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Seite:Die Gartenlaube (1883) 512.jpg

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Verschiedene: Die Gartenlaube (1883)

schöne Falten zu legende Toga (Pallium, Shawl) aus ganz weichem Stoff. Diese Kleider nehmen sich sehr gefällig aus, eignen sich aber weder für alle Welt noch für alle Umstände und Beschäftigungen; sie üben auf keinen Körpertheil Druck aus, aber im Punkte der Bewegungsfreiheit sind sie nicht besser als die jetzigen Moden.

Die Entdeckung, praktische Berwerthung und allgemeine Anerkennung aller richtigen Grundsätze und Details einer definitiven Umwälzung wird selbstverständlich viel Nachdenken und eine sehr lange Zeit beanspruchen; aber sicherlich wird es über kurz oder lang zur Verwirklichung der menschenfreundlichen Reformbestrebungen kommen; die blöden Straßenschleppen und manche andere Unsinnigkeiten sind bereits verschwunden – hoffentlich wird die Vernunft bald auch in anderen Einzelheiten triumphiren und schließlich einen vollständigen Sieg erringen. Die Sache ist zu wichtig, als daß wir glauben könnten, sie werde im Sande verlaufen, und wir wünschten, daß sich einige deutsche Frauen bereit fänden, die hier begonnene Bewegung auf den heimathlichen Boden zu verpflanzen; wie das Uebel international ist, sollte auch die Abhülfe international werden.

Vorläufig, bis sich die Ansichten über die Zukunststrachten ein wenig geklärt haben werden, müssen wir mindestens versuchen, die gegenwärtig im Schwange befindliche Art der Bekleidung unschädlicher zu machen, als sie es ist.




Blätter und Blüthen.

Unsere Illustration auf Seite 509. Paul Meyerheim’s Bild einer Dorfstraße, bedarf keiner Erklärung. Auch über den Künstler hat die „Gartenlaube“ ihren Lesern im Jahrg. 1869 (S. 814) so ausführliche Mittheilungen gemacht, daß wir hier nur auf die beiden früher in unserm Blatte in Holzschnitt wiedergegebenen Gemälde des trefflichen Meisters in der Darstellung von Menschen- und Thiergestalten hinzuweisen brauchen: auf seine Savoyardenkinder (1869) und seine Königstiger-Familie (1880). Hinsichtlich des vorliegenden Bildes möchten wir besonders auf die beiden Kindergruppen aufmerksam machen. Das „Zusehen“ gehört bekanntlich zu den Hauptfreuden der Kinderwelt, und daß ein Kesselflicker im Dorfe dazu Gelegenheit bietet, ist offenbar. Eine gleich große Kinderfreude ist’s, auf dem Erntewagen mit heimzufahren, und darum konnte der vor uns von dem mächtigen Rindergespann gezogene gar nicht schöner geschmückt werden, als mit den fröhlichen Kindern. Auch der alte Kesselflicker und das junge Mädchen, das ihm neue Arbeit bringt, sind eine beachtenswerthe Gruppe. Paul Meyerheim, der schon 1876 bei der Ausstellung in Paris die große goldene Medaille erhalten hat, ist Mitglied der Akademie in Berlin und der Belgischen Gesellschaft der Aquarellisten.




Zum Besten des Schulze-Delitzsch-Denkmals ist soeben im Verlage von Ernst Keil in Leipzig erschienen: „Das Begräbniß des Anwalts der deutschen Genossenschaften, Reichstagsabgeordneten Dr. Schulze-Delitzsch. Dargestellt von Dr. F. Schneider, stellvertretenden! Genossenschaftsanwalt.“ Preis 30 Pfennig. – Vielen Verehrern des großen Volksmannes wird es ohne Zweifel erwünscht sein, nicht nur eine Schilderung der ergreifenden Leichenfeier, sondern auch den wortgetreuen Abdruck der am Sarge Schulze’s gehaltenen Reden zu besitzen, und so dürfen wir wohl hoffen, daß das Büchlein den im Interesse der guten Sache erwünschten Absatz finden wird.




 Hoffe!

Ist das Glück ein Sonnenstrahl,
Muß das Leid die Wolke sein,
Die mit Thränen ohne Zahl
Hüllt das Glück in Schatten ein.

Ewig kann in Purpurpracht
Nicht die goldne Sonne stehn.
Wolken kommen wie die Nacht –
Wolken müssen weiter gehn.

Meinst du auch, ein herb Geschick
Brach dein junges Glück entzwei;
Hoffe auf der Sonne Blick,
Denn die Wolke – geht vorbei. –
 J. F.

Gehäuse der Köcherfliegen-Larven (vergrößert).
Originalzeichnung von E. Schmidt.

