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Untersuchungen zur Geschichte Wallenstein’s (1625–1629)

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Autor: Moriz Ritter
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Titel: Untersuchungen zur Geschichte Wallenstein’s (1625–1629)
Untertitel:
aus: Deutsche Zeitschrift für Geschichtswissenschaft Bd. 4 (1890), 14–53.
Herausgeber: Ludwig Quidde
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Erscheinungsdatum: 1890
Verlag: Akademische Verlagsbuchhandlung J.C.B. Mohr
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Erscheinungsort: Freiburg i. Br
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Quelle: Scans auf Commons
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[14]
Untersuchungen zur Geschichte Wallenstein’s (1625–1629).
Von
Moriz Ritter.


Die folgenden Untersuchungen sind durch das Werk A. Gindely’s über „Waldstein während seines ersten Generalats“ hervorgerufen. Wie alles, was Gindely aus der unerschöpflichen Fülle seiner archivalischen Forschungen mittheilt, so enthält auch dieses Werk die werthvollsten Documente, die vielfach über den nächsten Gegenstand der Arbeit hinausgehen. Aber wie es in der Natur der Sache liegt, so regen diese Aufschlüsse neben den Fragen, die sie beantworten, wieder eine Reihe noch ungelöster Räthsel an. Einige von diesen Räthseln suche ich in der folgenden Abhandlung zu lösen. Sie beziehen sich auf zerstreute Punkte in Wallenstein’s Geschichte, welche indess insofern untereinander zusammenhängen, als im Mittelpunkt aller das Verhältniss Wallenstein’s und seines kaiserlichen Herrn zur Liga und ihrem Haupt, dem Kurfürsten von Baiern, steht. – Bekanntlich hat die Feindschaft der Liga und ihres Hauptes bei dem ersten wie bei dem zweiten Sturz Wallenstein’s mächtig mitgewirkt. Ist aber eine vielfach verbreitete Ansicht richtig, so brauchte diese Feindschaft sich nicht erst zu entwickeln: sie war vorhanden, von dem Augenblicke da ein selbständiges kaiserliches Heer unter einem eigenen kaiserlichen Feldherrn zur Kriegführung im Reich aufgestellt wurde. Die Prüfung dieser Behauptung wird der erste Gegenstand meiner Untersuchung sein.

[15]
I. Wallenstein’s Ernennung.

Drei Gründe werden für die Behauptung, dass Wallenstein als General einer selbständigen kaiserlichen Armee im Gegensatz gegen die Absichten Baierns und der Liga ernannt sei, aufgeführt: Baiern soll sich vor der Ernennung wohl für die Verstärkung der kaiserlichen Streitkräfte und Beisteuern, nicht aber für die Errichtung einer kaiserlichen Armee ausgesprochen haben[1]. Die Ernennung Wallenstein’s selber soll unter auffallender Geheimhaltung erfolgt sein[2]. In einem Glückwunsch endlich, den Kurfürst Maximilian an den eben erhobenen Feldherrn richtet, soll er nach Wallenstein’s Zeugniss seinen Unwillen verrathen haben[3]. Beginnen wir mit der Prüfung des ersten Satzes.

Im Jahr 1624 stand die einzige Feldarmee, welche in Deutschland im Dienst der katholischen Partei vereint war, im Ober- und Niederrheinischen Kreis und an den Grenzen des Niedersächsischen Kreises. Der Hauptmasse nach bestand sie aus ligistischen, zum kleineren Theil aus kaiserlichen Truppen; ihr General Tilly trat im Auftrag der Liga für den Schutz der Verbündeten, im Auftrag des Kaisers für die Vertheidigung der kaiserlichen Autorität und des Reichsrechtes ein. Ausserdem hatte der Kaiser eine Anzahl Regimenter in seinen Erblanden: sie waren zerstreut über Mähren und Böhmen, Oesterreich und den Oberelsass. Ein Theil derselben marschirte im Winter 1624 bis 1625 nach den Spanischen Niederlanden zur Verstärkung der Spanischen Streitkräfte. Im Hinblick nun auf die von Schweden und Dänemark, von England, Holland und dem Niedersächsischen Kreis, von Frankreich, Savoyen und Venedig drohenden neuen Feindseligkeiten drang Kurfürst Maximilian seit Frühjahr 1624 mit wachsendem Eifer auf Verstärkung der Leistungen des Kaisers für den Krieg im Reich, sei es mit Truppen, sei es mit Geld[4]. Seit März 1625 wies er dann neben den im Norden, [16] Westen und Süden drohenden Angriffen auf die Gefahr eines neuen Losbruches der Türken und Betlen-Gabor’s hin: auch dagegen sollte der Kaiser seine Streitkräfte verstärken[5].

Von der Aufstellung einer besonderen Armee ist in diesen Mahnungen allerdings ausdrücklich nicht die Rede. Aber bestimmter drückte sich der Kurfürst aus, als ihm zu Anfang des Jahres 1625 im Namen des Kaisers und mit Empfehlung des Spanischen Gesandten der Plan eines engeren Oesterreich-Spanisch-Baierischen Bündnisses vorgelegt wurde. Da erklärte er in seiner Antwort vom 9. Februar: der Kaiser sowohl wie Spanien möchten gegen die Feinde des Reichs „sobald wie möglich ordentliche Heere aufstellen, und zwar der Kaiser das seinige dort, wo es, sei es zur Vertheidigung, sei es zur Diversion, am besten zu brauchen ist“[6]. Im Hinblick auf diese Aeusserung wird man nicht mehr sagen dürfen, dass der Baierische Kurfürst der Aufstellung eines kaiserlichen Heeres grundsätzlich abgeneigt war.

Der Gedanke der Aufstellung eines kaiserlichen Heeres gewann bald nach jener Erklärung Maxmilian’s vom 9. Februar 1625 festere Gestalt. Da aber soll jene zweite bedeutsame Erscheinung hervorgetreten sein: der Kaiser, indem er Wallenstein zum Führer und zum Schöpfer der zu errichtenden Armee ernannte, soll seinen beiden Verbündeten, Baiern und Spanien, diesen Entschluss länger verhehlt haben, als bei wirklichem Vertrauen statthaft war. Ob dies richtig ist, wird eine genauere Betrachtung der Thatsachen lehren.

Eine erste Nachricht, dass man sich am kaiserlichen Hof mit neuen Zurüstungen zum Krieg beschäftigte, finde ich in einer Zeitung aus Wien vom 29. Januar 1625[7]. Aber da handelt es sich nicht um ein kriegerisches Auftreten im Reich, sondern um Schutz der Erblande gegen Angriffe Betlen’s und der Türken. Erst drei Monate später, zum 7. April 1625, finden wir dann [17] plötzlich einen Erlass des Kaisers an Wallenstein[8], in welchem ihm mitgetheilt wird, er, der Kaiser, habe ihn zum „Capo“ über all’ seine Truppen, die zur Zeit im Reich und in den Niederlanden vorhanden seien oder noch dahin abgeordnet werden möchten, „benennt und fürgenommen“. Dies Schreiben wird in den bisher bekannt gewordenen Bairischen und Spanischen Gesandtschaftsberichten nicht erwähnt, es scheint also geheim gehalten zu sein. War aber an einer solchen Geheimhaltung etwas Auffallendes? Man beachte doch zweierlei: erstens, die wirklichen Rechte eines Feldherrn werden durch ein Patent des Kriegsherrn übertragen; ein Patent, d. h. ein für das Heer und alle Welt kundbarer Erlass war aber das Actenstück vom 7. April keineswegs[9]. Als ein lediglich an Wallenstein gerichtetes Schreiben besagte es weiter nichts, als dass er zum Feldherrn ausersehen sei; ausdrücklich werden auch die Weisungen, wohin er sich verfügen solle, noch vorbehalten: einstweilen soll er sich nur „in guter Bereitschaft halten“. Zweitens von der Aufstellung einer feldtüchtigen Armee ist vollends nicht die Rede. Die Möglichkeit, dass ein dahingehender Entschluss gefasst werde, kann man wohl aus dem Hinweis auf die Truppen, die noch ins Reich verordnet werden möchten, herauslesen, jedoch nur als eine in die Zukunft gehende Möglichkeit. Wenn aber so alles für die Zukunft vorbehalten wurde, so konnte in der Geheimhaltung nichts Auffallendes liegen, wenigstens für diejenigen nicht, welche die Selbständigkeit der kaiserlichen Regierung anerkannten.

Infolge des Erlasses vom 7. April traf Wallenstein kurz vor dem 12. d. Mts. in Wien ein und verhandelte während eines mehrtägigen Aufenthaltes[10] über die seinem Oberbefehl zu unterstellenden Streitkräfte. Da soll sich nun abermals die misstrauische Geheimhaltung der kaiserlichen Regierung zeigen, es sollen der päpstliche, der Venetianische, der Bairische Gesandte in der falschen Vorstellung gehalten sein, dass Wallenstein abwechselnd [18] dem Kaiser und Spanien seine Dienste angeboten habe[11]. Dass eine solche Vorstellung falsch sein muss, ist richtig, denn Wallenstein war seit dem Erlass vom 7. April für den Dienst des Kaisers fest in Anspruch genommen. Dass der päpstliche und Venetianische Gesandte in dem bezeichneten Irrthum befangen waren, ist ebenfalls richtig[12]. Aber hat man ein Recht, dasselbe von denjenigen zu behaupten, auf die es allein ankommt, vom Spanischen und Bairischen Gesandten? Dem letzteren theilt gegen die Mitte des Monats April der erstere mit: an Mitteln zu einem stärkeren kriegerischen Auftreten fehle es dem Kaiser nicht, wie denn neuerdings Wallenstein ein Mittel vorgeschlagen habe, wie er innerhalb zweier Monate ein Heer von 20 000 Mann aufstellen und dasselbe, sei es zur Verfechtung der kaiserlichen oder der Spanischen Sache[13], ins Reich oder in die Niederlande, nach Ungarn oder Italien führen wolle. Es sei darüber „in eventum“ mit Wallenstein etwas gehandelt. Man müsse aber, so leitet der Spanier diese ganzen Eröffnungen ein, „mit emsiger Sollicitation beim Kaiser nicht ausstehen“. Hier ist von einem Heer die Rede, welches allerdings auch zur Unterstützung Spaniens verwandt werden kann, dessen Aufstellung aber dem Kaiser vorgeschlagen und vom Kaiser erwartet wird. Als Resolution des Kaisers berichtet denn auch einige Tage später derselbe Spanische dem Bairischen Gesandten den jetzt endlich gefassten Beschluss, neue Truppen zu werben: über die Stärke der Werbungen werde noch berathen[14].

Der Sinn dieser Eröffnungen ist: mit Wallenstein wurde im Monat April über einen von ihm gemachten Vorschlag, der die Aufstellung eines kaiserlichen Heeres betraf, verhandelt. Gegen Ende des Monats hatte der Kaiser der Anwerbung neuer Truppen im allgemeinen zugestimmt, Näheres aber vorbehalten. – Auf der Hand liegt nun, dass diese Angaben sich bestens an den [19] Inhalt des Erlasses vom 7. April anschliessen; denn in ihm wurde die Frage der Errichtung einer Armee offen gelassen. Vollends schliessen sie sich mit einer Aeusserung Wallenstein’s selber zusammen. Am 28. April nämlich schreibt Wallenstein an Harrach[15], er habe dem Kaiser seine Dienste angeboten, werde das Anerbieten aber zurücknehmen, wenn die Vornahme der Neuwerbungen noch länger aufgeschoben werde.

Also über die Verhandlungen, welche mit Wallenstein im Anschluss an die Verfügung vom 7. April geführt wurden, sind der Spanische und der Bairische Gesandte in der Hauptsache unterrichtet. Dasselbe Vertrauen bewährt der Kaiser gegen seine Verbündeten im Fortgang der Berathungen. Am 26. April sagt er dem Bairischen Gesandten, dass er Wallenstein zu Berathungen über neue und starke Werbungen nach Wien berufen habe[16]; am 1. Mai[17] erscheint demgemäss Wallenstein zum zweitenmal am kaiserlichen Hof, und wie nun feste Beschlüsse gefasst werden, da ist es wieder der Kurfürst von Baiern und die Regentin der Spanischen Niederlande, denen der Kaiser dieselben sofort, am 12. Mai 1625, berichtet[18]: die in den Erblanden liegenden sechs kaiserlichen Regimenter und 24 Reitercompagnien sollen ergänzt, dazu 15 000 Mann zu Fuss und 6000 zu Pferd durch Wallenstein neu angeworben werden[19].

Im Gefolg dieser Beschlüsse wurde allmählich, aber immer noch langsam, die Stellung Wallenstein’s fester bestimmt. Sofort erhielt er Patente, die ihn zur Werbung der bezeichneten Anzahl Truppen bevollmächtigten[20]. Dass er die von ihm geworbenen [20] Truppen auch commandiren solle, wusste jetzt Jedermann. Aber noch am 10. Juni schreibt er mit aufsteigender Ungeduld: es handle sich darum, dass ihm der Kaiser „Titel über die Armada“ gebe, d. h. ihn als Feldherrn der Armee legitimire[21]. Dies geschah endlich durch ein am 25. Juli erlassenes Patent, aber auch jetzt noch mit einer Einschränkung: im Einklang nämlich mit dem Erlass vom 7. April wurde das Commando Wallenstein’s auf den „in das Reich geschickten Succurs“ begrenzt, es wurden also die in den Erblanden liegenden Truppen nicht einbegriffen. Da man sich unausgesetzt eines Angriffs auf die Erblande zu versehen hatte, sei es von Seiten Betlen’s, sei es vom Reich her, und da in einem solchen Fall die Vereinigung der Hauptmacht in den angegriffenen Landen nöthig werden konnte, so war jene Begrenzung nicht unbedingt festzuhalten. Thatsächlich wurde ihre Bedeutung von vornherein dadurch vermindert, dass der grössere Theil der erbländischen Truppen sofort zu der fürs Reich bestimmten Armee abgeführt wurde[22]. Immerhin war die Ausdehnung des Wallenstein’schen Oberbefehls auf die Erblande so wenig selbstverständlich, dass er im August, im Hinblick auf [21] einen drohenden Angriff Betlen’s, fragte, „wer in Ungarn commandiren“ werde[23].

