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Seite:Die Gartenlaube (1883) 152.jpg

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Verschiedene: Die Gartenlaube (1883)

die ihnen so fremd geworden waren. Und die Mütter, die waren vor Stolz auf ihre Lieblinge ganz aus dem Häuschen. Eine, deren kleiner Junge im Chor mitgesungen, behauptete steif und fest: „Ich hab’ jedes Tönle von meinem Hanjörgle gehört!“ Und alle stimmten ihr gern bei; es war ja ein Herz und eine Freude im Saal.

Die Eltern belohnten nun die Kinder mit aller möglichen und landüblichen „Lustbarkeit“: Bratwürste und Bier, Spiel und Tanz, alles war ihnen geboten. Auch der Cantor und ich ernteten nachträglich noch Lob und Dank in Fülle. Etwas Unerhörtes nannte es der Cantor, daß die Bauern, die für Bücher freiwillig selten einen Pfennig ausgaben, jetzt auch Textbücher des „Schulfestes“ kauften. Er sagte mir noch beim Scheiden:

„Gesiegt haben wir heute, ob’s aber ein wahrer Triumph ist, wird sich erst morgen zeigen.“

Diesmal kam ich schon nach acht Tagen wieder in’s Dorf. Ich mußte wissen, wie es mit dem „wahren Triumph“ stehe. Schon im Pfarrhaus erfuhr ich, daß der Cantor im Glück völlig schwimme, aber er wollte mir das selber sagen. So ging ich denn hinüber in’s Schulhaus und stieg in seine Wohnung hinauf. Freudestrahlend empfing mich der Alte, führte mich jedoch gleich die Treppe wieder herunter und in die Schulstube.

„Nur hier,“ begann er gleich, in dem Raume, wo ich jetzt so glücklich bin, kann ich Ihnen sagen, Herr Doctor: der Triumph ist ein wahrer und vollständiger geworden. Gleich am anderen Morgen kamen alle Kinder, vom kleinsten bis zum größten, sauber und reinlich, Gesichter und Hände wie aus dem Ei geschält, kein Kleidungsstück zerrissen oder beschmutzt, und die Kinder fühlten das neue Glück und sind seitdem die Artigkeit und Aufmerksamkeit selbst. Ich bin der glücklichste Schulmeister auf der ganzen Welt, weil wir’s so weit gebracht haben, daß die Eltern in ihren Kindern wieder eine Gottesgabe achten, kurz, daß sie Achtung vor ihren Kindern haben.“

Hier endet dieses Erlebniß von meinem alten Cantor. Das geschah vor etwa dreißig Jahren. Seit wohl zwanzig Jahren ist er todt, aber sein Andenken lebt noch in dem Dorfe, ebenso wie das des guten Pfarrherrn und seiner edlen Gattin, die nun auch im Grabe ruhen. Die Kinder, die damals sangen, sind längst selbst Väter und Mütter, ja vielleicht schon Großeltern geworden. Ob sie wohl jenes Fest ihrer Kindheit vergessen konnten? Fr. Hofmann.     




Verdienstvolle Anerkennung. Das rücksichtslose und gewaltige Vorwärtsstürmen im amerikanischen Leben ist fast sprüchwörtlich geworden. In dem Eifer, es schnell „zu etwas zu bringen“, werden alle Kräfte angestrengt, mag auch vieles dabei zu Grunde gehen, was der Erhaltung werth wäre. Gefühlsschwärmerei und Sentimentalität liegen dem Durchschnitts-Amerikaner vollkommen fern. Anders ist dies mit den Deutschen, die sich jenseits des Oceans in der großen transatlantischen Republik niedergelassen haben; auch sie lassen es an Fleiß und Arbeitsamkeit selten fehlen, aber zugleich sind sie doch auch vielfach darauf bedacht, sich das Leben angenehm zu machen und zu schonen, was der Schonung werth ist. So dachte und denkt zum Beispiel auch eine Anzahl deutscher Ansiedler in Wyoming-County im Staate Pennsylvanien.

