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Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen I. Section/H23

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Heft 22 des Leipziger Kreises Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen von Gustav Adolf Poenicke (Hrsg.)
Heft 23 der Section Leipziger Kreis
Heft 24 des Leipziger Kreises
Die Beschreibungen sind auch als Einzeltexte verfügbar unter:
  1. Grosspösna
  2. Kötzschwitz
  3. Trachenau
  4. Gross-Zössen


[177]
Grosspösna.


Das Rittergut und Dorf liegen gen Norden ½ Stunde vom Marktflecken Liebertwolkwitz, 2½ Stunde von Leipzig an der Strasse von Leipzig nach Kolditz. In alten Schriften und in der Volkssprache wird das altschriftsässige Rittergut als das zur grossen Pösa gelegenes bezeichnet.

Hier auf diesem Gute blühte in den frühesten Zeiten das altadeliche Geschlecht derer von Pfluge, welche in der Umgegend ausserdem noch viele ansehnliche Rittersitze, Schlösser, Städte und Dörfer besassen. Unter ihrem Besitze war Grosspösna ein Pertinenzstück vom Rittergute Störmthal, welches dieselben im Jahre 1300 an[VL 1] Bernhard von Macheley erkauft hatten. Im 16. Jahrhundert wurde Grosspösna ein selbstständiges Rittergut und wir finden im Jahre 1549 die Gebrüder Thamm und Hans Pflug als Erb- Lehn- und Gerichts Herrn, von denen ersterer in der Kirche zu Liebertwolkwitz begraben liegt.

Im Jahre 1575 war Wolf Seidel mit diesem Gute beliehen, von welchem es im Jahre 1589 an Caspar von Zehmen kam. Von 1594 war der Besitzer zur grossen Pösa, der Prof. der Therapie und Decan der medicin. Facultät, Johann Christoph Braun zu Leipzig, welcher 1609 mit Tode abging.

Zu Ende des 30jährigen Krieges behauptete das Gut der Königl. Schwed. Resident in Leipzig, Johann von Hartwig.

In der Mitte des 17. Jahrhunderts besass das Rittergut die Familie von Mühlbach und namentlich finden wir im Jahre 1660 Christoph von Mühlbach, Kurfürstl. Sächs. Oberpostmeister zu Leipzig als Erbsasse zur grossen Pösa. Bis 1690 besassen dann zwei Töchter das Rittergut gemeinschaftlich: Barbara Elisabeth von Mühlbach und Johanna Maria von Mühlbach, verehelichte von Peine. Von 1690 war Fräulein Barbara Elisabeth von Mühlbach allein im Besitze des Gutes, welche im December 1739 starb und in dem an der Südseite der Kirche angebauten herrschaftlichen Erbbegräbnisse beigesetzt wurde. Im Jahre 1840 nahm man die Ausfüllung dieses Erbbegräbnisses vor. Bei dieser Gelegenheit wurden die Särge von Gliedern der herrschaftlichen Familie versenkt und der Platz planirt.

Im Jahre 1735 war Besitzer vom Rittergute Ludwig Albrecht von Peine, von welchem es an dessen Töchter, an Louise Charlotte Amalie Friederike Leopoldine, verehelicht an Friedrich von Glafey und an deren jüngere Schwester Lucia Albertine von Peine kam und von denselben einige Jahre gemeinschaftlich verwaltet wurde.

Unter von Glafeys Bewirthschaftung sank der Werth des Ritterguts sehr herab und musste letzteres sub hasta verkauft werden. Oberst von Bülow erstand es für 17,000 Thlr. Heinrich Gottlieb von Bülow, Oberst der Infanterie starb am 6. März 1784 und wurde in ein vor dem Altar ausgemauertes Grab versenkt. Nach von Bülows Tode erhielt das Rittergut seines Bruders Sohn Oberhofgerichts-Assessor und Stiftsrath zu Wurzen in Lehn, welcher es im Jahre 1805 an Carl Friedrich Benedict Bartsch verkaufte. In dessen Besitzzeit fällt die Schlacht bei Leipzig und das Rittergut erlitt bedeutende Verluste.

Nach Bartsch besassen vom Jahre 1815 an Traugott Leberecht Jost und Johann Gottlob Kratzsch das Rittergut Grosspösna. Vom Jahre 1819–1820 war Friedrich Wilhelm Scheibner, Jost’t Schwiegersohn hier Rittergutsverweser. Unter Jost wurde das frühere Griebner’sche Pferdnergut dem Rittergute einverleibt.

Von 1821 war Erb-, Lehn- und Gerichtsherr auf Grosspösna der Staats- und Geheime-Rath, Komthur, des Königl. Sächs. Civil-Verdienst Ordens, Carl Heinrich Constantin von Ende.

Unter diesem Besitzer erfolgte die Zusammenlegung der Ortsflur, die Ablösung der Frohnen, sowie 1836 die Abtretung der Gerichte an den Staat.

Durch Kauf kam das Rittergut 1844 an Richard Carl Georg d’Orville von Löwenklau Preuss. Lieutenant a. D.