Bei diesen letzten Acten der Erhebung Wallenstein’s war natürlich von irgend welcher Geheimhaltung noch weniger die Rede wie bei den ersten. Aber gerade jetzt soll der Kurfürst von Baiern in einem Gratulationsschreiben an Wallenstein, welches zwar nicht vorliegt, von letzterem aber in einem Schreiben vom 8. Juli 1625[24] angeblich charakterisirt wird, seine Unzufriedenheit über die neue Schöpfung deutlich haben erkennen lassen. „Ich vermerke, dass ihm nicht wohl beim Handel ist,“ soll Wallenstein nach Empfang des kurfürstlichen Glückwunsches gesagt haben. – In Wahrheit handelte Maximilian’s Schreiben, soweit Wallenstein den Inhalt desselben wiedergibt, von dem nothwendigen Zusammenwirken des in der Bildung begriffenen kaiserlichen und des ligistischen Heeres. „Er sollicitirt den Marsch[25] der Reiter des Marradas und der Infanterie des Herzogs Julius von Sachsen; begehrt auch, dass ich ihn allzeit avisire wegen meines neu geworbenen Volks… Der Tilly befind sich im Stift Paderborn.“ Das ist der Hauptinhalt, und als Einleitung dazu bemerkt Wallenstein: „Ich vermerk draus (aus dem Schreiben des Kurfürsten), dass ihm nicht wol beim Handel ist“. Wenn man zur Herstellung des vollen Zusammenhangs sich hier noch an die bekannte Thatsache erinnert, dass Maximilian die unter Tilly vereinigten Streitkräfte gegenüber den damaligen Zurüstungen der Deutschen und ausserdeutschen Gegner zu gering befand, so kann kein Zweifel über die wahre Natur seines Schreibens bestehen: es enthält keinen Glückwunsch, sondern militärische Vorschläge, und der Handel, bei dem der Kurfürst sich nicht wohl fühlt, ist der neu angehende Kriegshandel zwischen den katholischen und protestantischen Mächten[26].

[22] Das kurze Ergebniss der bisherigen Erörterung ist: es liegt kein Beweis vor, dass die Begründung der Wallenstein’schen Armee in bewusstem Gegensatz zwischen den Bestrebungen des Kaisers und der Liga erfolgt sei. Ich möchte jedoch diesen Abschnitt noch nicht schliessen, ohne, über den nächsten Gegenstand der Untersuchung hinausgehend, noch zwei Punkte anzuregen.

Als festen Ausgangspunkt für die Entstehungsgeschichte der Wallenstein’schen Armee habe ich den Erlass vom 7. April 1625 angenommen. Offenbar hat derselbe eine Vorgeschichte. Dass wir von dieser aber so gut wie nichts wissen, ist eine der empfindlichsten Lücken in der Geschichte von Wallenstein’s Anfängen. In der Hauptsache müssen wir uns hier mit einer „Zeitung“ aus Prag vom 22. März 1625[27] begnügen, nach welcher die kaiserliche Regierung damals drei Commandos hätte schaffen wollen: eins für Oesterreich und Mähren, eins für Böhmen und ein drittes für die Kriegsschauplätze ausserhalb der Erblande; letzteres wäre Wallenstein zugedacht, und zwar mit besonderer Rücksicht auf seinen Zwist mit dem Böhmischen Statthalter Karl von Lichtenstein, der sein Verbleiben in Böhmen unthunlich machte. – Die Nachricht von den drei Commandos ist wenig wahrscheinlich; die auf Wallenstein bezüglichen Angaben dagegen passen genau in den Zusammenhang dessen, was wir sonst über ihn wissen, nur dass unter den Gründen, die seine Erhebung bestimmten, gewiss noch ganz andere wirkten als sein Zwist mit Lichtenstein.

Eine zweite Frage bezieht sich auf die Anerbietungen, mittelst deren Wallenstein dem Kaiser seinen Heeresplan annehmlich machte. Nach einer auf Khevenhüller[28] zurückgehenden Ueberlieferung soll er den Kaiser aller baaren Ausgaben für die zu schaffende Armee überhoben haben; nach den aus den Acten selber hervorgehenden Aufschlüssen stellt sich die Sache ganz anders. Im März des Jahres 1626, nachdem die Musterung der Armee schon seit sechs Monaten vollendet war, drang Wallenstein [23] am kaiserlichen Hof auf die Zahlung wenigstens eines Monatssoldes[29]. Er selber, fügt er bei, habe „mehr als zu viel gethan“, indem er die Armee „auf den Fuss gebracht, Posto genommen“ und sich dabei mit Schulden von mehreren 100 000 Gulden beladen habe. Hierzu notirt dann wieder sein Schwiegervater Harrach: er (Wallenstein) „hab mehrers nit versprochen, als die Armee auf den Fuss zu bringen und Posto zu nehmen.“ Er beklage sich, „dass man bei Hof vermeint, dass er den volligen Krieg auf sein Spesa führen soll“. Also auf eigenen Credit – der übrigens zum Theil wieder auf denjenigen der Obersten abgewälzt wurde[30] – hatte Wallenstein die Kosten der Aufstellung der neuen Truppentheile übernommen, d. h. vornehmlich das Lauf- und Anrittgeld[31], welches für die Zeit von der Anwerbung bis zur Musterung zu zahlen war; die weitere Besoldung der Truppen fiel dagegen dem Kaiser zu. Allerdings fasste man am kaiserlichen Hof von vornherein noch andere Mittel zur Unterhaltung des neuen Heeres ins Auge, als diejenigen, welche die elenden kaiserlichen Finanzen darboten. In der Instruction für Wallenstein (27. Juni 1625) ward dem General die Vollmacht ertheilt, in den „eroberten“ Gebieten „leidliche Contributionen“ zur Erhaltung der Armee aufzulegen[32]. Und weit über diese Bestimmung ging es schon hinaus, wenn Harrach während der Verhandlungen über Wallenstein’s Anstellung, an denen er als kaiserlicher Geheimrath einen wesentlichen Antheil hatte, sich notirte: „Geld muss alsbald von den Reichsstädten genommen werden.“ Und wieder: „wenn der Kaiser stark rüstet, so wird er Conditiones machen, sein Volk alles im Reich zu contentiren, [24] zwingen können und dadurch den Frieden befördern[33].“ Indess, dies hinderte nicht, dass Wallenstein und die Armee den Kaiser als den eigentlich zu ihrer Unterhaltung Verpflichteten in Anspruch zu nehmen hatten.


II. Die Conferenz zu Bruck.
(November 1626.)

Es ist nicht nachweisbar, dass schon die Erhebung Wallenstein’s im bewussten Gegensatz des Kaisers gegen Baiern und die Liga erfolgte; aber richtig ist allerdings, dass Wallenstein kaum ins Feld gerückt war, als sein Zwiespalt mit dem General und mit dem Haupt der Liga begann, um sich dann unablässig zu steigern. Mit Tilly stritt er über den Feldzugsplan und die Quartiere; mit dem Bairischen Kurfürsten gerieth er aneinander in Folge des Raubsystems seiner Truppen. Mit wachsender Bitterkeit drang Maximilian am kaiserlichen Hof auf bessere Bezahlung der Armee und auf Einstellung der Werbungen, durch welche dieselbe unausgesetzt vermehrt wurde; vielleicht sprach auch der Bairische Gesandte am kaiserlichen Hof, Dr. Leuker, schon nicht so sehr seine eigene Meinung, als die seines Herrn aus, wenn er in einem Bericht an den letzteren vom 30. December 1626 den Zweifel äusserte, ob nicht der Kaiser besser gethan hätte, seine Sache durch das Ligaheer verfechten zu lassen, statt eine eigene Armee ins Feld zu stellen[34]. Was nun solchen Angriffen Baierns gegen Wallenstein einen wirksamen Nachdruck verlieh, das war die im Lauf des Jahres 1626 wenig erfolgreiche Kriegführung Wallenstein’s. Sie rief beim Kaiser und der kaiserlichen Regierung den Zweifel an Wallenstein’s Befähigung hervor, während dieser wieder[WS 1] in Folge des Misstrauens seines Kriegsherrn in eine äusserst gereizte Stimmung gerieth. Es kam gegen Ende des Jahres dahin, dass der Bairische Gesandte auf den Rücktritt Wallenstein’s hoffen durfte. Da aber erfolgte eine überraschende Wendung. Infolge einer am 25. und 26. November zu Bruck an der Leitha zwischen Wallenstein und dem [25] Fürsten Ulrich von Eggenberg, dem leitenden Minister des Kaisers, gehaltenen Unterredung wurde das Vertrauen zwischen General und Kriegsherrn wieder hergestellt, und die Stellung des ersteren dauernd befestigt. – An den Verlauf dieser Unterredung knüpft sich unsere zweite Untersuchung an. Es wird sich zeigen, dass die Conferenz nicht nur in den Beziehungen Wallenstein’s zum Kaiser, sondern auch in seinem Verhältniss zur Liga ein wichtiges Moment bildet.

Bald nach den Brucker Besprechungen erhielt Kurfürst Maximilian einen Italienisch geschriebenen Bericht über Anlass und Verlauf derselben. Was in diesem Bericht über die Grundsätze der Wallenstein’schen Kriegführung mitgetheilt wird, hat nicht nur damals auf Baiern und die Liga tiefen Eindruck gemacht[35], es ist auch in unserer Zeit dem grossen Biographen Wallenstein’s so wichtig erschienen, dass er einen Auszug des Berichtes in seine Darstellung verwebt, als Schlüssel zum Verständniss der Mittel und Absichten des Feldherrn. Auch unsere Untersuchung muss von diesem Actenstück ausgehen.

Nach dem Berichterstatter wurde die Besprechung durch die Absicht Wallenstein’s, sein Commando niederzulegen, veranlasst, und diese Absicht wurde wieder hervorgerufen theils durch die Unzufriedenheit des Kaisers mit Wallenstein’s Kriegführung, theils durch die verweigerte Zustimmung zu dem von letzterem vorgelegten Plan über die Vertheilung der Truppen in die Winterquartiere. Das Ergebniss einer vorläufigen Besprechung, die desshalb zwischen Wallenstein und Harrach, einer entscheidenden, die zwischen Wallenstein und Eggenberg gehalten wurde, war, dass der kaiserliche Minister die Art der Kriegführung Wallenstein’s genehmigte, dieser dagegen die Fortführung des Commandos bewilligte. Die Zustimmung zu seiner Kriegführung erwirkte Wallenstein durch folgende Auseinandersetzung: der Kaiser ist zu arm, um ein Heer zu bezahlen, seine Erblande sind zu erschöpft, um die Einquartierung eines Heeres zu ertragen, und die Zahl seiner Feinde ist so gross, dass sie fast alle Europäischen Fürsten in sich begreift, während die ihm nicht feindlichen [26] Mächte selber mit Krieg beschäftigt sind. Unter solchen Umständen muss der Kaiser seine Armee in die Lande der Reichsstände einlagern; denn dort kann er, während er selber nichts bezahlt, Jahre lang Quartiere und Unterhalt erzwingen. Die Armee muss so gross sein, dass sie die Erblande deckt und alle Gegner des Kaisers in Schrecken hält, zugleich aber sich so streng in der Defensive halten, dass sie nur im Nothfall sich der Gefahr einer Schlacht oder Belagerung aussetzt. Neue Feindschaft und Eifersucht darf der Kaiser im Reich nicht gegen sich hervorrufen; desshalb muss er auf Eroberungen daselbst verzichten, und desshalb ist sein Heer fast ganz („quasi tutti“) aus Lutherischen Ketzern zusammengesetzt. Der nächste Zweck, den er im Reich verfolgt, muss sich überhaupt darauf beschränken, die Stände desselben durch den Druck seines Heeres zur Vereinbarung des Friedens und zur Bezahlung der kaiserlichen Streitkräfte zu nöthigen: wenn dann aber das Reich wieder geeint, und die Erblande inzwischen gekräftigt sind, so kann der Kaiser seine Macht in einem zweiten Acte des Krieges auf die ausserdeutschen Feinde werfen.

Die Stärke der Armee, mit der Wallenstein im nächsten Jahr aufziehen sollte, wurde, wie der Berichterstatter noch beifügt, auf 70 000 Mann gesetzt. Ausserdem hob der Feldherr die Unmöglichkeit hervor, ganz Ungarn in das System der Vertheidigung der Erblande einzuziehen, weil alsdann ein Theil der Armee aus dem Reich in das Innere dieses Landes gezogen werden müsse, um gegen Siebenbürgen und die Türken Front zu machen. Er wies indess andere, geheim gebliebene Mittel zur defensiven und offensiven Kriegführung gegen die Türken und den Fürsten Betlen nach.

