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„Instinct oder Vernunft“

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: R. D.
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Titel: „Instinct oder Vernunft“
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 43, S. 688
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1868
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[832] „Instinct oder Vernunft.“ Unter diesem Titel hat die Gartenlaube schon mehrmals interessante Beiträge zur Kenntnis; der geistigen Fähigkeiten selbst niedrig organisirter Thiere gebracht. Da ich jene Artikel mit wahrem Vergnügen gelesen habe und viele Andere mit mir, so glaube ich annehmen zu dürfen, daß auch die nachstehende Mittheilung manchem Leser der Gartenlaube von Interesse sein wird. Vor zwei Jahren machte ich eine Instructionsreise in den Kohlenrevieren Belgiens und fand dabei auf einer Grube in der Nähe von Lüttich besonders freundliche Aufnahme. Ich blieb daher, nach Besichtigung alles für mich als Ingenieur Sehenswerthen, noch einige Stunden in der Wohnung des Directors in munterem Gespräch mit demselben. Während ich die in Käfigen an der Wand des Arbeitszimmers hängenden Canarienvögel betrachtete, die durch ihr lautes Schmettern oft die Unterhaltung unterbrachen, fiel mir auf, daß in ein zwischen den Gitterstäben steckendes Zuckerstück mehrere runde Löcher eingebohrt waren. Kaum hatte ich nach einer Erklärung dafür gefragt, als ich auch selbst Gelegenheit fand, mich durch den Augenschein zu überzeugen, daß der kleine Insasse des Vogelbauers diese Löcher bohrte und zwar auf folgende Weise. Der Vogel riß von dem Papier, welches zum Schutz der Tapete die Hinterwand des Käfigs bedeckte, ein kleines Stück ab, tauchte dasselbe in sein Trinkwasser und legte es dann auf den Zucker; nachdem er dies mehrmals wiederholt hatte, war der Zucker hinreichend erweicht, um dem Vogel ein Hineinbohren mit dem Schnabel zu gestatten. Dem Canarienvogel, der übrigens schon seit einer ziemlichen Reihe von Jahren bei seinem jetzigen Besitzer war, wurde es auf diese Weise möglich, eine solche Menge von Zucker zu consumiren, daß ihn seine jüngeren Nachbarn wohl darum beneiden konnten.

R. D.