Im Jahre 1847 acquirirte von Löwenklau das Rittergut Christian Friedrich Beuchel, Advocat zu Meissen und von diesem kaufte es im Jahre 1851 der Fabrikant Philipp Theodor Zürcher, welcher als tapfrer Militair an vielen Schlachten des Freiheitskampfes, und namentlich an den heftigsten Gefechten der Schlacht bei Leipzig thätigen Antheil genommen hat. [178] Seit December 1854 ist Besitzer des Rittergutes Herr Johann Gottfried Dietze auf Pomsen, der es als Vorwerk von seinem Gute Pomsen bewirthschaftet.

Das jetzige Herrenhaus ist seit dem Jahre 1851 von dem früheren Besitzer Th. Zürcher erneuert und von den Wirthschaftsgebäuden wurde im Jahre 1854 von demselben Besitzer ein neuer sehr zweckmässiger Kuhstall erbaut. Eine neue Schäferei war schon im Jahre 1849 unter von Bärenklau entstanden. Unter dem Besitzer des Rittergutsbesitzers J. L. Jost war mit der Oeconomie eine starke Brauerei verbunden, und es wurde hier vortreffliches Bier gebraut, bekannt unter „Auerswalder Weissbier.“

Das früher im Garten befindlich gewesene umfängliche Gewächshaus ist unter von Bärenklau abgetragen worden.

Zum Areal des Ritterguts gehörten früher circa 60 Acker Holz, angrenzend an das Oberholz, welches seit 1830 ausgerodet und das Land in Feld verwandelt worden ist. Seit 3 Jahren sind Huthfelder des Rittergutes bis auf 1 Kleefeld nach dem neuesten System drainirt worden.

Das Gut enthält 306 Acker Ackerland und 30 Acker Wiesenland, meist fruchtbaren Lehmbodens.

Zugleich mit dem Dorfe hat auch das Rittergut in früherer Zeit durch Kriegsnoth viel gelitten, wie besonders im Hussittenkrieg und im 30jährigen Kriege. Der Sage nach ist in diesen Zeiten ein zwischen Grosspösna und Fuchshain gelegenes Dorf „die Komorei“ zerstört worden.

Ebenso litten Grosspösna und das benachbarte Liebertwolkwitz bei der schwedischen Invasion. In Liebertwolkwitz war es, wo bei der letzteren der kaiserliche Minister von Wratislaw am 1. September 1707 die mit Carl XII. zu Altranstädt im Jahre 1706 abgeschlossenen Tractaten unterzeichnete, nach welchen der Kaiser Joseph I. den Protestanten in Schlesien freie Religionsübung gestatten musste, weshalb ihre dortigen Kirchen noch jetzt Gnadenkirchen genannt werden. Die Unterzeichnung geschah im Gute Nr. 32.

Von den Schicksalen in Liebertwolkwitz und Grospösna während des 7jährigen Krieges ist so viel bekannt, dass in beiden Orten viel Kriegstruppen sich aufgehalten und die Einwohner schwere Kriegsdrangsale ausgestanden haben. Im Jahre 1762 starben in Liebertwolkwitz 64 Personen, in Grosspösna 28 Personen, eine bei der damaligen geringen Bevölkerung beider Orte sehr grosse Zahl.

Sehr verderblich für die Orte waren die Octobertage 1813. Am 13. October stellten sich die von Belgershain her sich nähernder Oesterreicher auf den Mühlenberge bei Grosspösna auf, der mit Kanonen besetzt wurde. Bis gegen Abend dauerte hier ein lebhaftes Feuern an, wobei mehre Kugeln ins Dorf flogen.

Gegen Anbruch der Nacht zogen sich die Oesterreicher zurück und circa 2000 Franzosen rückten ins Dorf ein, machten Bivouac und plünderten. Am 14. früh 3 Uhr verliessen die Franzosen das Dorf, zogen sich nach Liebertwolkwitz und die Oesterreicher rückten von Thräna aus wieder vor. Am 16. October nahmen die Franzosen die österr. Batterie auf dem Kolmberge, viele Kugeln kamen ins Dorf und die Franzosen rückten bis ins Niederholz vor. Die Oesterreicher und Preussen behaupteten aber ihre Stellung in und um Grosspösna. Das Schiessen war an diesem Tage am heftigsten, Gottesacker und Dorf stand mit Geschütz besetzt. Der Ort hatte dabei sehr viel zu leiden, die Plünderung war allgemein, alles brennbare Material, Hausgeräthe aller Art kam zur Feuerung in die Bivouacs. Die Ortsbewohner hatten die Tage vorher Mehreres in der Kirche und auf dem Rittergute verborgen; Alles ging verloren. Was in den Tagen der Schlacht an Eigenthum noch übrig geblieben war, wurde von den nachziehenden Trupps geraubt.

Weniges Vieh war am 14. October nach Belgershain getrieben und gerettet worden, an Zugvieh fehlte es ganz. Von Dienstag an hatten bereits die meisten Bewohner den Ort verlassen. Vor Brand blieb jedoch Grosspösna verschont.