Zur Prüfung des Berichtes beginnen wir mit den von ihm angegebenen Ursachen der Conferenz. Zutreffend ist es[36], dass Wallenstein die Absicht des Rücktrittes vom Commando ausgesprochen [27] gesprochen hatte, und zwar einige Tage vor dem 5. November 1626; zutreffend ist es ferner, dass, als er diese Ankündigung machte, seine Stimmung gegen die kaiserliche Regierung eine höchst gereizte war, sowohl wegen ihrer ungünstigen Kritik seiner Kriegführung, als wegen der trotz allen Drängens hartnäckig verschleppten Genehmigung seines seit dem 2. October[37] angezeigten Entschlusses, die Armee von Ungarn nach den Deutsch-Böhmischen Erblanden zu führen und dort in die Winterquartiere zu vertheilen. Aber liegt in diesem Unwillen der einzige oder auch nur der entscheidende Grund seiner Kündigung? Zu beachten ist, dass die Kündigung nichts Neues war. Bereits am 16. Februar 1626 hatte Wallenstein die Absicht, nach Beendigung des Feldzugs, also beim Eintritt des Winters 1626/27 vom Oberbefehl zurückzutreten, seinem Schwiegervater Harrach angezeigt, und am 16. März hatte er seine Anzeige so nachdrücklich wiederholt, dass Harrach auf das Schreiben notirte: „wie ich den Herzog kenne, wird er gewiss über den Sommer nicht zu erhandeln sein“[38]. Allerdings ein förmliches an den Kaiser gerichtetes Entlassungsgesuch war das nicht, aber, da das Schreiben vom 16. März zur Mittheilung an den Kaiser bestimmt war[39], so kam es in der Sache einem solchen gleich. Von seiner Abdankung als einer bevorstehenden Thatsache spricht denn auch Wallenstein noch zweimal nachher, am 5. und 13. Mai[40], und wenn er dann im Juni und Juli davon schweigt, so bricht er doch wieder am 18. August[41] in die Worte aus: „Gott behüte mich, dass ich in solchem Labyrinth weiter continuiren solle“. Verschiedene Ursachen sind es, die bei diesem Entschluss zusammenwirken: so die Umtriebe der Gegner am kaiserlichen Hof, die Zwistigkeiten mit Tilly und die Einwirkungen Baierns auf den Kriegsplan; [28] aber der entscheidende Grund ist die beinahe vollständige Passivität, welche der kaiserliche Hof seinen immer dringenderen Mahnungen um Geld, Munition und Proviant entgegensetzt[42]. Also dass die kaiserliche Regierung ihm zumuthet, was ihn eine verfälschte Ueberlieferung derselben entgegenbringen lässt, nämlich Unterhaltung des Heeres ohne Aufwendungen des Kaisers, das macht ihm sein Commando unerträglich.

Wenn wir nun nirgends eine Zurücknahme des vom Februar bis August immer wieder angekündigten Entschlusses finden, dagegen Ende October oder Anfang November abermals die Anzeige Wallenstein’s: jetzt wolle er abdanken –, so ist doch der Schluss unabweisbar, dass letztere Anzeige bloss eine Wiederholung und Bestätigung der früheren Erklärungen war, und dass für Wallenstein wohl neue Gründe der Unzufriedenheit hinzugekommen sein mochten, der Hauptgrund aber, der ihn vorher bestimmt hatte, ihn auch jetzt noch bestimmte, weil er eben in der Zwischenzeit nicht gehoben war.

Gleich in seinen ersten Angaben ist also der Bericht über die Brucker Conferenz unvollständig; er gibt aus der Geschichte der Kündigung und der Unzufriedenheit Wallenstein’s nur die zuletzt hervorgetretenen Momente an. Und selbst die zuletzt hervorgetretenen Umstände gibt er, wie ein genaueres Zusehen lehrt, nicht vollständig an.

Während des Jahres 1626 hatte Wallenstein unausgesetzt neue Werbungen vorgenommen, nicht nur zur Ergänzung seines Heeres, sondern auch zur Verstärkung desselben weit über den ursprünglichen Satz hinaus. Dass diesen Werbungen die kaiserliche Autorisation gefehlt hat, ist schon desshalb unmöglich, weil die Bestallungen und Werbeaufträge für die Obersten der neu zu bildenden Regimenter vom Kaiser unterzeichnet werden mussten. Aber der Kaiser, wie er von dem Feldherrn zur Vermehrung der Armee gedrängt wurde, so sah er sich von den Häuptern der Liga, von Baiern und Mainz, mit Klagen über die Erpressungen dieser Truppen, mit der Forderung einer Verminderung seines Heeres bestürmt. Und in diesem Zwiespalt neigte er endlich auf die Seite der Gegner Wallenstein’s. Schon [29] am 2. August 1626 klagt derselbe über Zögerung in der Ausfertigung neuer Werbepatente; am 19. October spricht er dringend gegen die Absicht, neu geworbene Truppen abzudanken, und am 25. November kann der Bairische Gesandte mit Genugthuung berichten, dass der Kaiser in zwei an Wallenstein abgegangenen Befehlen den neuen Werbungen Halt geboten habe[43]. Für Wallenstein war die Fortsetzung der Werbungen gleichbedeutend mit dem Fortbestand einer leistungsfähigen kaiserlichen Armee. Es war also jetzt, gerade am Vorabend der Brucker Conferenzen, ein neuer Conflict zwischen ihm und seiner Regierung geschaffen, der seine Lösung ebenso dringend erheischte, wie die Quartier- und die Geldfrage.

Erst jetzt haben wir die Anlässe der Brucker Verhandlung beisammen. Versuchen wir nun, die Ergebnisse derselben, soweit sie sich unabhängig von unserem Bericht ermitteln lassen, festzustellen, um dann zur Beurtheilung des Berichtes zurückzukehren.

Ohne Zweifel ist die Quartier- und Werbungsfrage in Bruck verhandelt und im Sinne Wallenstein’s entschieden. Denn kaum ist die Conferenz beendigt, so sehen wir den Feldherrn mit Massregeln zur Abführung der Armee aus Ungarn beschäftigt; nicht darüber, dass sie überhaupt in Böhmen und Mähren ihre Winterquartiere nimmt, sondern nur noch über die Vertheilung der Quartiere im Einzelnen hat er mit der kaiserlichen Regierung zu verhandeln[44]. Und was die Werbungen angeht, so lesen wir in einem acht Wochen nach der Besprechung von Wallenstein erlassenen Werbepatent[45] die ausdrückliche und öffentliche Erklärung, dass die kaiserlichen Streitkräfte vermehrt werden müssten. „Die Ursachen," so schreibt Wallenstein wieder vier Wochen später, „warum Ihre Majestät mit viel Volk gefasst sein müssen, hab ich zuvor dem Fürsten von Eggenberg gemeldt“[46].

Bei diesen Werbungen tritt aber noch eine eigenthümliche [30] Neuerung hervor. Bis Ende 1626 war es Regel, dass die Bestallungs- und Werbepatente der Regimentsobersten vom Kaiser unterzeichnet wurden[47], im Jahre 1627 wird von dieser Regel zu Gunsten Wallenstein’s Abstand genommen. Schon im Februar des genannten Jahres klagt der Erzbischof von Trier[48]: „wenn doch der Kaiser die Patente nur in seinem Namen ausgehen liesse“! Im Mai sucht dann der Kaiser die Ligisten mit der Zusage zu begütigen, dass die alte Regel wieder befolgt werden solle[49]. Dass aber diese Zusage nicht gehalten ist, ersieht man aus erneuten Klagen und aus den Thatsachen selbst[50]. Wann ist nun diese Neuerung eingetreten? Innerhalb des allerdings sehr unvollständig vorliegenden Materials finde ich als erstes Beispiel das oben erwähnte Patent vom 20. Januar 1627, in dem Wallenstein den Hauptmann Kerstgen zur Aufbringung einer von den fünf Compagnien bevollmächtigt, deren Werbung im ganzen er dem Generalquartiermeister Aldringen aufgetragen habe. Diesem Vorgang gegenüber wird die Vermuthung statthaft sein, dass die Neuerung, welche eine grosse Erweiterung der Macht Wallenstein’s bedeutet, in Bruck angebahnt ist.

Nicht bloss auf die Werbe- und Quartierfrage haben sich indess die Brucker Verhandlungen bezogen. Wenn Wallenstein am fünften Tage nach denselben auf eine kaiserliche Resolution drängt über „meine Puncti, ohne welche ich nicht dienen werde“[51], so muss er Bedingungen für die Fortführung seines Commandos gestellt haben, die nicht sofort erledigt werden konnten. Eine dieser Bedingungen deutet er an, indem er am 6. December nach Verhandlung mit dem an ihn geschickten kaiserlichen Kriegsrath Questenberg schreibt: Colalto solle ihm die Böhmische [31] Contribution nicht erschweren, „denn ohne dieselbige werde ich keinen Fuss fortsetzen“. Also den Betrag der directen Personalsteuer, die in Böhmen für je sechs Monate auf die verschiedenen Classen der Bevölkerung, für jede mit besonderem Ansatz und seit den letzten Jahren in immer steigender Höhe, umgelegt wurde[52], hatte er für seine Armee verlangt, entsprechend seiner alten Hauptforderung, dass der Kaiser Mittel zum Unterhalt der Truppen hergebe. In den nächst folgenden Wochen kehrt denn auch die gebieterische Forderung der Böhmischen Contribution in seinen Briefen unausgesetzt wieder. „Bis dato,“ sagt er, „hab’ ich von dem Meinigen zugesetzt, hinfüro will ich’s nicht thun“[53]. Nachdem dann die Hofkammer ihm einen dreimonatlichen Betrag der Steuer bewilligt hat, erklärt er: nicht auf drei Monate, sondern so lange der Krieg währt, müsse er sie haben; nicht von der Böhmischen Kammer seien die aus derselben zu bestreitenden Zahlungen anzuweisen, sondern von ihm, nachdem der ganze Betrag an seine Armeeverwaltung abgeführt sei; nur die Rechnungen möge die Kammer hinterher prüfen[54]. In der That scheint er denn auch während des Jahres 1627 über diese Geldquelle verfügt zu haben[55].

Wenn Wallenstein das Recht erhielt, auf eine der wichtigsten kaiserlichen Einnahmequellen selbständig Anweisungen zu ertheilen und zur Vermehrung der Armee selbständig Werbepatente auszustellen, so ist in Bruck nicht nur über die Interessen der Armee, sondern auch über die Erweiterung der Befugnisse des Feldherrn verhandelt. Dies Ergebniss wird in der That durch eine andere Beobachtung zur Gewissheit erhoben.

Am 21. April 1628, also anderthalb Jahre nach der Brucker Unterredung, erhielt Wallenstein ein neues Bestallungspatent, in dem seine bisherigen Befugnisse bedeutend erweitert wurden[56]. Sein Oberbefehl, der bis dahin die in den Erblanden liegenden [32] Truppen nicht umfasste, wird über alle in des Kaisers Sold stehenden Streitkräfte ausgedehnt; Regimentsobersten und Capitäne, deren Ernennung bis dahin der kaiserlichen Unterschrift bedurfte, werden fortan von ihm selbständig ernannt, die Generalcommandos werden zwar vom Kaiser, aber auf Wallenstein’s Vorschlag besetzt; endlich erhält er das Recht, aus den zum Unterhalt der Armee bestimmten Geldquellen die Zahlungen selbständig anzuweisen und Lieferungen von Proviant und Munition mit gleicher Machtvollkommenheit, wie sie der Kaiser, wenn er anwesend wäre, ausüben könnte, zu verordnen. – Für die Vorgeschichte dieser exorbitanten Bestallung haben wir einen Brief Wallenstein’s an Colalto vom 22. März 1628[57], und in demselben folgenden besonders wichtigen Satz: „ueber das, was ich zu Bruck mit dem Fürsten von Eggenberg accordirt habe, so ist bei den Spanischen Generalcapitanen (bestimmt), dass sie auch die Generale von der Artolerie bestellen“. Also eine in Bruck getroffene vorläufige Vereinbarung war der Grund der ausserordentlichen Machterweiterung, die Wallenstein im April 1628 zu Theil wurde.

Blicken wir nun zurück, so springt in die Augen, dass in Bruck Verhandlungen über die wichtigsten Interessen der Armee und ihres Feldherrn geführt und zum Theil erledigt, zum Theil auf weitere Entscheidung des Kaisers gewiesen sind. Ueberall erscheint Wallenstein als derjenige, der gebieterisch fordert, der Kaiser als derjenige, der nachgibt. Wie stellt sich nun zu dieser Sachlage unser Bericht? Er weiss nichts von den die Conferenz eigentlich ausfüllenden geschäftlichen Abmachungen. Statt alles anderen trägt er eine politisch-militärische Erörterung vor, mittelst deren Wallenstein seine Kriegführung gerechtfertigt habe. Er ist also unbrauchbar, insofern es sich um die Hauptsache handelt, irre leitend, insofern Wallenstein nicht im Licht des Heischenden, sondern des sich Entschuldigenden erscheint. Allerdings die Thatsache, dass Wallenstein neben seinen Forderungen auch eine Rechtfertigung seiner Kriegführung vorgetragen hat, ist an sich richtig. Nach den tiefen Missverständnissen zwischen ihm und seiner Regierung musste er sich wohl zu derartigen Erklärungen verstehen, und mit welchem Erfolg er sich dazu verstand, das zeigt die am kaiserlichen Hof alsbald geflissentlich [33] verbreitete Stimmung der Zufriedenheit mit dem Feldherrn[58]. Auch hier jedoch erhebt sich die Frage: Kann Wallenstein gerade diejenigen Dinge vorgetragen haben, welche der ungenannte Berichterstatter ihn vortragen lässt?

