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Seite:Die Gartenlaube (1881) 218.jpg

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Verschiedene: Die Gartenlaube (1881)

Kurfürsten, in genialer Weise eingeschlagen hatte, als er sich, mitten aus dem Barokwesen seiner Zeit heraus, einem kräftigen und doch durch echtes Schönheitsgefühl gemäßigten Naturalismus zuwandte.

Für die Mitte der Tafel selbst hat nun Heyden ein Hauptstück entworfen, das in seinen figürlichen Theilen von dem genialen Bildhauer Gustav Eberlein, in den ornamentalen von Schleih modellirt worden ist und dessen Abbildung diese Nummer der „Gartenlaube“ schmückt.

Ein in geschwungenen Formen gearbeiteter Rand, an dessen seitlicher Mitte die Widmung der Geschenkgeber Platz finden soll, umfaßt ein wogenschlagendes Wasserbecken, in welchem Tritonen eine stolze Bark am Bug und Steuer in die Wellen zu heben und fortzuschieben im Begriffe sind. Fast vollständig läßt sich der ganze Schiffskörper, der seemännisch genau nach Art der alten venetianischen Staatsbarken gebildet ist, mit seinem Kiel und seinen Planken überschauen. Am Seitenbord tragen zwei reizende kleine Genien das Wappen des prinzlichen Paares. Vom Deck herab schleift eine prachtvolle Decke in das Wasser, und Rosenketten umwinden den Bord des Schiffes. Vorn am Bug kniet vornübergebeugt ein städtischer Herold in mittelalterlicher Tracht, eine wallende Fahne auf der linken Schulter, in der Rechten die Posaune zu lautem Heroldsrufe erhoben. Am entgegengesetzten Ende, am Steuer, erblicken wir nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, Mars und Venus, sondern die ehrsame Gestalt eines altdeutschen Patriziers mit seinem Ehegemahl. Die junge Frau hält einen Palmenzweig, wie schirmend, über ihr Haupt, während ihr Gatte mit fester Hand das Steuer führt; auf diesem Radsteuer sollen die Reliefbilder des prinzlichen Paares ihre Stelle erhalten. Da man aber einmal von allegorischen Figuren abgesehen, hätten wir es richtiger gefunden, in den beiden Gestalten am Steuerrade direkt das prinzliche Paar selbst darzustellen. Ist es doch gewissermaßen ihres Glückes Schiff, das der Künstler hier hat schaffen wollen; denn in der Mitte desselben, da wo sich der Mast erheben mußte, schwebt aus einer von Adlern getragenen Weltkugel die Fortuna, aus ihrem prächtigen Füllhorn reichliche Gaben ausstreuend.

Schon in dem jetzt geschaffenen Gypsmodell, das versilbert und an einzelnen Stellen vergoldet war, ließ sich bei der provisorischen Aufstellung im königlichen Schlosse der prächtige Schwung der Linien, die edle und doch höchst charakteristische Formgebung erkennen, so in dem Herold, der Fortuna und vor Allem in den Gestalten der hebenden und schiebenden Tritonen.

Da das Ganze eine Längenausdehnung von 1,65 Meter hat und die Fortuna sich über ein Meter hoch über der Tafel erheben wird, so liegt es auf der Hand, daß auch die kleinsten Figuren eine solche Größe haben werden, daß der Bildner im Stande ist, ihnen vollen plastischen Ausdruck zu verleihen.

Denkt man sich aber das Werk vollendet und das reizende Spiel der Linien, die edle Charakteristik der Gestalten dann noch belebt durch die verschiedene Abtönung des Silbers, dazwischen den Schmuck der Familie in den Wappenschildern etc., endlich die leeren Räume des Schiffes gefüllt mit köstlichen natürlichen Blumen und dies alles im Glanz der Kerzen, so muß der Eindruck ein festlich berauschender sein. Im Glanze der Kerzen – denn unmittelbar neben dem Schiffe werden sich zwei schlanke Candelaber erheben, lediglich mit Ornamenten geschmückte Aufbauten, während noch zehn andere, entsprechend aus der Tafel vertheilt, mit ihren zweihundert Kerzen dieselben erhellen sollen.

Dem Schiffe schließen sich die vier freien Gruppen der deutschen Hauptströme an; dieselben sind rein monumental gedacht ohne einen praktischen Nebenzweck des Tragens von Blumen oder Früchten. Sie sollen je nach Bedarf zwischen die übrigen Schmuckgeräthe vertheilt werden. Auf flachem Sockel in halb liegender halb sitzender Stellung sind die Figuren der Flußgottheiten dargestellt.

Der Rhein, modellirt von Bruno, ist ein bärtiger kräftiger Mann, dessen Haupt ein Rebenkrarnz bedeckt; seine Rechte ruht auf dem Steuerruder, die Linke aus der weiten Urne. Neben ihm haben Kinder Schalen mit Traubensaft gefüllte andere holen aus der Tiefe das alte Rheingold, den Nibelungenhort, aus dem ein Knäbchen triumphirend die deutsche Kaiserkrone emporhebt.