Grosspösna hat jetzt 26 Güter und 15 Brandkataster-Nummern. Die Flur enthält 787 Acker 151 □R. worin wie oben schon erwähnt, 334 Acker auf das Rittergut kommen. Auf Grosspösnaer Feldern wird weisser Sand gegraben. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts lebten hier viele Thonpfeifenmacher. Hauptnahrungszweig ist jetzt der Ackerbau. Jedoch wurden ausser der Landwirthschaft auch mehre Professionen hier betrieben.

Im Jahre 1839 ist die Landgemeinde-Ordnung eingeführt worden.

Der Besitzer von Grosspösna ist Collator über die hiesige Schule, während das Besetzungsrecht des geistlichen Amtes in der Filialkirche von Grosspösna dem Gerichtsherrn von Liebertwolkwitz zusteht.

[179] Bereits im Jahre 1574 kommt Grosspösna als Filialkirche von Liebertwolkwitz vor. Die Kirche ist sehr alt, weshalb in den Jahren 1676, 1804 und 1847 Hauptreparaturen vorgenommen werden mussten. Zu der ersten Hauptreparatur trug Herr Christian von Mühlbach eine grosse Summe bei, aus Dankbarkeit gegen Gott durch dessen Schutz ihm auf einem andern Gute Endorf im Mannsfeldischen 1674 ein grosser Getreidevorrath von der kaiserlichen Armee unerwartet gerettet worden war. Der innere Ausbau rührte ganz von ihm her, bis 1804 noch manches Andere hinzu kam.

Vermögen besitzt die Kirche jetzt ausser einem Legate, welches der Bürger und Hausbesitzer zu Leipzig und Gutsbesitzer zu Grosspöna, Herr Christoph Griebner den 25. Juni 1793 stiftete, 1459 Thlr.

Eingepfarrt nach Grosspösna ist das Universitäts-Forsthaus Oberholz. Das Forsthaus früher: „Finzhaus“ genannt, ist seit 1832 neu erbaut, wogegen das Schulhaus in Grosspösna schon seit dem Jahre 1803 erweitert und neu erbaut ist.

Grosspösna mit dem Forshause gehört zum Gerichtsamte Leipzig I. und zählt 75 bewohnte Gebäude 109 Familienhaushaltungen und 434 Einwohner.

M. G.     




Kötzschwitz


das Rittergut ohne Dorf an der Gössel oder Geissel an der Chaussee von Leipzig nach Borna, 3 Stunden südost südlich von der erstern Stadt entfernt gelegen, wurde sehr häufig von den Ueberschwemmungen des Gösselbaches hart bedroht. Oft musste mit den grössten Anstrengungen, mit eigener Lebensgefahr das Vieh zur Nachtzeit aus den Ställen gerettet werden, wenn die Gössel ehe man noch solches ahnete zum wild daher brausenden Strome anschwoll. Deshalb entschloss man sich, die ursprünglichen unmittelbar an der Gössel gelegenen, durch die Wasserfluth ruinirten Rittergutsgebäude ganz liegen zu lassen und ein neues Schloss etwas südwestlich von den alten Gemäuern an einer höher gelegenen Stelle zu erbauen, wie solches jezt noch in der Abbildung zu sehen ist.

Kötzschwitz und das nahe Magdeborn waren sehr alte Castelle, die schon im 9. und 10. Jahrhundert existirten und zu dem sorbischen Pagus gehörte, welcher durch Gewalt der Waffen dem Kaiser unterworfen worden war.

Um die Sorben im Zaume zu halten, legte man solche Castelle an. An diese Castelle lieferten die Sorben ihre Abgaben, die zum Theil in Honig, Wachs u. s. w. bestanden. Die kaiserlichen Beamten, die diese Honigsteuer einzunehmen hatten, hiessen cidelarii und waren meist Leute von Adel.

Nach der Gründung des Bisthums Merseburg im Jahre 968 vom Kaiser Otto I. wurde vom lezteren der erste Bischof von Merseburg, Boso, mit Kötzschwitz und Magdeborn beschenkt und von dieser Zeit an blieben auch die Bischöffe von Merseburg Lehnsherrn von Magdeborn. Ja die Besitzer des Rittergutes Kötzschwitz wurden bis auf die neuere Zeit von der Administration des Bisthums jedes Mal besonders mit Magdeborn beliehen.

Die Zeit, in welcher Magdeborn an das Rittergut Kötzchwitz gekommen ist, dürfte nach alten Urkunden nicht zweifelhaft sein und sich auf das Jahr 1420 bestimmen lassen. Vorher war Magdeborn in einer Fehde mit den Bischöffen zerstört worden, welche die Burg nicht wieder aufbauten, sondern die verwüstete Flur mit den Gerichten über Hals und Hand an die Gebrüder von Zehmen, Hans und Nickel, in dem Jahre 1420 verkauften.