Nach dem Bericht geht Wallenstein’s Kriegführung einerseits auf die Schaffung einer Armee von erdrückender Ueberzahl, anderseits auf rein defensive Haltung, mit dem Vorbehalt, dass das innere Ungarn in das Vertheidigungssystem nicht eingezogen werden soll. Vergleicht man hiermit die zuverlässigen Aussagen des Feldherrn, so wird man allerdings drei Grundsätze desselben in diese Auffassung einordnen können. Einmal, Wallenstein verlangt eine über das Mass einer normalen Armee hinausgehende Truppenzahl, und zwar desshalb, weil er mit 60 000 Mann seiner unbezahlten Truppen nicht so viel ausrichten könne, wie mit 20 000 wohl bezahlter Soldaten[59]. Zweitens, er glaubt, dass selbst ein kleiner Misserfolg im Feld zum Verderben der kaiserlichen Sache führen könne: denn die Mittellosigkeit des Kaisers werde nur mühsam verdeckt, zahllose Widersacher desselben warten im Reich und in den Erblanden auf die Gelegenheit zum Losbruch, das Spiel, das man für den Kaiser halte, sei ein verzweifeltes[60]. Drittens, er ist überzeugt, dass seine Armee, wenn sie sich zu tief nach Ungarn hinein wage, bei der Armuth des Landes und der Verrätherei der einheimischen Streitkräfte ihren Untergang finden werde[61]. Indess, in der Hauptsache stehen Wallenstein’s sicher bezeugte Absichten in scharfem Widerspruch zu den von dem Bericht ihm unterstellten Anschauungen: seine Kriegspläne, soweit er sie frei entwarf und nicht nach unvorhergesehenen Nothständen einrichten musste, waren offensiver Art. Als er im Herbst 1625 sich in die Stifter Magdeburg und Halberstadt einlagerte, vermeinte er, nach Ablauf des Winters [34] auf der rechten Elbseite gegen Holstein vorzudringen[62]. Und wenn er dann im December 1625 und Januar 1626 den Plan fasste, bei einem etwaigen Vorstoss Mansfeld’s gegen Böhmen oder Schlesien demselben mit seiner halben oder ganzen Armee zu folgen[63], so befestigte er sich seit Februar 1626 in dem Gedanken, dass der Kaiser für den Schutz Böhmens und Schlesiens gegen Mansfeld selber sorgen, die ihm unterstellte Armee dagegen ihre Front gegen die Dänischen Streitkräfte behalten müsse: wenn so die Erblande genügend gedeckt werden, so hofft er, noch vor Ablauf des Jahres den Dänenkönig in Holstein heimzusuchen und den Frieden zu erzwingen[64]. Dass Wallenstein trotzdem in der zweiten Hälfte des Monats Juli sich entschloss, mit dem stärkeren Theil seines Heeres nach Schlesien und zum Schutz der kaiserlichen Erblande aufzubrechen, entsprang nicht aus seinen vorbedachten Plänen, sondern aus einer durch den unerwartet starken Vorstoss Mansfeld’s und die drohende Schilderhebung Betlen Gabor’s ihm auferlegten Nothwendigkeit. Noch war er indess mit den Vorbereitungen dieses Aufbruchs nicht zu Ende, als er bereits einen neuen Plan für den Fall der Besiegung Betlen’s und Mansfeld’s fasste: dem Siebenbürger, so lautete er, muss im eigenen Land ein Prätendent entgegengestellt werden, die kaiserliche Armee aber eilt zurück ins Reich, um von dort aus, in zwei Theile getheilt, einen doppelten Kampf aufzunehmen, den einen an der Seite Tilly’s gegen Dänemark, den zweiten an der Seite Polens gegen den in Preussen eingedrungenen Schwedenkönig[65]. In Wirklichkeit ist es im folgenden Jahr zu einem nachdrücklichen Eingreifen in den Schwedisch-Polnischen Krieg nicht gekommen, aber dass Wallenstein im Jahr 1627 den Krieg gegen Dänemark nicht im Sinne der Defensive geführt hat, ist allbekannt.

In seinen Auseinandersetzungen über Wallenstein’s Kriegführung [35] verbindet also unser Berichterstatter einzelne richtige Momente mit einer Grundauffassung, welche falsch ist. Dasselbe ist der Fall bei seiner Darlegung des finanziellen Systems des Feldherrn, wenn er denselben die Kosten der Armee lediglich den Reichsständen und ihren Unterthanen zuschieben lässt. Allerdings rechnete ja die kaiserliche Regierung wie der General auf die Contributionen des Reichs, allerdings wollte Wallenstein besonders zum Zeitpunkt eines Friedenschlusses die Armee im Reich haben, damit die Bezahlung ihrer Rückstände als Friedensartikel aufgestellt und unter dem Druck der Einlagerung erzwungen werden könne[66]. Aber falsch ist es, wie bereits genügend dargethan ist, dass Wallenstein den Kaiser und seine Erblande von der Pflicht, die Armee zu unterhalten, grundsätzlich und vollständig entbinden wollte. Er hat im Gegentheil auf eine wenigstens partielle Erfüllung dieser Pflicht sehr streng gehalten.

Das Ergebniss der ganzen Untersuchung ist: für die Erkenntniss der Vorgänge, um die es sich handelt, ist unser Bericht durchaus werthlos. Aber als ein Glied in der geschichtlichen Entwicklung selber besitzt er eine tief eingreifende Bedeutung. Er traf in eine Zeit, wo innerhalb der Liga Zorn und Argwohn gegen Wallenstein emporstieg, und seine Angaben waren gerade geeignet, jeden Vorwurf als berechtigt, den schlimmsten Verdacht als zutreffend erscheinen zu lassen. Die Ligisten klagten seit Monaten über Wallenstein’s matte Kriegführung: in dem Bericht konnten sie lesen, dass der Feldherr grundsätzlich nicht angreifen wolle. Die Ligisten drangen mit wachsender Ungeduld auf Abrechnung mit den Protestanten über die seit 70 Jahren vollzogenen Ueberschreitungen des Religionsfriedens: der Bericht erklärte die Zögerung aus dem Uebergewicht der Ketzer in Wallenstein’s Armee, aus seinem Rath, jede Herausforderung der Protestanten zu vermeiden. Die katholischen Verbündeten, im Vollgefühl der bisherigen Abhängigkeit des Kaisers von ihnen, erwarteten Befriedigung ihrer Interessen, unter denen die reichsständische Freiheit herkömmlich in erster Linie stand: aus dem Bericht konnten sie ersehen, wie Wallenstein die Reichsstände, feindliche wie freundliche, zu entkräften [36] und durch ihre Entkräftung die Stärkung der kaiserlichen Macht zu bewirken hoffte. Da war es denn natürlich, dass das Schriftstück, sowie es den Ligisten zukam, eine heftige Erregung hervorrief. Verfolgen wir etwas genauer diese Verbreitung und diese Wirkungen des Berichtes.

Zu Anfang des Jahres 1627[67] finden wir den Kurfürsten von Baiern im Besitz des gefährlichen Actenstückes; er theilt es den geistlichen Kurfürsten mit, beruft dann im Einvernehmen mit ihnen einen Ausschusstag der Liga auf den 22. Februar und legt auch hier das Schriftstück vor: es rühre von einer Person her, „die um des Friedlands Sachen und Intentionen vor anderen Wissenschaft habe, auch bei ihm in grossem Vertrauen stehe“. Unter dem doppelten Eindruck dieser Enthüllungen und der Gewaltthaten der gerade jetzt wieder vermehrten Wallenstein’schen Truppen beschloss die Versammlung eine Gesandtschaft an den Kaiser, deren scharfe Vorstellungen sich gegen die matte Kriegführung Wallenstein’s, die Ueberzahl seiner Truppen und die Bedrückung der gehorsamen Stände richteten: es war der erste von der Gesammtheit der Verbündeten ausgehende Angriff gegen den Feldherrn[68]. Der heftigste Treiber bei diesen Verhandlungen war der Kurfürst von Baiern: er erläuterte die Worte des Berichtes dahin, dass Wallenstein es vielleicht darauf abgesehen habe, alle Lande zu entkräften, um dann „seinem Gefallen nach mit einem und anderem zu disponiren“; er verlangte Beschlüsse, nicht nur darüber, was gegen Wallenstein’s Armee zu sagen, sondern auch darüber, was bei der Erfolglosigkeit der Vorstellungen dagegen zu thun sei.

Man sieht, dem Bericht kommt in der Geschichte des ersten Angriffs der Liga gegen Wallenstein eine nicht geringe Bedeutung zu. Wer, so wird man fragen, ist der Verfasser desselben, und wie ist er in Maximilian’s Hände gelangt?

Der Verfasser des Berichts ist, wie die Sprache ausweist, ein Italiener, und zwar, wie der Ausdruck und Satzbau lehrt, [37] ein literarisch gebildeter Italiener. Vermuthlich stand er in Beziehungen zu Maximilian; denn da dieser den Bericht sehr bald nach der Abfassung und vor jeglichem seiner Bundesgenossen erhält, da er den Verfasser kennt und den Namen doch geheimnissvoll verschweigt, so darf man wohl vermuthen, der Bericht sei vom Verfasser dem Bairischen Kurfürsten im Vertrauen mitgetheilt worden. Man wird also, um den Urheber zu finden, einen literarisch gebildeten Italiener suchen müssen, der zugleich das Vertrauen Wallenstein’s und Maximilian’s genoss. Als solchen finde ich in jener Zeit den Kapuziner Valeriano Magno, den Abkömmling eines Mailänder Grafengeschlechtes, der als Geistlicher und Schriftsteller in den Oesterreichischen Landen, in jener Zeit der gütlichen und gewaltsamen Bekehrungen, eine bedeutende Wirksamkeit entfaltete, während sein Bruder Franz im kaiserlichen Kriegsdienst emporstieg[69]. Am 13. Februar 1627, als Maximilian seinen Hofrath Sestich an Wallenstein abschickte, um die Verstärkung des Ligaheers durch kaiserliche Truppen zu erwirken, beauftragte er den Gesandten, sich des Raths und der Fürsprache des Valeriano Magno zu bedienen; derselbe sei bei Wallenstein „sehr wol angesehen und vermöge viel bei ihm“; er könne nach dem „ihm bekannten“ Temperament (Humor) Wallenstein’s dem Gesandten nützliche Anweisungen geben[70]. Sestich folgte dieser Vorschrift, und Valerian muss des Kurfürsten Vertrauen gerechtfertigt haben, denn am 25. März weist Maximilian auch seinen Gesandten Leuker auf den Beistand des Kapuziners[71]. Leuker aber wusste seinerseits auch vor jener Anweisung, dass Valeriano ein Vertrauter Baierns sei; denn am 17. März berichtet er schon: wenn Wallenstein bei seiner bevorstehenden Ankunft am kaiserlichen Hof von Valeriano Magno begleitet [38] werde, so wolle er diesen zur Unterstützung seiner Aufträge – es waren die gleichen, die Sestich erhalten hatte – heranziehen[72]. Man ersieht aus dieser Aeusserung zugleich, dass Valerian im Gefolge Wallenstein’s zu suchen ist. Allerdings nicht regelmässig. Im December 1626, als Wallenstein in Mähren weilte, war der Kapuziner in Wien[73], und Sestich sollte ihn in Linz oder Wien suchen.

Valerian Magno war also einer jener politisirenden Kapuziner, deren Dienste Maximilian – ich erinnere an Alexander von Ales und den Pater Hiacynth – mit Vorliebe gebrauchte. Dass die für den anonymen Berichterstatter ermittelten Merkmale auf ihn passen, ist unzweifelhaft; aber dass er nun auch wirklich der Verfasser ist, dafür bedarf es noch weiterer Beweisgründe. Es werden sich solche, die wenigstens der Gewissheit nahe führen, aus dem weiteren Verlauf der Dinge ergeben. Einstweilen ist klar: nach der Conferenz von Bruck war die Stellung Wallenstein’s seinem Kriegsherrn gegenüber allerdings befestigt; aber sein Gegensatz zum Haupte der Liga war geschärft, und der Kampf, den Maximilian gegen ihn führte, wurde um so bösartiger, da sich ein Zwischenträger zwischen beiden gefunden hatte.


III. Die Kapuzinerberichte.
(1628 April, Mai.)

Im Jahre 1626 hatte die schlaffe Kriegführung Wallenstein’s die Angriffe seiner Gegner begünstigt; im Jahr 1627 wurde das anders. In kräftigem Angriff und in einträchtigem Zusammenwirken mit Tilly warf Wallenstein die Feinde des Kaisers in Schlesien und im Niedersächsischen Kreise nieder; mit Ausnahme weniger fester Plätze bemächtigte er sich Holsteins, Schleswigs und Jütlands. Als er nach solchen Erfolgen im December 1627 nach Böhmen zurückkehrte, verstummten seine Feinde im Rath des Kaisers, ja es schien, als ob die Politik der kaiserlichen Regierung sich jetzt nach den Antrieben des ungestümen Feldherrn richten sollte: billiger Friedensschluss mit dem besiegten Dänemark, Begründung kaiserlicher Herrschaft an und auf der [39] Ostsee, ein grosser Eroberungskrieg gegen die Türken – das waren die Aufgaben, die Wallenstein für die nächste Zeit stellte. Und daneben vergass er nicht die persönlichen Interessen. Gleich nach den Siegen von 1627 zeigte die kaiserliche Regierung sich geneigt, wie früher in Böhmen und der Pfalz, so jetzt im Niedersächsischen Kreis eine Aera der Confiscation und entfesselten Habgier zu eröffnen. Einer der ersten aber, der hier zugriff und die gewaltigste Beute davontrug, war wieder Wallenstein: am 26. Januar 1628 überliess ihm der Kaiser zur Belohnung seiner Verdienste und zum Ersatz seiner Auslagen das Herzogthum Mecklenburg.