Die Weichsel, modellirt von Hundrieser, ist eine lebhaft bewegte Frauengestalt, schilfumkränzt. Zu ihren Füßen sitzt ein Knäbchen auf einem Schiffe, andere bringen Fische, Netze, Bienenkorb und Aehren.

Die Oder, modellirt von Geyer, stellt eine anmuthig hingestreckte Frau vor, neben der Kinder mit Krebsen und zierlichen Schiffskörpern spielen.

Die Elbe, modellirt von Calandrelli, ist gleichfalls eine weibliche Figur, welcher Kinder die Attribute der Landwirtschaft und des Maschinenbaues entgegenbringen.

Sodann sind für die beiden Hälften der Tafel seitlich des Schiffes wieder zwei größere, aus den niederen Schmuckgeräthen sich erhebende Mittelstücke gebildet, welche heute ebenfalls den Lesern im Bilde geboten werden. Es find im wesentlichen Werke des Bildhauers Wiese, jedoch hat die sitzenden Gestalten am Fußgestell des einen Moser, die ornamentalen Theile Zacharias gearbeitet. Der Sockel des einen dieser Prachtstücke hat eine breite ornamentale Ausladung und enthält zwei kräftig gekehlte Muscheln mit Blumen gefüllt, wahrend dazwischen zwei Satyrn als Wald- und Wiesengötter sitzen, denen die Pflege der Blumen anvertraut ist. Auf der Mitte des Sockels erhebt sich in prachtvollem Linienschwunge eine frei gearbeitete Gruppe. ein mächtiger Triton, dessen Fischbeine sich zum Sockel herunterschlingen hat in hoch erhobenen Armen ein schönes Weib gepackt, und zwischen diesen Figuren schweben Amoretten; von der Gruppe wird eine gewaltige zackige Muschel getragen, aus welcher sich ein hoher Blumenstrauß erhebt. Das Gegenstück zu diesem Kunstwerke stellt eine ähnliche Gruppe dar; nur bildet hier eine Meernixe, welche einen schönen Jüngling raubt, den Mittelpunkt. Die Figuren am Fußgestelle von Moser haben den Charakter von Wassergottheiten.

Ein weiterer Blumenschmuck soll der Tafel durch vier mächtige Jardinieren zu Theil werden, von denen zwei durch Paul Pietsch im Modell fertig gestellt worden sind. Die lang hingestreckten wuchtigen Körper erinnern an die Terrinen aus dem Silbergeschirr Friedrich’s des Ersten; in der Mitte erscheint das Wappenschild, von zwei Knäbchen gehalten, während die Griffe sich in kräftigem Schwunge mit Maskenschmuck emporheben.

Von den Weinkühlern ist der eine im Modell von Bergmeier, einem Schüler von Reinhold Begas, vollendet. Wir bedauern daß Raummangel uns hindert, auch diesen im Bilde vorzuführen; denn er ist sowohl im Ausbau wie im Detail eine höchst gelungene Composition. Der eiförmige Körper des Gefäßes hat an den untern Seiten kräftige Widderköpfe, deren Hörner von zwei Giganten gepackt werben, und solchergestalt in lebendiger Bewegung, indem ihre Gestalten sich kreuzen, das Gefäß tragen. Am obern Rande des Kühlers zeigt ein Fries in ganz leichtem Relief spielende Kinder. Unten, zu den Füßen der Giganten, sitzt ein munterer kleiner Satyrbursche mit der Panflöte, und das Ganze steht auf einer länglichen, reich geschwungenen Platte.

Bei der symbolischen Ueberreichung der Geschenke durch die Deputation der Städte am 1. März waren die in den Modellen fertigen Stücke zu einem pyramidalen Aufbau auf einem Hintergrunde von purpurrothem Stoff vereinigt. Schon hier waren dieselben von gewaltiger Wirkung, obschon sie dem Auge in vieler Beziehung doch nur Unfertiges boten; denn nur die Hauptlinien und die figürlichen Modelle der Bildhauer sind ganz fertig gestellt worden, während die ornamentalen Theile und alle feineren Details meist nur andeutungsweise behandelt waren; diese sollen erst bei der wirklichen Ausführung in edlem Metalle, welche den Werkstätten unserer besten Silberschmiede anvertraut ist, zur vollen Ausbildung gebracht werden. Daß die endliche Vollendung des schönen Werkes zum Ruhme des deutschen Kunsthandwerkes beitragen wird und daß dieses sich einer so großartig und weit gesteckten Aufgabe würdig erweisen wird, ist, nach dem schon jetzt Geschauten, nicht mehr zweifelhaft.

Und so werden mitten im sonstigen Prunk des Kaiserschlosses diese Gaben deutschen Kunstfleißes stets dem hohen Paare und seinen fürstlichen Gästen die Worte echten Bürgerstolzes aus Schiller’s „Glocke“ sinnbildlich vor Augen stellen:

„Ehrt den König seine Würde,
Ehret uns der Hände Fleiß.“



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Verschiedene: Die Gartenlaube (1881). Leipzig: Ernst Keil, 1881, Seite 218. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1881)_218.jpg&oldid=- (Version vom 13.9.2022)