Dieselben Gebrüder Zehmen acquirirten im nämlichen Jahre Kötzschwitz für 200 Mfl. vom Stifte Merseburg und Kötzschwitz mit Magdeborn oder der verwüsteten Flur, (bestehend in 3 wüsten Höfen hinter der [180] Kirche mit 1½ Hufen Landes, und 3 Acker Wiesen dabei gelegen) gehörte bis zum 16. Jahrhundert dieser Familie.

Einer ihrer Nachkommen, Rudolph von Zehmen verkaufte diese Besitzung 1556 an Georg von Breitenbauch Dr. jur. und Ordinarius in Leipzig. Im Jahre 1571 wurde dessen Sohn, Cäsar von Breitenbauch, damit beliehen. Nach dem Ableben des Letzteren kam Kötzschwitz mit Zubehör wieder an das Geschlecht derer von Zehmen und zunächst an Georg Oswalden Zehmen, der bei seinem Tode 2 unmündige Söhne, Volkmar Dietrich, und Georg Ernst hinterliess, von denen der jüngere den 16. October 1592 mit Kötzschwitz beliehen wurde.

Im Jahre 1668 finden wir daselbst Christian von Seydlitz als Erb- Lehn- und Gerichtsherrn. Letztre hatte zwei[VL 2] Söhne, Christian und Valentin, Rudolph von Seydlitz. Der leztere, welcher nach seines Bruders Tode das Gut allein in Besitz nahm, verkaufte es den 25. Januar 1694 an Friedrich von Fullen, welcher dasselbe jedoch schon den 10. October 1695 an den Rittmeister Friedrich Otto von Karstädt käuflich abtrat, so dass das Gut nach seinem Ableben dessen Wittwe Maria Agnes von Karstädt geb. von Seydlitz im Jahre 1707 übernehmen konnte. Diese so edle und menschenfreundliche Frau behauptete es bis zum 31. Juli 1722, wo ihr Sohn Otto von Karstadt volljährig ward und das Gut annahm. Er starb den 16. Mai 1740, hinterliess einen unmündigen Sohn Carl Friedrich von Karstädt, der zwar den 2. Mai 1754 mit Kötzschwiz beliehen wurde, solches aber den 13. Februar 1772 an Peter Leplay, Kaufmann in Leipzig, verkaufte. (In diese Zeit fällt die Verwandlung des Mannlehn Gutes in Allodium.) Dieser ist der Begründer der neuen jezt noch existirenden Rittergutsgebäude, wie solche in einem regelmässigen Viereck stattlich in unserer Abbildung prangen. Nach seinem im Jahre 1799 erfolgten Tode erbte das Gut seine Tochter, Frau Antonie, verw. Hof- und Justizräthin, Dr. Schmidel, deren Andenken jetzt noch in Seegen stehet, da sie sich unter andern das Verdienst erworben hat, durch ihre Vermittelung einen kostspieligen Prozess zu schlichten, den das Kirchenärar von Magdeborn mit der Crostewizer Gerichtsherrschaft wegen Aufbringung der Parochiallasten führte.

Den 14. Juli 1815 starb diese würdige Frau, worauf ihre beiden jüngsten Söhne, Christian Eduard und Christian Theodor das Gut gemeinschaftlich in Lehn nahmen. Seit dem Jahre 1817 ist der jüngere derselben Hr. Dr. Christian Theodor Schmidel, Herr auf Zehmen u. s. w. alleiniger Besitzer von Kötzschwitz und somit auch Patron der Kirche und Schule zu Magdeborn. Ein Mann von vortrefflichen Eigenschaften, von Humanität und Menschenliebe, die an allen seinen Handlungen so recht bethätigt, dass er der Sohn seiner grossen, hochgebildeten Mutter, der verstorbenen Hof- und Justizräthin Schmidel ist. Mögen seine Gemeinden noch lange das Glück geniessen, denselben als Herrn und Kirchenpatron begrüssen zu können.

Zu Kötzschwitz gehörten bisher die Dörfer Gruna, Dachwitz, Tanzberg, und Magdeborn. Magdeborn, und Tanzberg, sowie Gruna und Kötzschwitz bilden nur eine Dorfgemeinde.

Das Rittergut mit 6321 Steuereinheiten hat gegen 240 Acker Feld etc. eine starke Bierbrauerei und vortreffliche Schafzucht. Im Jahre 1852 brannten die Stallgebäude bis auf die Mauern ab und sind solche seit dieser Zeit unaufgebaut.

Der jedesmalige Rittergutsbesitzer von Kötzschwitz ist, wie schon oben erwähnt worden, auch Collator über Kirche und Schule zu Magdeborn. Dieses Collaturrecht ist mit dem obberegten Erkauf der wüsten Flur in Magdeborn an das Rittergut von Kötzschwitz gekommen.

Magdeborn oder Madeborn d. i. Honigsperre (sogenannt von dem zu zahlenden Zins) war früher eine sehr grosse Parochie. Es gehörten, ausser den jetzt noch eingepfarrten Ortschaften, auch die Kirchen zu Störmthal, Dreiskau und Kleinpetzschau mit Dalitzsch als Faliale dazu und vermuthlich hat auch Heyn, Creudnitz, Trages, Haynchen, Muckern und Geschwitz mit Magdeborn im Parochialverbande gestanden.