Indess wenn der kaiserliche Hof sich dem siegreichen Feldherrn beugte, so war ein anderer Feind desselben nur noch unversöhnlicher und angriffsbegieriger geworden: das war die Liga mit dem Kurfürsten von Baiern an ihrer Spitze. In der That waren alle Gründe der Erbitterung der Liga seit dem letzten Jahr ins Ungemessene vermehrt. Die Armee Wallenstein’s war unausgesetzt vergrössert und beherrschte nunmehr mit ihren verschiedenen, nach Ost und West, nach Norden und Süden vertheilten Regimentern das ganze Reich. Sie wurde leidlich unterhalten und bezahlt, aber nur mittelst eines erst jetzt vollständig ausgebildeten Contributionssystems. Während die Deutschen Reichsstände eine irgend ausgiebige Belastung des Reichs seit Jahrhunderten verhindert hatten, war jetzt durch das blosse Zugreifen eines Kriegsobersten Deutschland dem Zwang eines Kriegsheers unterstellt und einer Besteuerung unterworfen, die nicht nur ausgiebig, sondern zerstörend war. Und zugleich war die Leitung des Krieges und die Bestimmung der mit dem Gang des Krieges zusammenhängenden Politik nicht eigentlich dem Kaiser, noch weniger der mit dem Kaiser verbündeten Liga, sondern vorzugsweise dem eigenmächtigen Feldherrn preisgegeben. Kein Wunder, wenn da die Ligisten sich mit dem Argwohn erfüllten, dass Wallenstein auf den Umsturz der bestehenden Reichsverfassung ausgehe.

Vergrössert wurde die Zahl der Feinde Wallenstein’s durch den Beitritt des Spanischen Gesandten am kaiserlichen Hof. Sei es, dass Wallenstein den besonderen Absichten der Spanischen Politik im Wege stand, sei es, dass der Gesandte das Einvernehmen zwischen Kaiser und Liga als die Bedingung aller Erfolge ansah, [40] genug, seit Anfang 1627[74] finden wir den Spanischen Gesandten Aytona mit dem Bairischen Gesandten Leuker einig in der Feindschaft gegen Wallenstein. Im Sommer hat er seinen Monarchen schon so weit eingenommen, dass dieser ihn geradezu beauftragt, für Wallenstein’s Absetzung zu wirken, – was denn freilich wegen des inzwischen so mächtig gestiegenen Ansehens des Feldherrn unterbleiben musste[75]. Dies war die Lage der Dinge, als Maximilian von Baiern einen neuen Angriff gegen Wallenstein vorbereitete. Ganz wie in den Zeiten der Conferenz von Bruck begann er damit, dass er in tiefstem Geheimniss sich Nachrichten verschaffte über des Feldherrn Pläne und Mittel[76]. Im April des Jahres 1628 schickte er den schon mehrfach in politischen Verhandlungen von ihm verwendeten Kapuziner Alexander von Ales an den in Prag weilenden kaiserlichen Hof, um von einem angesehenen, sachkundigen Manne tief eingehende Aufklärungen entgegenzunehmen. Den Inhalt derselben fasste dann Alexander, sowie er nach München zurückgekehrt war, in einer aus dem dortigen Kloster seiner Ordensbrüder am 26. April[77] datirten Relation zusammen. Einige Wochen später reiste Alexander zum zweiten Male nach Prag, und empfing diesmal von demselben Manne nicht nur mündliche Mittheilungen, sondern auch eine schriftliche Aufzeichnung, welche er in seinen zweiten, am 21. Mai abgestatteten Bericht wörtlich einrückte[78].

[41] Den Namen des Gewährsmannes des Kapuziners kannte Kurfürst Maximilian ebenso gut, wie er den Berichterstatter über die Brucker Conferenz kannte. Fast mit denselben Worten wie diesen bezeichnet er jenen: es sei eine dem Wallenstein „vertraute Person, so dessen vor Andern gutes Wissen hat“[79]. Aber auch diesmal wahrte er das Geheimniss so streng, dass die beiden Gelehrten, welche das Münchener Staatsarchiv nach diesen Acten durchforscht haben, v. Aretin und Gindely, keine nähere Bezeichnung der Persönlichkeit gefunden haben.

Die Mittheilungen selber zerfallen in zwei verschiedene Theile: in einem ersten finden sich thatsächliche Angaben über Wallenstein’s Charakter, sowie über sein Verhalten in Bezug auf Kriegführung und Politik, in seinen Beziehungen zur kaiserlichen Regierung und den Bundesgenossen und Feinden derselben, der zweite Theil enthält Schlüsse, die aus jenen Thatsachen auf die geheimen Pläne Wallenstein’s gezogen werden. Der erste zeigt einen wohl unterrichteten und scharfen Beobachter, der zweite überrascht durch die Masslosigkeit der Entwürfe, welche Wallenstein zugeschrieben werden; er war es, der den tiefsten Eindruck auf Maximilian machte. Das Ziel, so sagt der Gewährsmann, auf welches Wallenstein durch seine Natur getrieben wird, ist die höchste Herrschaft (un supremo dominio, S. 26). Verwirklicht hat er diese Absicht schon insofern, als er die gewaltige Armee, mit der er das Reich und die kaiserlichen Erblande im Zaume hält, ausschliesslich in seiner Gewalt hat, indem er ferner über den Kaiser und seine Räthe eine solche Herrschaft gewonnen hat, dass man sagen kann: der ganze Staats- und Kriegsrath ist in ihm aufgegangen. Und mit dem Kaiser geht er um, als ob er selber Kaiser wäre[80]. Aber diese Errungenschaften genügen seinem Ehrgeiz nicht: er strebt nach der königlichen Herrschaft über Deutschland im vollen Sinne des Wortes. Zu dem Zweck sucht er die Wahl des Sohnes Kaiser Ferdinand’s zum Römischen König zu vereiteln, um unter den Wirren, die bei des Kaisers Tode eintreten müssen, die Krone selber zu ergreifen, und er ist fähig, zur günstigen Stunde den Tod des Kaisers zu beschleunigen[81]. [42] Nicht jedoch als ob ihm eine Herrschaft im Sinne der bestehenden Reichsverfassung genügte: die Krone soll in seiner Gewalt eine erbliche werden (re hereditario S. 37), und die aristokratischen Ordnungen des Reichs wird er in eine absolute Monarchie umzuwandeln suchen (mutare l’aristocratia di Germania in monarchia assoluta S. 42).

Um so hohe Ziele zu erreichen, wird er alle selbständigen Gewalten im Reich nach und nach zerbrechen: so die Macht der Hansa, die Kraft der Reichsstädte, vor allem aber die Liga und ihre Armee. Dass er allein über das kaiserliche Heer, und das kaiserliche Heer allein in Deutschland gebiete, ist für ihn die Bedingung des Erfolgs. Eine weitere Consequenz seiner Berechnungen ist es aber, dass die Armee auf Jahre hinaus beisammen bleiben muss und nicht in gewagten Unternehmungen gegen die Feinde des Kaisers und der katholischen Kirche, am wenigsten gegen auswärtige Mächte, wie die Türken, verwandt werden darf, sondern in Deutschland und den kaiserlichen Erblanden durch den Druck der Contributionen und Räubereien alle Gegner der Wallenstein’schen Absichten zu Grunde zu richten hat (ruinare tutti coloro che non dipendono da lui, S. 28). Erst wenn er im Reich sein Ziel erreicht hat, dann wird er in anderen Unternehmungen zeigen, welche Kraft Deutschland besitzt, wenn es einem Haupte unterworfen ist (mostrare nelle altre imprese sue la gran forza della Germania ridotta sotto un capo solo, S. 37).

Ich will bei der Angabe des Inhalts der Berichte nicht weiter ins Einzelne eingehen. Genug, dass der Gewährsmann auch noch eine Charakteristik Wallenstein’s gibt, welche, wenn sie nicht zutreffen sollte, jedenfalls von scharfer und lebendiger Anschauung zeugt, dass er ferner eine Fülle von Thatsachen berührt, welche eine eindringende Kenntniss der Personen und Vorgänge der kaiserlichen Regierung verrathen. Für meine Untersuchung ist die nächste Frage: bieten, in Ermanglung anderer Zeugnisse, die beiden Berichte Erkennungszeichen für den Mann, der mit Wallenstein und Kurfürst Maximilian zugleich in Beziehungen stand und dem Bairischen Sendling diese Eröffnungen vortrug?

[43] Ein Erstes, was man aus den Berichten entnehmen darf, ist, dass der Gewährsmann ein Italiener war. Denn jene von ihm verfasste schriftliche Darlegung, welche Alexander von Ales „wörtlich“ (de verbo ad verbum, S. 36) so, wie der Gewährsmann sie „schreibt“ (tutto ciò scrive il personaggio, S. 43) – also nicht in Ueberarbeitung oder Uebersetzung – in seinen Bericht aufnimmt, ist Italienisch geschrieben, und zwar, wie die Relation über die Brucker Conferenz, in dem Italienischen eines literarisch gebildeten Mannes. Auch der weitere Umstand, dass der Gewährsmann, wo er historische Beispiele anführt, dieselben aus der Geschichte Italiens entnimmt[82], bestätigt seine Italienische Abkunft[83]. – Bezeichnet wird der räthselhafte Mann als personaggio grande, er ist also von hohem Rang. Seinen Namen muss er aber nicht allein geführt haben, denn zur Unterscheidung wird einmal (S. 23) hinzugefügt: d. h. der padre (ciò è dal padre). Wird er hier als Vater von einem gleichnamigen Sohn, oder als Mönch von einem gleichnamigen Verwandten unterschieden? Das erstere möchte man annehmen, weil man bei einem Mönch nicht gerade den hohen Rang hervorzuheben pflegt; auf das letztere weist der Umstand, dass der Kapuziner Alexander in Beziehung zu dem Gewährsmann sich kurzweg als den „Freund“, im eminenten Sinne, bezeichnet, ferner dass, wo es sich um Eröffnungen an die Infantin Isabella handelt, der Gewährsmann wieder einen Mönch, den Pater Philipp, vorschlägt (S. 45).

Sicher ist, dass die „hohe Person“ wie mit Wallenstein, so auch mit kaiserlichen Räthen in nahen Beziehungen stand, dass [44] sie aber weder zum geheimen, noch zum Kriegsrath gehörte. Denn um zu erfahren, ob es mit der Absicht eines Türkenkrieges ernst sei, musste der Mann sich bei „den vornehmen Ministern des Kaisers“ erst erkundigen (S. 35). Ueberhaupt scheint er nicht zu den Beamten am Hof des Kaisers gehört zu haben; denn niemals, wenn er von diesem Hof, den er wegen seiner Corruption verachtet[84], spricht, braucht er eine Wendung, die auf seine Zugehörigkeit zu demselben schliessen lässt, und das rücksichtslos freie Urtheil, welches er über den unselbständigen, weichen und thatenscheuen Kaiser fällt[85], verräth nichts weniger als einen hofmännischen Charakter. Auch den am Hof so mächtigen Jesuiten, besonders dem kaiserlichen Beichtvater Lamormain[86], ist er nicht günstig gesinnt. Sehr vertraut sind dagegen seine Beziehungen zum Spanischen Gesandten Aytona. Denn wenn wir in einem Bericht des letzteren vom 12. Februar 1628 lesen: „der Herzog von Friedland ist jetzt allgebietender Herr (dueño de todo), dem Kaiser gewährt er nichts als bloss den Namen (solo el nombre)“[87], und dann aus dem Bericht des Anonymus (S. 32) vernehmen: „der Spanische Gesandte hat nach Hause geschrieben, Friedland habe den Kaiser derart seiner Autorität entkleidet, dass er ihm bloss den Namen (solo il nome) gelassen hat,“ so ist klar, der Gesandte hatte dem Anonymus von seinem Bericht Kenntniss gegeben. An einer anderen Stelle erzählt der Anonymus, wie der zur Römischen Königswahl erforderliche Kurfürstenconvent dadurch gehindert werde, dass Wallenstein Gebiete des Kurfürsten von Sachsen mit Truppen belegt habe, und dieser nun die Besuchung der Tagsatzung verweigere: dem Kaiser wie dem Spanischen Gesandten habe Wallenstein erklärt, die Kurfürstenversammlung sei gar nicht im kaiserlichen Interesse (S. 40). [45] Aus einem Bericht Aytona’s, in dem dieselben Vorgänge auseinander gesetzt werden, ersehen wir, dass ihm in der That Wallenstein derartige Erklärungen gegeben hatte[88]. Und nicht nur auf thatsächliche Mittheilungen beschränkte sich der Verkehr der beiden Männer; da wo der Vortrag des Anonymus seinen Höhepunkt erreicht, indem er zu praktischen Vorschlägen, wie der Sturz Wallenstein’s zu bewirken sei, fortschreitet, und er verschiedenen Personen und Mächten ihre Rolle bei dem Werk anweist, erscheinen er und der Spanische Gesandte als zum Zusammenwirken berufene Verbündete (S. 31).

