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Seite:Die Gartenlaube (1883) 373.jpg

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Verschiedene: Die Gartenlaube (1883)

zum Muster nehmen. In England giebt schon seit 1847 ein Gesetz besondere Vorschriften über Anlage von öffentlichen Spiel- und Erholungsplätzen, viele Gemeinden gehen aber weit darüber hinaus und bringen die größten Opfer. London verwendet Millionen dafür; Bradford hat ebenfalls mit einem Kostenaufwand von fast drei Millionen Mark fünf große Spielplätze geschaffen, Leeds hat deren auch fünf, Birmingham neun, auch kleine Orte sind nicht zurückgeblieben. – Welch schöne Beispiele! Selbstverständlich müssen neben den Spielen das Turnen, Schwimmen, Schlittschuhlaufen, besonders auch gemeinschaftliche kleine Wanderungen eifrig gepflegt werden „Der Gewinn davon,“ schreibt Minister von Goßler, „kommt nicht der Jugend allein zu gut, sondern unserem ganzen Volk und Vaterland.“

E. Stötzner.




Groß-Feuer in Berlin.

Vor 150 Jahren und jetzt.
Culturhistorische Skizze von C. F. Liebetreu.
(Schluß.)

Einhundertundfünfzig Jahre sind nunmehr vergangen, seit der Herr Magister aus Stettin zusammen mit dem Wirth die Gaststube betraten und die Frühsuppe nach den ausgestandenen Strapazen verzehrten.

Im Urwalde des „Nationalparks des Yellowstone“.
Nach der Natur gezeichnet von dem Specialartisten der „Gartenlaube“ Rudolf Cronau.


Wie damals tönen noch heute die Glocken von St. Marien, St. Nicolai und von der grauen Klosterkirche, wie damals stehen noch elende Häuser aus Fachwerk auf hölzernen Pfählen in der Spree an der Fischerbrücke, wie damals besteht noch der Mühlendamm mit seinen Baracken, seiner engen Straße. Aber wie anders ist sonst die Residenz geworden! Aus 76,000 Einwohnern wurden es mehr als eine Million, und wo einst das Häschen in aller Seelenruhe das ferne Kohlfeld des Gärtners besuchte, wo knorrige Fichten und Föhren standen, oder wo die Spree weite Sümpfe bildete, wo der einsame ermüdete Wanderer durch tiefen Sand der Stadt zustrebte und sich furchtsam umsah nach Raubgesindel, da reiht sich jetzt Palast an Palast, da wogt es durch die Straßen, Gas- und elektrisches Licht verdrängt die Nacht, Tausende von Fuhrwerken jagen durch die Straßen, die Pferdebahnen durchziehen mit ihren Geleisen das Pflaster und dort, wo einst der Herr Magister am Georgen-Thor dem Thorwart hat Rede stehen müssen, da liegt jetzt der Alexander-Platz, und die Züge der Stadteisenbahn, die West und Ost des Häusermeeres verbindet, brausen darüber hin sicher und gefahrlos denn Tausende von Steinbogen sichern ihnen oben den Weg.

Wieder ist’s ein schwüler Sommerabend. Der Bäckermeister Friedrich Wilhelm Steffen steht behaglich in der Thür seines kornblumenblau tapezirten Ladens mit den blendend weiß lackirten Regalen, schaut schmunzelnd auf das große Schaufenster mit den verschiedenen Gebäcken hinter der riesig großen Scheibe und freut sich seines Daseins. Warum sollte er auch nicht? Hat er doch in seinem Vaterstädtchen ehrlich gearbeitet und gespart und, da „Mutter“ auch ein paar Groschen als Mitgift bekommen, hat er das Streben seines ganzen Lebens erreichen können: er hat ein Haus in Berlin gekauft und seit vier Wochen heizt er in der Kaiserstadt allnächtlich mit den Gesellen seinen Backofen, und in den freien Stunden des Tages, da steht er glückselig wie ein Pascha in der Thür seines Ladens, schaut auch hin und wieder hinauf auf die drei Stockwerke bis zur Dachfirste, um sich an der Größe des Besitzes zu erfreuen.

Ein Straßenjunge kommt pfeifend vorbei, die Hände in den

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Verschiedene: Die Gartenlaube (1883). Leipzig: Ernst Keil, 1883, Seite 373. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1883)_373.jpg&oldid=- (Version vom 4.1.2024)