Aus den 3 erstgenannten Filialen wurde im Jahre 1690 eine eigne Parochie, Störmthal, gebildet.

Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts war die uralte hiesige Kirche so baufällig geworden, dass keine Reparatur mehr von Erfolg schien und man sich entschloss eine neue aufzubauen.

Im Jahre 1784 wurde der Bau begonnen und binnen 28 Wochen vollendet. Während des Baues wurde der Gottesdienst auf dem Malzboden in Kötzschwitz gehalten.

Die neue Kirche ist ein freundliches Gebäude. Der Haupteingang ist auf der Abendseite unter dem Thurme dem Altar gegenüber. Unter dem Altare befindet sich die Kanzel und ihr gegenüber die schöne Orgel. [181] Zur Linken des Altars ist die herrschaftliche Kapelle, zur Rechten die Sacristei angebaut.

Eingepfarrt sind Kötzschwitz, Gruna, Dachwitz, Tanzberg, Sestewitz, Gehren, Gölschen und Rödchen.

Das Areal der ganzen Parochie beträgt 2401 Acker und 130 □R. mit 62,477–83 Steuereinheiten.

Der Ackerbau ist in der ganzen Parochie vorherrschend, doch giebt es auch viele Handwerker namentlich 3 Böttcher, 6 Fleischer, 9 Maurer, 5 Schneider, 8 Schuhmacher, 1 Seiler, 2 Stellmacher, 1 Töpfer, 1 Weissbäcker, 10 Zimmerleute, 1 Handelsgärtner, 1 Wetzsteinfabricant, 2 Mühlen und unter den Gasthöfen sind vorzüglich die beiden an der Chaussee gelegenen zu Dachwitz und Gruna sehr besucht.

Das Jahr 1813 war auch für die hiesige Gegend eine traurige, kummervolle Zeit. Den 16. October bereiteten die Truppen der Allirten hier mehre Evolutionen an und von hier aus machten die russischen Garden den siegreichen Angriff auf das von den Franzosen besetzte Auenhayn. Die Reserve-Cavalerie unter Fürst Constantin soll zum Theil auf den Pfarrfeldern von Magdeborn aufgestellt gewesen sein.

Der damalige Pfarrer Opitz musste fast unbekleidet aus seiner Wohnung fliehen, verlor nicht nur seine Vorräthe an Getreide und seinen bedeutenden Viehstand, sondern auch seine Bibliothek, die, sowie das Kirchenarchiv ganz zerstreut im Hofe umherlag, wo Menschen und Pferde sich drängten und wo Gesunde, Verwundete, Sterbende, Gefangene ein schauerliches Gewühl bildeten.

In Kötzschwitz befand sich während der Schlacht ein Lazareth der Alliirten.

Kötzschwitz und Magdeborn mit Tanzberg gehören jetzt zum Gerichtsamte Rötha, zum Bezirksgericht Borna, zur Amtshauptmannschaft des letztern Ortes und zum Regierungsbezirk Leipzig.

Kötzschwitz hat 2 bewohnte Gebäude mit 3 Familienhaushaltungen und 35 Bewohnern, sowie Magdeborn ebenfalls nur 2 Wohngebäude mit 2 Familien und 18 Bewohnern zählt, wogegen Tanzberg mit 19 Häupter mit 25 Familienhaushaltungen und 101 Bewohnern bei seiner letzten Volkszählung sich aufgezeichnet findet.

M. G.     




Trachenau


⅜ Stunden oberhalb Rötha am linken Ufer der hier sehr gewunden fliessenden Pleisse, 2 Stunden nordwestlich von Borna, 4 Stunden von Leipzig, in einer breiten, angenehmen, die fruchtbarsten Felder und Wiesen und gefällige Holzungen enthaltende Aue, gegen 400 pariser Fuss über dem Meere gelegen, ist schon seit längerer Zeit mit dem Rittergute Rötha combinirt.

Das Gut in Trachenau ist nicht unansehnlich und zeichnet sich nicht nur durch seine geräumigen Wirthschaftgebäude, sondern hauptsächlich durch das auf eine Anhöhe erbaute, äusserst vortheilhaft und bequem eingerichtete von schönen Anlagen umgebene Herrenhaus aus, welches mit ersteren zugleich von einem Wall bedeckt ist.

Ein Schloss war hier schon sehr frühzeitig erbaut und verdankt seine Entstehung einem Otto von Trachenau im Jahre 1168. Doch ist mit der Erbauung des Schlosses zu Trachenau auch noch eine Sage verknüpft, die deshalb hier einen Platz finden mag:

Dieser Sage zufolge sollen im 12. Jahrhundert in hiesiger Gegend zwischen 2 Brüdern Zwistigkeiten obgewaltet und sehr häufig Befehdungen und Verwüstungen der Ländereien stattgefunden haben.