Dort, wo ein Flußarm des Susquehanna, der sogenannte North Branch, sich durch die Bergabhänge und das Plateau des Alleghany-Gebirges hindurchwindet, unweit des Ortes Bella Sylva, existirt eine Anzahl blühender deutscher Niederlassungen. Die Gegend ist reich an Flüssen und Bächen, und laubreiche, dichte Waldungen fehlen dort nicht. So liegt es denn nahe, daß unsere Landsleute in Wyoming-County, wenn die gewöhnlichen Tagesarbeiten es erlauben, sich gern nach der Sitte unserer Altvordern dem Vergnügen der Jagd und der Fischerei hingeben. Sie thun dies aber nicht, wie es sonst die Regel in Amerika ist, ohne alle Rücksichtnahme auf den Bestand des Wildes in den Wäldern und der Fische in den Seen, Flüssen und Bächen, sondern sie halten eine gewisse Schonzeit streng inne. Es hat sich nämlich vor nicht langer Zeit in dem genannten County eine von der Gesetzgebung des Staates Pennsylvanien anerkannte Jagdgesellschaft unter dem Namen „Loyal Sock Society“ gebildet, deren Aufgabe es ist, das Wild durch Beobachtung einer längeren Schonzeit zu schützen.

Der Verein besteht aus nahezu hundert Mitgliedern und hat seinen Hauptsitz in Bella Sylva; es gehören zu ihm Gelehrte, Kaufleute, Handwerker und Farmer. Die Dauer der regulären Jagdzeit ist eine verhältnißmäßig sehr kurze; sie währt nur vom 1. October bis zum 31. December jeden Jahres, und sogenannte Parforcejagden sind ganz verboten. Das Wild in Wyoming-County besteht, abgesehen vom Kleinwild, vorzugsweise aus Hirschen, doch finden sich auch nicht selten Bären und eine kleinere Art von Panthern. Der Fischfang ist etwas länger freigegeben, als die Jagd; er dauert vom 1. April bis 1. August. Unter den dortigen Fischen zeichnen sich namentlich die Forellen aus, die man mit besonderer Sorgsamkeit pflegt.

Als der in Rede stehende Verein sich unter der Autorität des Staates Pennsylvanien constituirt hatte, war er längere Zeit darüber in Zweifel, welches Symbol er sich für sein Vereinssiegel wählen sollte. Als aber die „Gartenlaube“ in Nr. 39, Jahrgang 1882, ein schönes, ergreifendes Jagdbild (eine Hirschkuh in der Schlinge mit zwei Hirschkälbern) von Guido Hammer brachte, da wurde dasselbe mit Freuden zu diesem Zwecke benutzt. Der genannte Thier- und Landschaftsmaler war durch seine trefflichen, in der „Gartenlaube“ von Zeit zu Zeit veröffentlichten „Wild-, Wald- und Waidmannsbilder“ schon längst unseren Landsleuten jenseits des Oceans ein alter, lieber Bekannter geworden, und so geschah es, daß Ende des letztvergangenen Jahres der Jagd- und Fischfangverein in Wyoming-County Herrn Guido Hammer in Dresden zu seinem „Ehrenmitgliede“ erwählte und das betreffende Diplom ihm durch die Redaction der „Gartenlaube“ zustellen ließ.

So wird das hier und da locker gewordene Band zwischen den ausgewanderten und den in der alten Heimath zurückgebliebenen Söhnen unseres deutschen Vaterlandes oft in sinniger Weise wieder angeknüpft. R. D.     




Die Garibaldi-Feier in Asti. Am 18. März dieses Jahres wird zu Asti in Piemont eine solenne Feier zu Ehren Garibaldis stattfinden, nämlich die Enthüllung einer Marmortafel mit der Inschrift: „Hier forderte Garibaldi am 15. März 1867 die Italiener zur Befreiung Italiens auf und prophezeite ihnen den Einzug in Rom.“

Die Marmortafel wird über dem Balcon des Albergo Reale auf dem Alfieri-Platz angebracht werden, von welchem Balcon aus Garibaldi zu den Astigianern gesprochen.

Zu dieser Feier kommen nun aus ganz Italien die Verehrer Garibaldi’s, seine alten Kampfgenossen, Staatsmänner, Poeten etc. zusammen. Unter den sogenannten Portici Pogliani, einer gedeckten Straße in Asti, wird ein öffentliches Banket zu tausend Gedecken aufgeschlagen und von den Garibaldianern selbst, die in den bekannten rothen Hemden erscheinen werden, servirt. Vom Balcon des Albergo aus aber werden alle zu der Feier eingelaufenen Telegramme und Adressen verlesen werden.

