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Seite:Die Gartenlaube (1883) 161.jpg

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Verschiedene: Die Gartenlaube (1883)

„gesunde Realismus“ der Münchener Schule, seine Rechte geltend – eine Fülle von Sprachen, aber doch kein Babel; denn die leitende Hand des Ordners fehlt nicht. Von allgemeinen Begriffen, wie Zeit, Ewigkeit, Dauer und Vergänglichkeit ausgehend, führen uns die allegorischen Darstellungen durch das ganze Menschenleben, wie es sich in Jugend und Alter, in Eheglück und Wittwenstand, in Leben und Tod ausdrückt, durch die Jahreszeiten, Monate, Tage und Tagesstunden bis zu Licht und Finsterniß, zu den Elementen und den vom Menschen dienstbar gemachten Naturkräften, wie Elektricität und Magnetismus.

Sodann beginnt auf den weiteren 48 Tafeln desselben Bandes, welche insbesondere dem Kunstgewerbe eine hochwillkommene Gabe sein dürften, eine Reihe von gewerblichen Emblemen und Zunftwappen, theils wie sie alte Denkmäler, namentlich Grabstätten, aus der großen Blüthezeit des deutschen Zunftwesens, enthalten, theils neue Entwürfe, theils auch beide in künstlerisch empfundener Vereinigung. Die wenigen Proben aus dem Gerlach’schen Werke, welche wir vorführen, sind beiden obenerwähnten Theilen des bisher veröffentlichten ersten Bandes entnommen und sollen eben nur andeuten, was in denselben angestrebt wird.

Das Wappen der Flößer.
Aus dem Prachtwerke „Allegorien und Embleme, herausgegeben von Martin Gerlach“.

F. Simm in München entwirft in unseren Abbildungen zwei allegorische Darstellungen der Welttheile Afrika und Australien, während das Zunftwappen der Flößer (1882) ein moderner, aber höchst charakteristisch gehaltener Entwurf des begabten A. Seder ist. So ist in dieser Publication ein wahrer Schatz gehoben, ein stolzes Capitel deutscher Geschichte in deutlich sprechenden Bildern entrollt, wofür dem Herausgeber, welcher sich bereits durch die Publication des bekannten Werkes: „Das Gewerbe-Monogramm“ ein Verdienst um die Reformbestrebungen unseres Kunstgewerbes erworben hat, die Anerkennung nicht versagt werden darf.

Die nimmerfrohen Zweifler aber, die immerzu jammern und klagen, daß die Kunst rettungslos dahinsieche in unserer nüchternen Zeit des Dampfes und der Elektricität, wird ein Blick auf dieses Werk überzeugen, daß es mit dem Absterben noch seine guten Wege habe. Unsere Künstler sind eifrig bestrebt, die Brücke zu bauen, welche das Fabelreich des Schönen mit unserem modernen Leben, unseren Hoffnungen und Wünschen verbinden soll. Vielleicht ist die Allegorie ein erster Pfeiler zu dieser Brücke.

Karl Weiß.     




Vernünftige Gedanken einer Hausmutter.[1]

Von C. Michael.
Nr. 19. Ein Gruß.

Ein Gruß ist ein gar eigen Ding – so wenig ist er, und doch oft so viel! Er ist ein kleines Wort, eine flüchtige Geberde, ein Hauch, ein Blick, oft nur der Ton eines längst verklungenen Liedes, der Duft einer Blume, ein vergilbtes Blatt mit halb verlöschten Schriftzügen. Solche stumme Grüße erschüttern uns in tiefster Seele, wenn sie plötzlich hinein klingen in das Alltagsleben.


  1. Es freut uns, unseren Lesern mittheilen zu können, daß die in Deutschland mit so warmem Interesse aufgenommenen und in der Verlagshandlung der „Gartenlaube“ als Buch erschienen „Vernünftigen Gedanken einer Hausmutter“ nunmehr auch der englisch redenden Welt in einer gediegen ausgestatteten Uebersetzung dargeboten werden. Wir rufen den soeben zur Ausgabe gelangten „Practical Thoughts of a mother“ (New-York, Dood, Mead und Comp.) ein herzliches „Willkommen!“ und „Glück auf!“ zu.D. Red.     
Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die Gartenlaube (1883). Leipzig: Ernst Keil, 1883, Seite 161. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1883)_161.jpg&oldid=- (Version vom 24.12.2023)