Einst fand man den einen dieser Brüder auf offenem Felde erschlagen und Niemand war im Stande den Thäter zu ermitteln. Man forschte und forschte, aber alle Nachforschungen liessen zu keinem [182] sicheren Resultate gelangen. Nur das Eine raunte man sich von Ohr zu Ohr: der eigne Bruder ist doch der Mörder!

Dieses Gerücht mochte auch zu den Ohren der heiligen Vehme gelangt sein: denn bald darauf wurde der Bruder geladen, sich des Nachts zur bestimmten Stunde einzufinden, um seinen Richtern Rede und Antwort zu stehen. Der Geladene erklärte, dass er Gelegenheit haben werde seine Unschuld zu beweisen und man entliess ihn. Kurz darauf brach eine Fehde mit den Merseburger Bischöffen aus, an welcher sich der Angeklagte zu betheiligen erklärte und hier wüthete derselbe so gegen seine Feinde, dass einer nach dem andern der Ritter unter seinen Streichen fiel und der Angeklagte, Ritter Adalbert behauptete mit den Seinigen das Schlachtfeld. Er ging dann bei einem auf dem Kampfplatze liegenden Reitersmann vorüber, als er die Worte hörte: „Das ist die Drachenau, Adalbert, ich habe deinen Bruder ermordet!“

Kurze Zeit darauf soll das Schloss in hiesiger Gegend erbaut und der Erbauer, Ritter Adalbert, nach dem Orte sich genannt haben. Der Ort selbst wurde ursprünglich Drachenau geschrieben, und erst, als sich dessen Besitzer die Herren von Trachenau nannten, in Trachenau umgewandelt.

Die Ritter von Trachenau existirten hier noch im 15. Jahrhundert: Denn ein Dietrich von Trachenau schenkte 1465 150 Schock zu Seelenmessen dem Kloster zu Frankenhausen.

Im 16. Jahrhundert wurde mit Trachenau die Familie von Ponikau beliehen, von welcher es an das Geschlecht derer von Schönfeld kam. Hernach besass es bis 1702 der Generallieutenant und Gouverneur über die Pleissenburg, Hans Rudolph von Minckwitz. Von diesem Geschlechte erkaufte das Gut der Königl. Sächs. Oberkammerherr, Freiherr von Friesen auf Rötha, welcher es im Jahre 1824 seinem ältesten Sohne, dem Königl. Sächs. Kammerherrn Freiherrn von Friesen überliess und noch im Besitze dieses Gutes sammt Rötha ist.

Trachenau mit Treppendorf trug ¾ Ritterpferd. Dieses war 1612 unter den beiden begriffen, welche die Weidenaua zum Defensioner Werke stellten. Das erwähnte Treppendorf stand also mit unter der Gerichtsbarkeit von Trachenau, und war 1598 ebenfalls auch nach Trachenau eingepfarrt, obschon es vorher, wie jetzt wieder eigentlich nach Zöpen in die Kirche gehörte. Allein im Jahre 1598 wüthete in Zöpen furchtbar die Pest, wovon Treppendorf verschont blieb und deshalb erfolgte diese Einkirchung nach Trachenau. Um so gnädiger eine allwaltende Vorsehung in jener Pestzeit über Treppendorf ihre Hand hielt, um so härter wurde dieser Ort im Jahre 1771 heimgesucht, wo die grosse Ueberschwemmung, welche Zöpen und Kahnsdorf traf, in Treppendorf die schrecklichsten Verwüstungen anrichtete. Fast sämmtliche Gebäude wurden beschädigt, ein grosser Theil eingeweicht und niedergerissen, ja von einem dem Flusse zunächst liegenden Gebäude blieb nicht ein Mal der Grund stehen.

Treppendorf liegt zwischen Zöpen und Trachenau und Kreudnitz gegenüber, welches ebenfalls zu Rötha gehört.

Trachenau ist mit dem Hauptgute Rötha durch eine herrliche Allee verbunden und hat in den Kriegsjahren mit Rötha immer gleiche Noth und gleiche Drangsale ertragen müssen.

Die Gerichtsherrschaft von Rötha und Trachenau hat aber stets das Ihrige dazu beigetragen, die Nachwehen der früheren Kriegsjahre auf jegliche Weise vergessen zu machen, und fremde Noth, fremdes Leid zu mildern und zu heben. Ihr, dieser hochachtbaren Gerichtsherrschaft haben die gesammten früheren Gerichtuntergebenen viele Wohlthaten zu verdanken, weshalb auch das Andenken an die früheren Einrichtungen hier nicht so bald erlöschen werden.

Der jedesmalige Besitzer von Trachenau ist Patron der Kirche daselbst.

Dieselbe ist ein schönes Gebäude ohne Thurm. Früher hatte solche einen sehr geschmackvollen Thurm, der durch einen Blitzstrahl vernichtet wurde.

Hinzugepfarrt ist nur Gaulis.

Die Kirche selbst steht unter der Diöces Borna.

Ausser Kirche und Schloss finden sich noch als nennenswerthe Gebäude hier: die Schule, die Mühle nebst Oelmühle.