Diese Mittheilung über das eigenartige Fest dürfte auch in Deutschland von Interesse sein.




Kleiner Briefkasten.

Emma. Sie haben Recht! Der Wellensittich ist der kleinste unter den sprechenden Papageien. Daraus dürfen Sie aber durchaus nicht folgern wollen, daß auch jeder Wellensittich sprechen lernt. Es werden in Deutschland Tausende von Wellensittichen gehalten, aber man hat nur von dreien oder vieren berichtet, die wirklich einige Worte nachzusagen verstanden. Wellensittiche als sprechende Papageien zu kaufen, ist allemal eine gründlich verfehlte Speculation. Näheres darüber finden Sie in dem Werke: „Die sprechenden Papageien“ von Karl Ruß (Berlin, Gerschel).

Ed. Str. in Constantinopel. Das Vermögen der Tiedge-Stiftung beträgt nach dem Schlusse der Jahresrechnung für 1881 die Summe von 639,528 Mark. – Der „Allgemeine deutsche Schriftsteller-Verband“ zählt augenblicklich etwa 312 Mitglieder.

Ein neugieriger Abonnent. Der Gebrauch des Löffels war schon den Römern bekannt: die Gabel tauchte dagegen als Tischgerät erst im sechszehnten Jahrhundert auf. Bis zu jener Zeit führte man überall die Bissen mit der bloßen Hand zum Munde. Die Kirche widersetzte sich dieser Neuerung, und die Geistlichkeit predigte gegen den Gebrauch der Gabel als gegen eine sündhafte Ueppigkeit. Doch es half alles nicht, wie Sie sehen. und die Gabel ist in überraschend kurzer Zeit zu dem unentbehrlichsten Hausgeräth des Culturmenschen geworden. Können Sie sich heute ein Hofdiner ohne Gabel vorstellen? Schwerlich! Und doch speisten unsere Altvordern Jahrtausende lang ohne dieses nützliche Geräth.

L. L. in New-York. Die Bezeichnung „Dame“ (lateinisch: domina = Herrin) wurde ursprünglich in Frankreich – mit dem Fürwort Ma (Madame) – angewandt, und zwar als Ehrentitel adeliger Frauen; auch war Madame der Titel der Töchter der französischen Könige von ihrer Geburt an. Nach Napoleon’s des Ersten Kaiserkrönung war es der Ehrentitel seiner Mutter, Lätitia, und unter Ludwig Philipp wurde allein dessen Schwester Adelaide mit diesem Titel bezeichnet. In Deutschland kommt „Dame“ seit der zweiten Hälfte des siebenzehnten Jahrhunderts vor, zuerst in anrüchiger Bedeutung gebraucht. Heute ist das Wort, wie Sie wissen, durchaus salonfähig. So verleihen die Mode und die Laune des Zeitgeschmackes, die Landessitte und die Macht des Herrschergebotes den Wörtern eine beliebige Bedeutung. Im skandinavischen Norden ist noch heute ein „Frauenzimmer“ etwas viel Feineres als eine „Dame“.

L. M. in Mariba, Südafrika, sowie D. M. E. D. Nicht verwendbar! Verfügen Sie gütigst über das Manuscript!

B. K. in B. Schwindel!

H. M. in K. und C. H. Ap. Leider ungeeignet!




Zur Beachtung!

Mehrfach uns ausgesprochenen Wünschen entgegenkommend, haben wir uns entschlossen, die

Jahrgänge 1958, 1860 und 1867 bis 1876

der „Gartenlaube“ vorübergehend im Preise herabzusetzen.

Dieselben werden, so weit die geringen Vorräthe es gestatten, in tadellosen neuen Exemplaren zum billigen Preise von

nur 3 Mark pro Jahrgang einzeln

abgelassen und können durch jede Buchhandlung bezogen werden.

Leipzig. Die Verlagshandlung von Ernst Keil. 



Redacteur: Dr. Ernst Ziel in Leipzig. – Verlag von Ernst Keil in Leipzig. – Druck von Alexander Wiede in Leipzig.
Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die Gartenlaube (1883). Leipzig: Ernst Keil, 1883, Seite 152. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1883)_152.jpg&oldid=- (Version vom 21.12.2023)