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„Die Armuth im zerriss’nen Kleide“

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Textdaten
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Autor: Friedrich Hofmann
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Titel: „Die Armuth im zerriss’nen Kleide“
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 46, S. 765–766
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1871
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Bearbeitungsstand
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[765]

Nur vor der Kirchenthür.
Originalzeichnung von Professor Thon in Weimar.

[766]
„Die Armuth im zerriss’nen Kleide.“
Mit Abbildung.

Ins Kirchlein sind sie eingezogen,
Die Glocke schweigt, die Orgel tönt,
Und wer geweint beim Ehrenbogen,
Wird hier mit seinem Schmerz versöhnt.
Allein nur bleibt mit ihrem Leide
Die Armuth im zerriss’nen Kleide.

Sie schleicht, von Allen ungesehen,
Zur Kirchthür leise hin und lauscht,
Wie drin des Glaubens Geisterwehen
Mit mächt’gen Schwingen hallt und rauscht.
Derweilen weint in bittrem Leide
Die Armuth im zerriss’nen Kleide.

Bist Du von je so arm gewesen?
Nein! Glücklich machte Dich Dein Sohn;
Dir war im Antlitz froh zu lesen
Der Mutterliebe schönster Lohn.
Er fiel! Verlassen steht im Leide
Die Armuth im zerriss’nen Kleide.

Du trägst die Fetzen ohne Schande!
O, unbarmherzig ist der Krieg!
Die Ehre prangt im Vaterlande –
Doch wie viel Noth bezahlt den Sieg!
Vor wie viel Kirchen weint im Leide
Die Armuth im zerriss’nen Kleide!

Ihr preist den Sieg, Ihr preist den Frieden –
Gefeiert ist der Krieg genug; –
Jetzt sorgt, daß Balsam sei beschieden
Für all die Wunden, die er schlug!
Und Schmach sei’s, wo noch weint im Leide
Die Armuth im zerriss’nen Kleide!

Friedrich Hofmann.