Trachenau zählt jetzt 52 bewohnte Gebäude mit 71 Familienhaushaltungen und 314 Einwohnern und gehört zum Gerichtsamt Rötha, zum Bezirksgericht Borna, zur Amtshauptmannschaft des letzteren Ortes, zum Regierungsbezirk Leipzig.

M. G.     



[183]
Gross-Zössen


bis zum 17. Jahrhundert Zessen genannt, liegt 1 kleine Stunde nordwestlich von Borna. Unweit des Dorfes, nach Abend zu fliesst die Pleisse, – welche die hierher gehörige Mühle mit Wasser versorgt, – und fast in gleicher Entfernung nach Morgen zu die Wyhra.

Das Rittergut hat, wie dies in der Abbildung zu erkennen ist, nicht unansehnliche Gebäude und ist nicht unbedeutend. Auf den Feldern wird besonders guter Roggen erbaut und nach Lobstädt zu auch Torf gegraben, dessen Lager sehr reich und sehr ausgezeichnet sind, wogegen freilich dessen Benutzung durch die mächtigen Wasser sehr erschwert wird.

Die ersten uns bekannten Besitzer von Grosszössen waren die von Koneriz oder die Herren von Könneriz, deren Stammvater Heinrich von Koneriz war und in Lobstädt begraben liegt.

Dieser Heinrich war Hochgräflich-Schleitzischer Hauptmann zu Joachimsthal und damals wegen seiner Tapferkeit und Gelehrsamkeit sehr berühmt. Er verheirathete sich mit Barbara von Breitenbach aus Crostewiz und zeugte mit ihr 6 Söhne, von denen die meisten einen berühmten Namen erwarben.

Unter ihnen zeichnete sich der spätere Besitzer von Gross-Zössen, Erasmus von Könneriz, aus. Schon im Jahre 1538 zog er mit seinem Bruder Volkmar nach Ungarn gegen die Türken, wurde aber zugleich mit diesem in der blutigen Schlacht von Esseck gefangen genommen und bald darauf auf eine türkische Galeere geschmiedet. Volkmar wurde hier unter Misshandlungen und Strapatzen, die er zu erleiden hatte, krank, und ohne Erbarmen, weil er seine Dienste nicht mehr verrichten konnte, im Angesicht seines Bruders niedergehauen und ins Meer geworfen. Erasmus dagegen kam späterhin nach Constantinopel und blieb hier eine lange Zeit als Sclave in drückender Knechtschaft. Jedoch sollte sein Schicksal bald eine günstigere Wendung nehmen. Durch einen türkischen Mönch, mit welchem er sich, vermöge der lateinischen Sprache, die er trefflich redete, verständigen konnte, gelangte er, nachdem er eine bedeutende Summe Geldes, zu der der Graf Hieronymus Schlick allein 300 Rthlr. gab, aufgebracht hatte, zu seiner Freiheit.

Kaiser Karl V., der von seinem traurigen Schicksale hörte, schlug ihn nach seiner Rückkunft zum Ritter und begnadigte ihn mit einer kostbaren goldenen Kette. Späterhin kam er, allgemein wegen seiner Gelehrsamkeit und Beredtsamkeit geachtet, an den chursächsischen Hof und diente hier 3 Churfürsten hinter einander mit unverletzter Treue, dem Churfürsten Johann Friedrich, Moriz und August. Er ward zum Geheimen Rath, Oberhauptmann und Oberhofrichter zu Leipzig ernannt und besuchte die Reichstage 1551, 1553, und 1557, wo er auch die damals abgefassten Reichsabschiede im Namen seines Churfürsten unterschrieb. Mit Emerentia von Gablentz, gebürtig aus Wendisch-Leuba, vermählt, zeugte Erasmus von Könneriz 5 Töchter und 1 Sohn. Er starb 1562 und liegt zu Lobstädt begraben. Sein Leichenstein, der ihn als geharnischten Ritter darstellt, steht in der Vorhalle der Kirche. Das Gut Gross-Zössen kam nach seinem Tode eine kurze Zeit an seinen Verwandten, Wolf von Breitenbach, wohl aber nur während der Minderjährigkeit seiner Tochter Anna von Könneriz. Diese Anna von Koneriz oder Kuneriz oder Könneritz heirathete späterhin den Herrn von Einsiedel auf Syhra und Hopfgarten. In schneller Aufeinanderfolge übernahmen dann Wolf Conrad von Einsiedel, 1590; dann Hans von Einsiedel, 1593, und im Jahre 1643 Anna von Einsiedel, geb. von Dieskau, aus dem Hause Knauthain, das Gut Gross-Zössen. Dann folgte Hans Haubold von Einsiedel, welcher bis 1652 unter Vormundschaft stand. Hans von Einsiedel war nämlich längere Zeit im gestörten Geisteszustande, weshalb diese Curatel stattfand.

