrschaftlichen Waldungen sind sehr gut gehalten und regelmässig angepflanzt. Die Aufsicht führt der herrschaftliche Förster.

Indem wir den herrschaftlichen Hof verlassen, wollen wir uns nur noch auf die hiesigen Bauer- und Gärtner-Güter beschränken.

Es giebt hier 1 Ganzbauer, 1 Dreiviertelsbauer, 6 Halbbauern, 4 Grossgärtner, 2 Halbgrossgärtner, 6 Kleingärtner, 22 Häusler, 1 Schenke und 1 Mahlmühle.

In Neu-Diehmen sind 3 Kleingärtner, 6 Häusler und 1 Schankwirthschaft.

[224] Die meisten dieser Einwohner beschäftigen sich mit dem Landbau und der Viehwirthschaft, auch die Obstzucht ist nicht unbedeutend.

Der Boden ist von mittler Quantität und Qualität.

Eine eigne Schule hat Diehmen nicht, viel mehr ist ein Theil von Diehmen nach Gaussig mit in die Schule gewiesen, ein anderer Theil mit Neu-Diehmen besucht die Schule in Dretschen, was früher zum Amte Stolpen gehörte.

Wie schon oben erwähnt worden ist, so ist Diehmen mit Neu-Diehmen ebenfalls mit einer Kirche nicht beglückt, sondern zur Parochie Gaussig gewiesen, zu welcher nicht weniger als 22 Ortschaften gehören, und doch bietet die Kirche in Gaussig genug Raum, da der Gottesdienst in wendischer und deutscher Sprache gehalten wird.

Diehmen ist durch seine Nähe von Gaussig sehr begünstigt, indem die dasige Herrschaft viele Vortheile dem Orte zufliessen lässt und überhaupt solchen als mit Gaussig vereinigt betrachtet. Häusler, Handwerker und Tagelöhner finden ihren Unterhalt auf dem Schlosse zu Gaussig, und Jeder, der ein Anliegen, dem eine Noth, ein Kummer drückt, geht zu seiner Herrschaft und schüttet sein Herz aus.

Wenn menschliche Hülfe das Elend, die Noth abwenden und vermindern kann, so geschieht es in der Regel.

Alle die Orte um Diehmen, wie Birkerode, Brösang, Drauschkowitz, Golenz, Katschwitz, Neu-Katschwitz, Klein-Gaussig, Medewitz liegen ungemein schön und angenehm.

Es giebt selten eine Gegend, wo man so viele einzelne kleine Dörfer mit reizenden Gruppirungen findet, als gerade hier.

Ueberall wohnen in diesen Dörfern gastfreundliche Menschen, die dem Reisenden das Leben angenehm und heiter machen.

Wer sich aber von Geschmack, Kunstsinn, Reichthum und Pracht eine Vorstellung machen will, wandere nach Gaussig, beschaue sich das dasige Schloss, die grosse Brauerei und Brennerei, die grosse aus 4500 Bänden bestehende Bibliothek, welche grösstentheils französische und englische Werke enthält, den Saal in zierlicher Stuccatur-Arbeit, wo die Wände grösstentheils in Spiegel eingefasst sind; das Zimmer mit den vielen guten Gemälden alter Meister und den schönen englischen Park. Genug, um einen ganzen Tag sich angenehm zu unterhalten.

Gaussig ist in den letzten Jahren ein so grosser Ort geworden, dass er Stadtähnliches Ansehen erlangt hat und zum Marktflecken wirklich erhoben worden ist, wo jährlich 2 Kram- und Viehmärkte gehalten werden.

Diehmen, Neu-Diehmen und Gaussig gehören jetzt zum Gerichtsamte Budissin. Diehmen zählt 243 Einwohner in 56 Häusern, Neu-Diehmen oder Kleebuch aber nur 148 Einwohner in 11 Häusern.

Unter den Einwohnern befinden sich auch einzelne Handwerker, an denen es überhaupt in der hiesigen Gegend nicht fehlt, ein Umstand, der für das reisende Publicum sehr zweckdienlich ist.

M. G.     




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Schönbach
Schönbach
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Nieder - Cunewalde
Nieder - Cunewalde
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Arnsdorf
Arnsdorf
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Diehmen
Diehmen

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Cunewalde wurde bereits im 27. Heft in der Beschreibung Obercunewaldes erwähnt. Teil des 28. Heftes ist die hiesige Beschreibung Niedercunewaldes.
Heft 27 des Lausitzer Kreises Nach oben Heft 29 des Lausitzer Kreises
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