Die Fremden in Paris. Die großen Städte üben auf Auswanderungslustige stets eine mächtige Anziehungskraft aus, und in jeder derselben bilden die Ausländer einen nicht unbedeutenden Theil der Bevölkerung. Aber keine Stadt dürfte so stark mit fremden Elementen durchsetzt sein, wie die Hauptstadt der französischen Republik. Während z. B. in Berlin auf 1000 Seelen 13 Ausländer kommen, entfallen in Paris 75 Ausländer auf je 1000 Einwohner. Die Statistik weist ferner nach, daß von den Parisern kaum der dritte Theil in Paris selbst geboren wurde. Nach den vor Kurzem veröffentlichten amtlichen Berichten der Volkszählung von 1881 hatten in der Stadt ihren festen Wohnsitz: 45,281 Belgier, 31,190 Deutsche, 21,577 Italiener, 20,810 Schweizer, 10,789 Engländer, 9250 Holländer, 5927 Amerikaner, 5786 Russen, 4992 Oesterreicher und 3616 Spanier. Die Zahl der Deutschen ist in den letzten Jahren besonders stark gewachsen, denn noch im Jahre 1876 betrug sie nur 19,024. In demselben Jahre belief sich die Zahl der Ausländer überhaupt auf 119,349, und sie stieg in der Zeit bis zum Jahre 1881 auf 164,038. Diese 44,689 Ausländer bilden aber nicht weniger als den fünften Theil des Gesammtzuwachses der Bevölkerung von Paris in den genannten Jahren. – Daß aber diese amtlichen Zahlen nicht ganz zuverlässig sind, ist unseren Lesern aus dem im vorigen Jahre (Nr. 52) in der „Gartenlaube“ erschienenen Artikel: „Deutsches Vereinsleben in Paris“ bekannt, in welchem Max Nordau nachwies, daß viele „Deutsche aus beklagenswerther Feigheit sich als solche nicht bekannten“, sondern die betreffende Rubrik in dem ihnen zugeschickten Zählblättchen unausgefüllt ließen, oder sich für Oesterreicher etc. ausgaben. Die in Frankreich naturalisirten Deutschen wurden aber als Franzosen mitgezählt. Max Nordau berechnete die Zahl der deutsch-sprechenden Einwohner von Paris aus etwa 100,000, und so wäre der Antheil der Ausländer an der Entwickelung und dem Ruhme der französischen Hauptstadt noch größer, als dies schon aus der amtlichen Statistik erhellt.




Kleiner Briefkasten.

O. K. in D. Ihre anonymen Anfragen liegen im Papierkorbe und werden so lange unbeachtet bleiben, bis Sie sich der von uns nun oft genug erbetenen Ordnung fügen, uns Ihre Adresse anzugeben. Der Schluß Ihrer Zuschrift: „Bitte bestimmt um gefälligen Aufschluß“ klingt für ein Gesuch um eine Gefälligkeit fast ebenso kühn wie Ihre Anfrage selbst: „Welches ist der direkteste Weg respective Route von München nach Jerusalem?“

A. J. in G. Wenden Sie sich an die städtische Sparkasse in Darmstadt mit der Bitte um das nöthige Material. – Glück auf!

K. E. in C. Altersasyl betreffend. Wir bitten um die Adresse, um unser Asylverzeichniß senden zu können.

F. H. Die Wiederholung des historischen Festspieles in Rothenburg ob der Tauber (vergl. „Gartenlaube“ 1882, S. 492 und 508) wird am 13. August dieses Jahres stattfinden.




Inhalt: Ueber Klippen. Erzählung von Friedrich Friedrich, S. 497. – Das erste allgemeine deutsche Kriegerferst in Hamburg. Von Harbert Harberts, S. 500. Mit Illustration von P. Duyffcke, S. 501. – Eine wenig Beachtete, S. 503. Mit Abbildungen von E. Schmidt, S. 504 und 512. – Kleine Bilder aus der Gegenwart. Nr. 3. Im Taucherpavillon der Hygiene-Ausstellung in Berlin, S. 505. Mit Abbildung von A. von Roeßler, S. 505. – Heiße Stunden. Von Wilhelm Kästner (Fortsetzung), S. 506. – Mode und Kleiderreform in England. Von Leopold Katscher, S. 508. Mit Abbildung S. 510. – Blätter und Blüthen: Unsere Illustration (mit Illustration von Paul Meyerheim auf S. 509. – Zum Besten des Schulze-Delitzsch-Denkmals. – Hoffe! – Die Fremden in Paris. – Kleiner Briefkasten, S. 512.


Für die Redaction bestimmte Sendungen sind nur zu adressieren: „An die Redaction der Gartenlaube, Verlagsbuchhandlung Ernst Keil in Leipzig.“



Unter Verantwortlichkeit von Dr. Friedrich Hofmann in Leipzig. – Verlag von Ernst Keil in Leipzig. – Druvk von Alexander Wiede in Leipzig.
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Verschiedene: Die Gartenlaube (1883). Leipzig: Ernst Keil, 1883, Seite 512. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1883)_512.jpg&oldid=- (Version vom 10.1.2024)