Auf welchen Mann passen nun die also nachgewiesenen Erkennungszeichen? Wie bei der Untersuchung über die Brucker Relation, finde ich keinen anderen als Valeriano Magno. Er war seiner Abkunft nach Italiener, von seinen beiden Brüdern als „Pater“ zu unterscheiden, als Kapuziner ein Freund seines Ordensgenossen Alexander von Ales, und als geborener Graf eine „hohe Person“. Ganz wie Alexander, so nennt ihn acht Jahre später ein theologischer Gegner[89]: einen Mönch von grossem Ansehen und vornehmem Auftreten (monachus magnae auctoritatis et magnam personam gerens). Dass er nähere Beziehungen zu Wallenstein hatte, und gleichzeitig vom Kurfürsten von Baiern als Vertrauensmann gebraucht wurde, habe ich schon nachgewiesen. Dass er am kaiserlichen Hof mit den kaiserlichen Räthen sowohl, wie besonders mit dem Spanischen Gesandten über die wichtigsten Fragen des Kriegs und der Politik vertraute Besprechungen hielt, werde ich in dem letzten Abschnitt dieser Abhandlung nachweisen. Dass er endlich den Jesuiten mit freiem Urtheil gegenüber stand, erklärt sich aus der Eifersucht der Orden, wie denn auch in der letzten Epoche seines Lebens diese Missgunst in grimmige Feindschaft übergegangen ist. – In der That, Valeriano Magno müsste einen wundersamen Doppelgänger haben, wenn [46] ein Anderer als er der Gewährsmann des Bairischen Berichterstatters sein sollte.

Es scheint also ein und derselbe Italienische Mönch zu sein, der früher die aufregenden Nachrichten über die Conferenz von Bruck mittheilte und jetzt die noch viel aufregenderen Enthüllungen über Wallenstein’s Pläne macht. Die Verwandtschaft der beiden Berichte offenbart sich denn auch durch ein weiteres bedeutsames Moment: sie hatten beide einen praktischen Zweck. Welche Verhandlungen die Brucker Relation zur Folge hatte, ist schon bemerkt; dass Valeriano bei seinen Eröffnungen von 1628 sich nicht als blossen Berichterstatter ansah, erkennt man schon aus den von ihm, wie bereits angedeutet, eingeflochtenen Vorschlägen, wie der Sturz Wallenstein’s herbeizuführen sei. Zwei Gedanken treten in diesen Vorschlägen (S. 31, 42, 44/45) hervor: einmal, man soll die Regierung der Infantin Isabella in Brüssel und des Königs Philipp IV. in Madrid mit grösserer Besorgniss vor Wallenstein erfüllen und zur Unterstützung des Vorgehens gegen ihn anregen; zweitens, im Reich sollen die Fürsten der Liga, mit ihrer Armee im Hintergrund, oder es sollen die sämmtlichen Kurfürsten, gestützt auf ein irgendwie neu zu bildendes, dem Kaiser nicht so streng ergebenes Heer, wie es die Ligaarmee ist, an Ferdinand II. herantreten und Wallenstein’s Absetzung gebieterisch fordern. Sehen wir nun, ob nicht diese Vorschläge wenigstens theilweise befolgt sind.

Um mit der Liga zu beginnen, weise ich darauf hin, dass Maximilian an demselben Tag, an dem er die erste Relation erhielt (26. April), einen Bevollmächtigten zur Mittheilung ihres Inhalts an den Erzbischof von Mainz schickte, dass er etwa acht Tage später die Uebersetzung des Berichtes und, als die Relation vom 21. Mai eingegangen war, auch deren Uebersetzung folgen liess[90]. Indem er diese Actenstücke als glaubwürdig ausgab und die Fürsten vor die Wahl gestellt sehen wollte, entweder ohne Verzug den verderblichen Anschlägen Wallenstein’s zu widerstehen oder sich ihnen zu unterwerfen, nahm er einen dem Erzbischof schon einige Zeit vorher gemachten Vorschlag, dass die katholischen Kurfürsten eine Berathung zu Aschaffenburg halten möchten, um ein persönliches Einschreiten sämmtlicher Kurfürsten [47] gegen die Entwürfe Wallenstein’s zu veranlassen (S. 40 Anm. 3), mit verstärktem Nachdrucke auf[91], nur dass er jetzt dieser Aschaffenburger Conferenz eine viel ernstere Aufgabe stellte: sie sollte die erforderlichen Vorbereitungen treffen, damit, sobald es nöthig werde, das Ligaheer vom Krieg gegen Dänemark und seine Verbündeten abgerufen und zum gewaltsamen Widerstand gegen Wallenstein und seine Pläne concentrirt werde[92]. Unter Hinweis auf diese Massregeln und diesen gefahrdrohenden Entschluss sollte dann eine Gesandtschaft sämmtlicher Kurfürsten – indem Sachsen und Brandenburg sowohl für die Theilnahme an den Erklärungen, wie an den eventuellen Thaten zu gewinnen seien – vor dem Kaiser aufziehen und die Absetzung Wallenstein’s fordern[93].

Halb zustimmend, halb widerstrebend, liess sich der Mainzer Erzbischof von dem erregten Kurfürsten vorantreiben; und am 7. Juli wurden in der That, bei einer Zusammenkunft der Gesandten der katholischen Kurfürsten zu Bingen, Beschlüsse nach Massgabe jener Vorschläge gefasst[94]. Vergleicht man nun aber diese Beschlüsse mit dem Rath Valerian’s, dass alle Kurfürsten die Absetzung Wallenstein’s dem Kaiser abdringen sollten, indem sie zur Unterstützung ihrer Forderung auf eine schlagfertige Armee hinwiesen, so liegt am Tage: der Vorschlag des Kapuziners wurde von den katholischen Kurfürsten befolgt.

Auffällig ist bei diesen Verhandlungen das Geheimniss, mit dem die Urheber sich umgeben. Nicht nur dass der Name Valerian’s verhüllt wurde, auch Maximilian von Baiern stand, indem er die aufreizenden Mittheilungen weiter gab, nur dem Erzbischof von Mainz gegenüber mit seinem Namen ein. Als [48] dieser die Actenstücke an die Kurfürsten von Köln und Trier, selbst an den von Sachsen mittheilte[95], geschah es unter der von Baiern gestellten Bedingung, dass die Herkunft derselben aus München verschwiegen bleibe[96].

Dieselbe Scheu vor dem Tageslicht offenbart sich in einer zweiten Reihe von Verhandlungen, in denjenigen nämlich, welche – wieder dem Vorschlag Valerian’s entsprechend – mit der Brüsseler und der Madrider Regierung angeknüpft wurden. Als Gesandter der Infantin Isabella befand sich am kaiserlichen Hof der Präsident Bruneau. In den ersten Tagen des Monats Mai finden wir diesen Mann mit anderweitigen Aufträgen seiner Gebieterin am Münchener Hof, wo er, wie es scheint, sich mehrere Wochen aufgehalten hat[97]. Bei dieser Gelegenheit nun machte ihm Kurfürst Maximilian über Wallenstein’s Anschläge Mittheilungen von so ausserordentlicher Art, dass der Gesandte dieselben alsbald an die Infantin und den Spanischen Gesandten am kaiserlichen Hof, und durch die Infantin an den König Philipp IV. brachte[98]. Selbstverständlich können das nur Mittheilungen gewesen sein, die aus Valerian’s Enthüllungen stammten. Aber warum, wird man da sofort fragen, musste Bruneau diese Nachrichten in München holen, da er sie doch am kaiserlichen Hof aus erster Quelle erhalten konnte? Die Antwort lautet: nicht nur Valerian, sondern auch der Spanische Gesandte wollten als Gewährsmänner nicht genannt werden, ersterer aus Gründen, die sich von selber verstehen, letzterer, weil er durch frühere dem Wallenstein feindliche Berichte am Spanischen Hof, besonders bei Olivarez, Anstoss erregt zu haben fürchtete und desshalb bei dem neuen Ansturm gegen den Feldherrn nicht in den Vordergrund treten wollte[99].

[49] Wie gegen Mainz, so musste also auch gegen Spanien der Kurfürst Maximilian mit seinem Namen einstehen. Aber sobald nun von München aus die unerhörten Enthüllungen nach Brüssel und Madrid abgegangen waren, setzte sich der Spanische Gesandte hin (27. Mai), um unter dem Schein, als ob auch er seine Kenntnisse erst aus Bruneau’s Schreiben erhalten habe, sich von seinem König und der Infantin[100] Auftrag zu erbitten, wie er in dieser höchst gefährlichen Lage sich verhalten solle: schon habe er den Inhalt von Bruneau’s Relation, „ohne die Personen zu nennen“, dem Kaiser mitgetheilt; ein Weg, um die Absetzung Wallenstein’s zu erwirken, wäre es nun, wenn er, Aytona, den Kurfürsten Maximilian ermuthigte, persönlich in diesem Sinne auf den Kaiser einzudringen, nur wären vorher Maximilian, die Kurfürsten, das ganze Reich darüber aufzuklären, dass Spanien die Absichten Wallenstein’s nicht begünstige. – Kann man in diesem Schreiben etwas anderes sehen, als die Ausführung von Valerian’s Rath, dass Spanien und die Infantin den Ansturm der Kurfürsten gegen Wallenstein unterstützen sollten?

Die Mittheilungen und Vorschläge des Pater Valerian bildeten also den Ausgang für eine doppelte Reihe von Verhandlungen, die in ihrer Gesammtheit den Eindruck einer künstlich angelegten Intrigue machen, bei deren Durchführung die Urheber so tief verborgen bleiben sollten, wie eine Venta Italienischer Verschwörer. Nachdem ich indess die Anlage der Intrigue klar gelegt habe, will ich die Entwicklung derselben nicht weiter verfolgen. Genug dass die Nachgiebigkeit des Kaisers, der eine Verminderung der Armee versprach, dass vollends der Sieg Wallenstein’s bei Wolgast, der den Glauben an seine Unentbehrlichkeit am kaiserlichen Hof befestigte, die Feinde des Feldherrn bewog, ihren Angriff noch einmal zu vertagen.

Indem ich mit meinen Untersuchungen zum Schluss eile, fasse ich nur noch einige Schriftstücke aus dem folgenden Jahr ins Auge. Bisher habe ich es wahrscheinlich gemacht, dass der Kapuzinerpater Valerian Magno die Berichte erstattete, welche [50] Maximilian von Baiern bei seinen Angriffen gegen Wallenstein in den Jahren 1627 und 1628 zu Grunde legte: die nunmehr zu prüfenden Schriftstücke sollen diese Wahrscheinlichkeit zur Gewissheit steigern.


IV. Valeriano Magno entlarvt.

Wenn der grosse Angriff gegen Wallenstein im Jahr 1628 vertagt wurde, so ging der verdeckte Krieg der Liga gegen den Feldherrn unablässig weiter. Er wurde sogar im Jahr 1629 durch neue Conflicte geschärft. Während zu Anfang dieses Jahres, als die Friedensverhandlungen mit Dänemark ernstlich aufgenommen wurden, die Liga auf den endlichen Abschluss der auswärtigen Kriege hoffte, führte die in Mantua und an der Ostsee befolgte Politik des Kaisers neuen Kriegen mit Frankreich und Schweden entgegen. Während im Juli die katholischen Kurfürsten dem Kaiser das Versprechen abdrangen, dass die kaiserlichen Truppen in den oberen Reichskreisen bis auf einen massigen Rest vermindert werden sollten, setzten sich Wallenstein’s Heersäulen in Bewegung, um auf dem Marsch von Norddeutschland nach Italien sich vorläufig im Schwäbischen Kreis anzuhäufen. Erschreckt durch diesen Anzug, traf Kurfürst Maximilian wieder die Anordnung, dass das Ligaheer zur eventuellen Verwendung gegen die kaiserliche Armee bereit zu halten sei; und Mainz schrieb an Baiern: nichts werde vielleicht helfen, als eine Verbindung der Liga, der Kurfürsten, sämmtlicher Kreisobersten zum Schutz der Reichsverfassung und zur Beschneidung der absoluten Gewalt des kaiserlichen Feldherrn[101].

In dieser schwülen Zeit besorgt sich Maximilian abermals Italienisch geschriebene Berichte über persönliche Verhältnisse und Absichten der kaiserlichen Regierung, besonders über Wallenstein’s Pläne und seine Stellung zum kaiserlichen Hof. Diesmal jedoch wird in den Acten seiner Kanzlei der Name seines Berichterstatters genannt: es ist Valeriano Magno. Vorgefunden haben sich im Bairischen Archiv drei Schreiben desselben, vom 5. September, vom 9. October und vom 14. November 1629[102]. Aus [51] einem ihnen vorausgehenden Schreiben des Kurfürsten an den Mönch ersehen wir, dass er einen früheren Bericht schon am 25. Juli erstattet hatte, und dass auch dieser nicht der erste in der Reihe war, ergibt sich aus des Kurfürsten Dank für den Eifer, mit dem er mittelst dieses Schreibens seine Correspondenz „fortsetzt“. Die Correspondenz ist eine höchst vertrauliche, denn Maximilian antwortet dem Mönch in der Form des Handschreibens; sie ist eine höchst geheime, denn die Briefe sind chiffrirt[103], und der mangelhaften Auflösung wird der abscheulich verderbte Text zuzuschreiben sein, in dem Aretin sie abgedruckt hat.

