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„Gesammelte Dichtungen“ von Eduard Paulus

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Textdaten
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Titel: „Gesammelte Dichtungen“ von Eduard Paulus
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 25, S. 803
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1892
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[803] „Gesammelte Dichtungen“ von Eduard Paulus. Es ist ein schwäbischer Dichter, der in diesem Buche die Summe dessen bietet, was in beinahe vier Jahrzehnten sich dichterisch in ihm formte, und schwäbische Eigenart spricht aus der Fülle seiner Lieder: eine knorrige und doch wieder wunderbar innige Ausgestaltung des eigenen Erlebens, der ganzen Persönlichkeit, ein vertrautes Leben mit der heimathlichen Natur, ein träumerisches Schauen in Vergangenheit und Zukunft des deutschen Volkes, während zugleich die Gegenwart in scharfe Beleuchtung tritt, ein handfester Humor, nicht zum letzten ein Widerwille gegen alle Schreier, gegen alles, was unecht ist. Bei Paulus hat man das wohlthuende Gefühl, um so wohlthuender, je seltener es einem sonst zu theil wird, daß hier in kraftvoller Natur ursprüngliche Poesie und ursprünglicher Gedanke sich verbunden haben, um ohne Rücksicht auf die Mode zu schaffen, was sie schaffen mußten. Deshalb ist er so fern jeder Schablone, von so ungewollter Besonderheit, und deshalb ist der Versuch so müßig, den Dichter und sein Können, den Menschen und seine „Weltanschauung“ fein säuberlich in irgend ein Schema einzuordnen. Unmittelbar wie diese Lieder geworden sind, müssen wir sie genießen.

Aus der Menge dessen, was aus den Blättern des Buches zum Herzen drängt, sei ein Sonett herausgehoben, das ebenso charakteristisch ist für die Heimathliebe des Dichters wie für die tiefe Art, mit der er im groß geschauten Naturbild sein eigenes Erleben spiegelt.

„Ihr Berge meiner Heimath, sanft und mild,
Ihr schmeichelt euch in meine Seele wieder,
Erweckt in ihr des Wohllauts Traumgefieder,
Daß mir die Thräne übers Auge rinnt.

5
Schon tausendmal durchs blühende Gefild

Sah ich zu Euch vom Waldesrande nieder,
Ich kann mich nicht ersättigen, immer wieder
Hängt mir der Blick an eurem zarten Bild.

Nicht kühngezackt, in weicher Schwingung ziehn

10
Die Linien fort, die langgedehnten, blauen,

Bis sie ins fernste Himmelslicht verthauen.

So ging auch meiner Seele längst dahin
Der Erde Kampf, und dieses Lebens Grenze
Verschwimmt mir sanft in einem ew’gen Lenze.“