Von diesem Hans von Einsiedel ist eine merkwürdige Vorahnung, die ihm in seinem wirren Zustande vorgekommen, der Nachwelt überliefert worden, die nicht ohne Interesse ist, und deshalb hier einen Platz verdient:

Von seiner Familie war Hans von Einsiedel auf das Schloss Hohenstein zur genaueren Beaufsichtigung und bessern Pflege gebracht. Hier liess er am 20. April 1670 den dasigen Amtmann Hanitzsch zu sich rufen, mit dem Bedeuten, dass er ihm etwas Besonderes zu sagen habe. Bei der Ankunft des Amtmann Hanitzsch fragte ihn Hans von [184] Einsiedel, ob nichts Neues passirt sei. Auf die Antwort des Amtmannes, dass er Nichts wisse, wies Herr von Einsiedel auf seinen Tisch, worauf folgende Verse standen:

Curt Löser dauert mich, was aber kann ich machen!
Gott habe seine Seel’ – Doch muss ich drüber lachen.
 Er sass auf meinem Dache
 Und girrte wie ein Drache.
 Er hat mich so bethöret.
 Curt hat nun ausgezehret!

Curt Löser war damals chursächsischer Erbmarschall und ein sehr mächtiger Mann seiner Zeit! Und siehe, wirklich war er, wie es sich späterhin auswies, an dem bezeichneten Tage, ja in derselben Stunde, wo dieses auf Hohenstein vorfiel, gestorben. Noch merkwürdiger aber unstreitig war, dass es sich von dieser Zeit an mit Hans von Einsiedel merklich besserte und er seine Güter Lobschwiz und Gross-Zössen selbst wieder verwalten konnte, woselbst er auch im hohen Alter 1695 unverehelicht starb.

Hans Haubold besass auch zugleich Hopfgarten, welches bis heutigen Tages bei der Gross-Zössener Linie derer von Einsiedel geblieben ist und erst nach Aussterben dieser Linie wieder an die Syraer Linie kommt.

Nach Hans Haubold von Einsiedels Tode folgte Innocenz Gottlieb von Einsiedel. Dann Georg von Einsiedel, Steuerrath und Kreishauptmann, welcher es noch 1731 besass. Dann wurde Erb-, Lehn- und Gerichtsherr von Gross-Zössen der Maltheser-Ritter Gottlob Innocenz August von Einsiedel, welcher noch 1765 damit belieben war. Von Letzterem übte dessen Gattin, Frau Philippine Eleonore von Einsiedel geb. von Petzinger während der Vormundschaft ihrer beiden Söhne Friedrich Heinrich Ernst, Major und Ritter des St. Heinrichs-Ordens und des Herrn Georg Detlev Abraham von Einsiedel, die Verwaltung des Gutes. Nach dem Tode des ersteren, welcher 1818 erfolgte, und nach dem Ableben seines Herrn Bruders, des Majors Ernst von Einsiedel im Jahre 1823, übernahm der gegenwärtige Besitzer, Herr Georg Detlev Abraham von Einsiedel das Gut Gross-Zössen zum alleinigen Besitz.

Bis hierher gehörten zum Rittergute auch die Dörfer Klein-Zössen und Hayn, welches seine besondere Kirche hat, worüber dem Besitzer von Gross-Zössen mit dem Herrn von Rötha alternirend das Collaturrecht zusteht, wogegen von dem Besitzer des Gutes zu Gross-Zössen die Schulstelle zu Hayn allein besetzt wird. Gross-Zössen hat seine eigne Kirche, welche Tochterkirche von Zöpen ist. Hinsichtlich dieser Abtrennung von der Mutterkirche Zöpen waren öfter in früheren Zeiten wegen des Besetzungsrechts verschiedene Streitigkeiten anhängig, welche endlich dahin entschieden worden sind, dass der Besitzer von Zöpen denominirt und vocirt, der von Gross-Zössen jedoch nur ein votum negativum hat und eine besondere Vocation ausstellt.

Nach einer Bulle von 1473 hat die Kirche in Gross-Zössen den Namen die heilige Nicolauskirche geführt und wurde im Jahre 1373 den 16. Mai gebaut. So viel ist gewiss, dass jenes Jahr für die Kirche von Bedeutung war, weil der Pabst bei Gelegenheit des 100jährigen Jubiläi den Einwohnern von Gross-Zössen eine besondere Gunst erweisen und eine grosse Freude zu machen suchte, indem er ihnen einen Ablass auf längere Zeit ertheilte.

Das Innere der Kirche mag sonst sehr düster und unfreundlich gewesen sein; durch neue Reparaturen ist sie freundlich geworden und ganz ihrem heiligen Zwecke entsprechend.

Die Gemeinde zu Klein-Zössen ist zwar nach Eula eingepfarrt, nimmt jedoch Antheil an den gottesdienstlichen Versammlungen zu Gross-Zössen.

Seit dem Erscheinen des neuen Schulgesetzes gehört diese Gemeinde auch zum hiesigen Schulverband.

Gross-Zössen gehört jetzt mit seinen 44 bewohnten Gebäuden und 263 Einwohnern zum Gerichtsamt Borna, und ist den höhern Behörden dieses Ortes natürlich ebenfalls einverleibt.

M. G.     




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Anmerkungen der Vorlage

  1. handschriftliche Korrektur: von
  2. handschriftlicher Eintrag: ?
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