Wieder tritt uns also das Geheimniss entgegen, welches in gleicher Weise die Italienischen Berichte von 1626 und 1628 kennzeichnet, – allerdings nicht diese allein, sondern neben ihnen auch andere Nachrichten, die der Kurfürst vom kaiserlichen Hofe empfing. Ein anderes Moment dagegen, welches die Schreiben Valerian’s mit den Eröffnungen des Anonymus von 1628 verknüpft und von anderen Schriftstücken unterscheidet, ist die Gleichheit der persönlichen Beziehungen des Autors. Gleich dem Gewährsmann von 1628 sehen wir Valerian die kaiserlichen „Minister“, unter denen Eggenberg sich besonders offen zeigt, über die Staatsgeheimnisse ausholen, gleich ihm steht er im höchsten Vertrauen zu dem Spanischen Gesandten. Aytona, sagt er, „hat die Anordnung hinterlassen, dass Bruneau mir alles mittheile, wie auch der (neu eingetretene Spanische Gesandte) Graf Castro thut“. Der Gewährsmann von 1628 kannte Wallenstein aus „langem Umgang“: Valerian scheint die alte Vertrauensstellung zu Wallenstein, trotz seiner grimmigen Verfolgung desselben, noch immer nicht verloren zu haben; denn des Feldherrn Abgeordneter San Julian macht ihm die vertraulichsten Eröffnungen.

Die Kenntnisse, die Valerian aus solchen persönlichen Beziehungen schöpft, sind tief eindringend, ähnlich wie die des Gewährsmannes von 1628; was aber auch hier wieder die Hauptsache ist, das ist die Gleichheit der Beurtheilung der Dinge und der Personen. Der Kaiser, so erzählt der Anonymus, versinkt unter den aus der Mantuanischen und der Wallenstein’schen Frage [52] an ihn herantretenden Schwierigkeiten und entgegengesetzten Rathschlägen, weil er bei seiner trägen Natur keinen Entschluss zu fassen vermag, in eine Melancholie, die ihm zeitweilig die Urtheilskraft benimmt (v. Aretin S. 43). Der Kaiser, so berichtet Valerian am 5. September, verfällt über den Parteiungen seiner Räthe, den von keinem praktischen Vorschlag der Abhilfe begleiteten Warnungen vor dem Unheil, das von Wallenstein droht, in Argwohn, Furcht und tiefe Melancholie. – Der Gewährsmann von 1628 lässt Wallenstein dem Kaiser nach der Krone streben und folglich die Succession des ältesten Sohnes des Kaisers, des Königs von Ungarn, bekämpfen: er trage gegen diesen letzteren bittere Feindschaft im Herzen (S. 26). Eigentlich nur durch Einordnung in diese Gedankenreihe wird eine Stelle in Valerian’s Brief vom 5. September, wo er über eine verfängliche Frage Wallenstein’s bezüglich der auf des Kaisers Geschick einwirkenden Constellation berichtet, verständlich: wenn dieser Mann, sagt er, so wissbegierig seine und anderer Fürsten Nativität verfolgt, so wird er vielleicht auch die des Königs von Ungarn in Betracht gezogen haben, welche sehr tief steht. – Soll ich noch auf die Ansicht von Wallenstein’s Verhältniss zur Liga hinweisen? Wallenstein, so sagt der Anonymus von 1628, will allein in Deutschland bewaffnet sein, darum sucht er die Liga zu ruiniren und ihr Heer zu vernichten[104]. Der Bericht Valerian’s vom 9. October handelt vornehmlich über die Aussichten und die Störung des Wallenstein’schen Ziels, „die Liga zu entwaffnen (massima di disarmare la liga catholica)“.

Zum Schluss noch eins: Der Anonymus von 1628 ist nicht bloss Berichterstatter; vermöge seiner Beziehungen zum Spanischen Gesandten und Bairischen Kurfürsten wirkt er auch kräftig mit bei den Anschlägen gegen Wallenstein. Was thut aber Valerian im Jahr 1629? Wie die Stellung Wallenstein’s am kaiserlichen Hof durch Verbreitung eines Briefes desselben an Pater Lamormain erschüttert wird[105], da ist er bei der Hand, den Spanischen Gesandten, Aytona und Castro, einen auch dem Kurfürst Maximilian [53] schriftlich übersandten Rathschlag zu ertheilen, nach welchem diese den Kaiser und Eggenberg gegen Wallenstein einnehmen.

Im Hinblick auf diese Uebereinstimmungen kann ich nur wiederholen: Valeriano Magno müsste einen merkwürdigen Doppelgänger haben, wenn er nicht der Gewährsmann des Alexander von Ales im Jahr 1628 wäre, und dieser müsste einen nicht minder seltsamen Doppelgänger haben, wenn er nicht der Verfasser der Brucker Relation wäre. Einem Mann, der bisher als Bekehrer, Theologe und Philosoph bekannt war, ist damit zu der ihm gebührenden Stellung unter den politisch hervorragenden Männern am Hofe Ferdinand’s II. verholfen. Ehrenvoll ist diese Stellung gerade nicht, aber sie ist bezeichnend für die kaiserliche Regierung, die von geistlichen und weltlichen Einflüssen, von Staatsmännern und Intriganten hin und her gezerrt wurde, bezeichnend auch für den Bairischen Kurfürsten, zu dessen grossen Eigenschaften die Aufrichtigkeit nicht gehörte.



