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Seite:Die Gartenlaube (1883) 193.jpg

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Verschiedene: Die Gartenlaube (1883)

Leider gestattet uns der engbemessene Raum nicht, Näheres über die anderen berühmten Werke des unsterblichen Meisters zu berichten. Rom darf sich des Besitzes der meisten von ihnen rühmen. In Deutschland findet man außer in Dresden noch in Berlin, München und Wien werthvolle Gemälde Raphael’s.

Die edlen durchgeistigten Züge des großen Künstlers hat einer der idealsten Meister der modernen Bildhauerkunst, Professor Ernst Hähnel, in seiner vollendeten Statue wiederzugeben gewußt. Die Bildsäule, welche unser heutiger Holzschnitt auf S. 192 wiedergiebt, schmückt die herrliche Façade des Dresdener Museums. Denselben Entwurf hat Hähnel zu wiederholten Malen geschaffen, und am vollendetsten ist ihm die Ausführung desselben in der Marmorstatue gelungen, welche das Leipziger Museum ziert.V-s.     




Dorffeste zur Osterzeit.

1. ’s Fensterln im oberbaierischen Gebirge.

Scheltet nicht, ihr strengen Alten, daß die Jugend schlicht
Will an euren Sitten halten! Alte, scheltet nicht!
Hieltet ihr einst Osterfeier still und siegsbewußt:
Heut’ sind’s noch dieselben Eier, ist’s dieselbe Lust.
Klettertet wie Nachtgespenster ihr nach keckem Brauch:
Heut’ ist’s noch dasselbe Fenster und die Liebe auch.
Ist der Treue Bund gelungen euch für lebenslang,
Ei, so gönnt’s auch euren Jung’n auf demselben Gang!
Fragt nur in den eignen Herzen die Erinnerung,
Und ihr wünscht zu Ernst und Scherzen auch die Jugend jung.
Auferstehung ist’s! Frohlocken schall’ empor zum Himmelszelt,
Und beim Klang der Osterglocken freue sich die ganze Welt!

Nicht überall steht dem bekannten Unruhestifter Amor ein leicht zugängliches Terrain zu Gebote, auf welchem er mit aller Gemächlichkeit seine Intriguen in Scene zu setzen vermag. In den Städten hat er den Ballsaal, wo er die Herzen förmlich zusammencommandirt, die Gesellschaften, in denen er die jungen Leute spielend an einander kettet, die Promenaden, wo er sie als hinterlistiger Führer stets in einen Engpaß zur Begegnung hineinlockt, die auf die Straßen herabgehenden Fenster, von denen er einen eigenthümlichen Fernsprechapparat construirt, und zuletzt gar noch das Eis, auf welchem er die für einander Bestimmten sich gegenseitig förmlich in die Arme wirft. In den Dörfern treibt er sein Wesen nicht minder, allein sein Geschäft wird ihm durchweg etwas saurer gemacht. Nicht als ob er an Erfolgen ärmer wäre, aber man behandelt ihn weniger gentil, und er muß oft eigene Wege gehen, um nicht die Zielscheibe des allgemeinen Spottes zu werden. Gewöhnlich lauert er vor der Kirchenthür

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Verschiedene: Die Gartenlaube (1883). Leipzig: Ernst Keil, 1883, Seite 193. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1883)_193.jpg&oldid=- (Version vom 25.12.2023)