Anmerkungen

  1. Hallwich, Gindely’s Waldstein S. 6–7.
  2. Hallwich, Wallenstein und Waldstein S. 38. Vgl. Gindely’s Waldstein S. 7–8. Aehnlich Opel, Niedersächs.-Dän. Krieg II S. 159; 237.
  3. A. a. O. S. 7. Wallenstein und Waldstein S. 38–39.
  4. Sendung Tilly’s und Donnersberg’s, 1624 März (Hurter IX S.346 ff.). Baiern an den Kaiser, 1624 Dec. 2, 10, 24, 28 (Berliner Bibliothek, Ms. Germ. 4° n. 456. Das Schreiben vom 10. Dec. angeführt bei Hurter IX S. 361 Anm. 225).
  5. Gindely, (erste) Antwort gegen Hallwich S. 9 ff.
  6. – – – quantocius iustos exercitus erigant, et quidem Caes. M. suum, ubi sive ad defensionem sive ad diversionem magis expediet (v. Aretin, Baierns ausw. Verhältnisse, Beil. S. 146).
  7. D’Elvert, in den Schriften der Mährisch-Schlesischen Gesellschaft. Histor. Section XXII S. 135. Vgl. März 19 S. 136.
  8. Hallwich in der Zeitschr. f. allgem. Geschichte I S. 119.
  9. Richtig fasst nur Hallwich (a. a. O.) den Charakter desselben, ohne indess die Folgerungen zu ziehen.
  10. Er ist in Wien am 12. April (Padavino, April 12. Gindely I S. 46). Er kommt wieder in Prag an am 26. April. (Zeitung aus Prag, April 26. Mährisch-Schles. Gesellschaft XXII S. 137.)
  11. Hallwich, Gindely’s Waldstein S. 8.
  12. Dabei stimmen sie auch nicht einmal untereinander. Caraffa (April 12, 19, Gindely I S. 45; 48) lässt Wallenstein erst mit Spanien, dann mit dem Kaiser handeln, Padavino (April 12, 19, 26, S. 46; 47; 51 Anm. 1) schickt ihn zum Kaiser, dann zum Spanischen Gesandten, dann wieder zum Kaiser.
  13. So umschreibe ich die Worte: „wessen zum besten“.
  14. Leuker, April 16, 23. (Gindely I S. 46; 49.)
  15. Gindely I S. 50.
  16. Leuker, April 26. Gindely I S. 49.)
  17. Padavino, Mai 3. (a. a. O. S. 51 Anm. 2.)
  18. Monum. Hungariae, Diplom. IV S. 283. Gindely I S. 53.
  19. Die Gesammtzahl wurde nachträglich auf 24 000 Mk. erhöht (Instruction für Wallenstein, Juni 27. Hallwich in der Zeitschr. f. allgem. Geschichte I S. 126), wohl bei den definitiven Resolutionen zu Nikolsburg. (Chlumecky, Regesten Nr. 6; Tadra Nr. 1.)
  20. Leuker, Mai 14. Wallenstein habe „die Patenten auf die e. kfl. D. von mir berichte Anzahl Volks empfangen“. (Gindely I S. 53.) Bezüglich der neu aufzustellenden Truppentheile möchte man diese Worte auf kaiserliche Patente beziehen, welche Wallenstein den neuen Obersten und Rittmeistern, die ja die Werbung der ihnen zu unterstellenden Regimenter und Compagnien vornehmen mussten, einzuhändigen gehabt hätte. Allein dem widerspricht, dass die Bestallungspatente der neuen Obersten erst vom 1. Juni ab ausgefertigt zu sein scheinen. (Hallwich in der Zeitschr. f. allgem. Gesch. I S. 121.) Sollte man denselben schon vorher besondere Werbepatente gegeben haben? Oder handelt es sich einfach um ein Patent, in dem der Kaiser die Vollmacht Wallenstein’s zu Werbungen in den Erblanden und dem Reich verkündet nach der Art des von Rudolph II. am 9. Jan. 1610 für Erzh. Leopold (Kurz, Beiträge z. Gesch. Oesterreichs o. d. E. IV S. 53) erlassenen? Auf letzteres deutet der Wortlaut des kaiserlichen Schreibens an Baiern vom 12. Mai: er (der Kaiser) habe Wallenstein „die Vollmacht“ ertheilt, die Werbungen im Fränkischen Kreis anzustellen. Auf ersteres deuten die Zeitungen aus Prag, Mai 24, April 26. (Mährisch-Schles. Gesellschaft XXII S. 138; 137.)
  21. Tadra, Briefe Waldstein’s an Harrach. (Fontes rer. Austriacarum XLI S. 297.) In demselben Sinn bittet Wallenstein am 7. Jan. 1626, dass man dem Gr. Serin titel gibt „capo über alle die leichte reiterei“, (nämlich) die stell, die er etc. (a. a. O. S. 315. Vgl. S. 366). – Die Sache ist nicht richtig aufgefasst von Gindely I S. 54.
  22. Nähere Angaben bei Hallwich, Aldringen S. 57 ff.; 71 ff. Nach kaiserl. Erlassen vom 31. Aug. (a. a. O. S. 71) wurden die in den Niederlanden, in Italien und im Oberelsass stehenden Truppen zu dem ins Reich verordneten Succurs gerechnet und dem Oberbefehl Wallenstein’s unterstellt – Die bisherige Stelle eines Gen.-Wachtmeisters wurde ihm übrigens ausdrücklich entzogen. (Chlumecky Nr. 8.)
  23. An Colalto; bei Chlumecky, Regesten S. 20.
  24. An Colalto, Chlumecky S. 9.
  25. Bei Chlumecky: „die marschoda (Marschordinantz?) der Don Baltasarischen reiter und der Sachsischen knecht“. – Diese Truppen waren zur Verstärkung Tilly’s bestimmt, und schon am 7. Juli ersuchte ein kaiserl. Schreiben den Ldgr. Moriz von Hessen um freien Durchzug für dieselben. (Rommel VII S. 605 Anm. 555.) Vgl. noch Chlumecky Nr. 7 (S. 7), Nr. 11. 12. 17.
  26. Das Missverständniss wird um so unbegreiflicher, wenn man bemerkt, dass der einleitende Satz und die militärischen Vorschläge durch die causale Conjunction „denn“ verbunden sind.
  27. Mährisch-Schles. Gesellschaft XXII S. 137.
  28. X S. 802. Auch Ranke, obwohl er sich nicht ganz bestimmt ausdrückt, folgt dieser Ueberlieferung. Das Richtige trifft Tadra S. 291 ff.
  29. Wallenstein an Harrach, 1626 März 16. (Tadra S. 336.)
  30. Nach Wallenstein’s ursprünglichem Vorschlag sollten die Kosten der Aufstellung ganz auf die Obersten geschoben werden. (Leuker, Mai 9. Gindely I S. 52. Zeitung aus Prag, Mai 24. Mähr.-Schles. Gesellschaft XXII S. 138.) Ueber Auslagen der Obersten vgl. Hallwich, Aldringen S. 65. 68 Anm. 94.
  31. Bei der Musterung pflegte auch der erste Monatssold gezahlt zu werden. Zum Theil scheint dies auch jetzt geschehen zu sein (Hallwich a. a. O.); dass es nicht allgemein erfolgte, darf man wohl aus der Bairischen Denkschrift vom April 1626 (bei Tadra S. 343 Anm.; mit falschem Datum – „Ende 1625“ – bei Aretin, Baierns ausw. Verhältnisse S. 207 Anm.) entnehmen.
  32. Hallwich in der Zeitschrift f. allgem. Geschichte I S. 128.
  33. Tadra S. 298.
  34. Angeführt in Leuker’s Bericht vom 19. Mai 1627. (Gindely I S. 224.)
  35. Ueber die sich an den Bericht anschliessenden Verhandlungen der Liga vgl. Aretin, Wallenstein S. 21. Daselbst, Beil. S. 1, der Bericht. Vgl. über denselben Gindely I S. 163.
  36. W. an Harrach, Nov. 5. (Tadra S. 456.) Er beruft sich auf nähere Mittheilungen seines Oberstlieutenants St. Julian. Diesen St. Julian sendet W. bereits um den 9. Oct. an den kaiserl. Hof (Tadra S. 446). Wäre er von da ab ununterbrochen dort gewesen, so müsste der Auftrag bezüglich der Abdankung bis auf den 9. Oct. zurückreichen. Aber vermuthlich wurde er um den 5. Nov. (vgl. W.’s Schreiben vom 8. Nov. S. 457) von neuem abgeschickt.
  37. Tadra S. 445.
  38. Tadra S. 324 (vgl. S. 326. 327); 336 und die zugehörige Note.
  39. Das ergibt sich aus Harrach’s Notiz, dass W. ihm über dieselbe Sache noch „ad partem expresse“ schreibt. Also das Hauptschreiben war nicht bloss für Harrach. Schon am 23. Febr. schreibt W.: „mein Herr wolle es (nämlich den Entschluss der Abdankung) i. M. andeuten.“
  40. Tadra S. 352/3. 356. Vgl. Hallwich, Aldringen S. 150 ff. Unterscheiden muss man diejenigen Erklärungen, in denen Wallenstein den Entschluss sofortigen Rücktrittes ausspricht, falls Colalto befördert werde.
  41. Tadra S. 429 postscr.
  42. Vgl. besonders das Schreiben vom 16. März und Harrach’s Notizen dazu.
  43. Tadra S. 411. 452. Gindely I S. 159.
  44. Am 30. November (Tadra S. 464) wünscht er Questenberg’s Herkunft, „auf dass ich mich mit ihm wegen des Ueberrests unterreden könnte“. Der „Ueberrest“ ist wohl nach dem postscr. vom 6. December (S. 466) als „Ueberrest der Armee“ aufzufassen.
  45. 1627 Januar 20. (Tadra S. 472 Anm.)
  46. Chlumecky Nr. 73.
  47. Vgl. Hallwich in der Zeitschr. f. allg. Geschichte I S. 133. Wallenstein’s Klage vom 2. Aug. 1626 s. o. S. 29 Anm. 1.
  48. Khevenhüller X, 1404.
  49. Gindely I S. 248.
  50. Vgl. das Patent bei Förster, Wallenstein’s Briefe I Nr. 177. Beschwerden der Kurfürsten 1627 Nov. 3. (Gindely I S. 278.) – Ganz klar wird diese Patentfrage allerdings erst werden, wenn Hallwich die von ihm durchgesehenen Bestallungsurkunden der Registratur des Reichskriegsministeriums mittheilt (Wallenstein und Waldstein S. 48).
  51. an Harrach, Nov. 30. (Tadra S. 464.) Am 3. Dec. sagt er: er habe diese Punkte dem Harrach bei der Besprechung mit ihm übergeben. (Tadra S. 465.) Natürlich müssen sie dann auch bei der Conferenz mit Eggenberg verhandelt sein.
  52. Ansätze von 1624 bei Tadra S. 277–78. Von 1626 bei Khevenhüller X, 1277. (Mährisch-Schles. Gesellsch. XXII S. 142.)
  53. an Harrach, 1627 Jan. 12. (Tadra S. 473.)
  54. an Harrach, Febr. 12, 13, 14, März 9. (Tadra S. 479–84.) An Colalto, Febr. 12, 18. (Chlumecky S. 40. 41.)
  55. an Colalto, Sept. 20, Oct 1. (Chlumecky S. 55. 60.) Vgl. Gindely I S. 168 ff.
  56. Gindely I S. 372.
  57. Chlumecky S. 70.
  58. Per tali (sc. per molto prudenti) si sono publicate (le sue operazioni) per la corte. (Padavino, Dec. 2. Gindely I S. 167 Anm.) Aehnlich der Franz. Gesandte: il (Eggenberg) tesmoigne à présent plus de satisfaction. (S. 166 Anm.)
  59. Tadra Nr. 32 postscr. S. 330. (1626 März 6.)
  60. Tadra Nr. 48 (S. 352), Nr. 84 (S. 394), Nr. 86 (S. 397). Man muss a la desperata gehen, sagt er am 6. März und 9. Aug. 1626. (Nr. 32 postscr. und Nr. 105 S. 419.)
  61. Vgl. u. a. Tadra Nr. 94 (S. 407/8), Nr. 108 (S. 420/21: „Die Ungarn, wan sie am treisten [treuesten] sind, so reiten sie darvon“), Nr. 159 (S. 464).
  62. Tadra Nr. 6 (S. 303).
  63. Chlumecky Nr. 52 (S. 29). Tadra Nr. 16 (S. 312), daselbst Anm. zu S. 312, Nr. 17 postscr. (S. 315). Opel II S. 428.
  64. Tadra Nr. 30 (S. 328). Die Reihe der folgenden Briefe bis zu der Auseinandersetzung Nr. 78 (S. 389).
  65. Tadra Nr. 103. Wie er den Preußischen Plan festhält, ersieht man aus Nr. 110 (S. 424), 144 (S. 452). Chlumecky Nr. 84. 86. 87 (S. 46–48. 1627 März 14–21).
  66. Siehe oben S. 23. Tadra Nr. 86 S. 397.
  67. Für das Folgende vgl. v. Aretin, Wallenstein S. 21 ff. Gindely I S. 236. 237. 240. 242.
  68. Das Schreiben von Mainz und Baiern an den Kaiser vom 29. Dec. 1626 (Aretin, Wallenstein, Beil. S. 4), obgleich es auch schon im Namen des gesammten Bundes spricht, kann doch nur als Vorspiel dieses Angriffs angesehen werden.
  69. Ueber Valerian Magno siehe Reusch in der Deutschen Biographie XX S. 92. Ueber Franz Magno vgl. die Widmung des Buchdruckers Rictius an den Polnischen Grosskanzler in Valerian’s Büchlein de luce mentium. Wien 1646. Im Jahr 1626 erscheint derselbe in Wallenstein’s Armee. (Gindely I S. 287. Vgl. Tadra Nr. 116 postscr. S. 430.) Später ist er Graf von Strassnitz in Mähren. (Vgl. Valerian’s scriptum apologeticum exhibitum regio tribunali Moraviae in des Verf. commentarium de homine infami personato sub titulis Jocosi Severii Medii. 1655.) Ein anderer Bruder war Graf Philipp von Magno (a. a. O.).
  70. v. Aretin, Baierns ausw. Verhältnisse, Beil. S. 270.
  71. Gindely I S. 203.
  72. A. a. O. S. 195.
  73. Archiv f. Oesterr. Geschichtsquellen 54 S. 266 Nr. 16.
  74. Vgl. Leuker’s Berichte 1627 Febr. 24, März 3, 17. (Gindely I S. 191. 192. 195.)
  75. Aytona an Philipp IV. 1627 Sept. 13. (Gindely I S. 302/3.) Hinterher muss sich am Hof Philipp’s IV. die Stimmung günstiger für Wallenstein gestaltet haben, wie sich am Ende dieses Abschnittes zeigen wird.
  76. Ich will hier nicht Baierns Vorgehen gegen Wallenstein vollständig behandeln, sondern nur soweit es an die Kapuzinerrelation sich anschliesst. Im ersteren Falle müsste ich als Vorläufer der Kapuzinerrelation den bei Aretin, Beil. S. 12 gedruckten Discurs und die sich daran anschliessenden Bemühungen Baierns, den Kaiser durch sämmtliche, persönlich vor ihm erscheinende Kurfürsten gegen Wallenstein einzunehmen, behandeln. Damals glaubte Baiern noch, dass Wallenstein’s „faction… sonderlich auch von den Spanischen secundirt würde.“ (Instr. für Richel, 1628 März 22. Gindely I S. 388.)
  77. Dal convento il 3. giorno di Pasqua (23. April). Könnte je nach der Zahlung auch der 25. sein.
  78. Die Berichte bei v. Aretin, Wallenstein, Beil. S. 23. 34.
  79. Hurter, Wallenstein S. 199.
  80. Col imperatore procede, come si egli fosse imperatore (S. 29). – Tutto il consiglio di stato e di guerra è ridotto nell’ unico Fridlant (a. a. O.).
  81. La morte dell’ imperatore che può anco essere accellerata in tal caso (S. 35/6). – Il che (des Kaisers Tod) può avvenire o per natura o per arte. (S. 37.)
  82. S. 27: Heerführer, die zu mächtigen Königen wurden, wie „li Attila, Theodorico, Berengario, Desiderio etc.“ – S. 36/7: Absicht W.’s, Norddeutschland zu unterjochen, non meno di quello hanno fatto li gran duchi di Toscana la republica di Firenze.
  83. Gindely (II S. 28 ff.), statt von jenem uns vor Augen liegenden Document auszugehen, gründet seine Untersuchung auf den Satz: der Gewährsmann, weil in engem Verkehr mit dem Spanischen Gesandten, musste das Italienische oder Spanische beherrschen. Und dann schliesst er auf den Böhmischen Kanzler Lobkowitz, weil dieser mit dem Spanischen Gesandten verkehrte und die Spanische Sprache beherrschte. – Nebenbei bemerke ich, dass Gindely (S. 28/9) das Wort giornata nicht richtig mit „Reise“ übersetzt. Es handelt sich um die Dinge, die bis zur Reise nach Wien, am Hof zu Prag von Tag zu Tag (alla giornata; ganz ebenso S. 45 Z. 11; S. 26 Z. 5; S. 23 Z. 2) vorkommen würden.
  84. Sendo quella corte venalissima S. 29.
  85. S. 43.
  86. Seinem Einfluss gibt er die Hingabe des Kaisers an Wallenstein schuld, und diesen Einfluss hat Wallenstein durch vollzogene und in Aussicht gestellte Schenkungen an den Jesuitenorden gewonnen. (S. 27.) – Ueber die dort erwähnte Zuwendung der Kirche St. Nikolaus in Prag und Wallenstein’s Schenkung für das neu gegründete Collegium vgl. Historia societatis Jesu VI, 2 (Cordara) a. 1626 Nr. 89 ff. Ueber die von ihm in dem unterworfenen Norddeutschland für die Jesuiten in Aussicht genommenen Gründungen vgl. sein Schreiben vom 29. Mai 1629 bei Gindely II S. 184.
  87. Gindely I S. 368 Anm. 1.
  88. Gindely II S. 39 Anm., am Ende: que lo que importava era que el emperador estubiese armado. Die Wahl sei zu verschieben, bis das Reich estuviese mas oprimido. – Vgl. auch S. 40 des Berichtes des Anonymus, dass Wallenstein Spanien nur so weit zu Gefallen sein werde, als es in seine Interessen passe, mit der entsprechenden Aussage Aytona’s bei Gindely II S. 39 Anm.
  89. Botsack, 1636. Vgl. Valerianus Magnus, indicium de acatholicorum et catholicorum regula credendi. Wien 1641, S. 186.
  90. Hurter, Wallenstein S. 109. 201. 214.
  91. Wohl in dem von Hurter nur theilweise mitgetheilten Schreiben vom 26. April, wie man aus des Erzbischofs Antwort vom 1. Mai (S. 201) ersieht.
  92. Baiern an Mainz, 1628 Mai 24. (Hurter S. 212.) An den Commissar v. Ruepp, 1628 April 27. (v. Aretin, Beil. S. 34.)
  93. In den dürftigen Fragmenten, die aus der damaligen Correspondenz Maximilian’s vorliegen, fehlt dieser Gedanke. Dass aber Maximilian eine solche Vorstellung an den Kaiser als Ergänzung der militärischen Massregeln ins Auge fasste, ergibt sich aus seinen schon im März gemachten Vorschlägen (Instr. für Richel an Mainz. Gindely I S. 382; bes. S. 387 Nr. 19 a) und den bei der Binger Conferenz gefassten Beschlüssen.
  94. Hurter, Wallenstein S. 229. 233. v. Aretin S. 53. Gindely II S. 50 ff.
  95. Hurter S. 213. 221.
  96. a. a. O. S. 201/2.
  97. Seine Werbung am 5. Mai; des Kurfürsten Resolution am 7. Mai. (Hurter, Ferdinand II. Bd. IX S. 578.) Da aber Aytona am 27. Mai sich noch auf schriftlichen Bericht Bruneau’s beruft (Gindely II S. 38 Anm.), so muss er damals noch nicht an den kaiserl. Hof zurückgekehrt sein.
  98. Erwähnt in Aytona’s Bericht vom 27. Mai. (Gindely II S. 38 Anm.)
  99. Mittheilung des personaggio. (Aretin S. 44.) Er spricht nur von einem Bericht, während der Gesandte doch eine Reihe ungünstiger Berichte einsandte (1627 März 31, Sept. 13, 1628 Febr. 12, März 31. Gindely S. 205 Anm. 2; 302/3; 368 Anm.; 369). Sollte er nicht den vor allen anderen feindlichen Bericht von 1627 Sept. meinen, der den vorzeitigen Auftrag, für Wallenstein’s Absetzung zu wirken, hervorrief? (S. o. S. 40 Anm. 2.)
  100. Hame parecido conveniente dar quenta a v. M. (Philipp) y s. a. (Isabella) etc. (Gindely II S. 38 Anm.)
  101. Baiern an Tilly, 1629 Juli 10. (v. Aretin S. 64.) Mainz an Baiern. Juni 25. (Gindely II S. 161.)
  102. v. Aretin, Beil. S. 51 ff. Daselbst S. 50 Maximilian’s Schreiben vom 16. August.
  103. Oct. 9: il segreto di questa cifra. (S. 54.)
  104. Rovinare la liga cath. (S. 30); ridurre a niente quell’ esercito; disfare quell’ esercito. (S. 39. 42.)
  105. Der Brief vom 28. Aug. bei Gindely II S. 210. Ueber seine Folgen vgl. Chlumecky Nr. 264 (S. 181); 267 (S. 186).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: wider