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Seite:Die Gartenlaube (1878) 485.jpg

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Verschiedene: Die Gartenlaube (1878)


hatten, ein modernes, nun als Sitz oberer Behörden dienendes Schloß; dahinter die Stadtkirche. Wieder einige Villen und Häuser, dann der auch in besonderer Abbildung beigegebene sogenannte Hünische Hof. Zur Vertheidigung der Schnepfenburg waren in frühester Zeit vier Burgmänner (milites burgenses) bestellt, welche ihre Wohnsitze in Kemenaten neben der Burg hatten. Der Hünische Hof, die einzige noch stehende dieser Burgmännerheimstätten, hat seinen Namen von einem seiner Besitzer oder Erbauer erhalten; durch seine Bauart und die üppigste Epheuberankung fesselt er leicht den Blick. Vom Schloß bis hierher ist am Ufer die tiefste Stelle des Sees.

Salzungen mit dem Burgsee.
Nach einer Photographie auf Holz gezeichnet von H. Heubner.

Durch die düsterromantische „Grube“ führt ein anmuthiger Weg zur heitersten Stätte Salzungens, zum Gesellschaftsgarten des „Seebergs“ hinan. Hier, zwischen reizenden Parkanlagen und unter dem Schatten breitästiger Kastanien rollt sich ein farbenreiches Landschaftsbild vor dem Beschauer auf, dessen Hauptschmuck See und Stadt, der Werragrund mit dem schimmernden Fluß und den fruchtbaren Hügeln und hohen langgestreckten Waldbergen hinter ihm bildet, sowie den Gruppen von Dörfern und Gehölzen auf dem grünen Plan der Thäler. Bedeutend weiter in die Runde und Ferne greifend wird die Aussicht, wenn man die höhere „Schanze“ (vom Dreißigjährigen Kriege her so genannt) ersteigt, aber den schönen Bildern des Mittelgrundes zu weit entrückt, bleibt sie an Anmuthigkeit immer hinter der des Seebergs zurück. Auch die Einsicht ist hier gut. Hier perlt der Gerstensaft aus den eisigen Felsenkellern der „Grube“; hier dampfen die Thüringer Rostbratwürste, und wenn das Musikcorps jenes Musiktalents (Mühlfeld’s), das sich vom einfachen Maurergesellen zum Director einer der besten Stadtcapellen aufschwang, das berühmte Echo des Sees erweckt, so gestehen die Gesunden und doppelt freudig die Genesenden aus der Heimath wie der Fremde dankbar ein, daß dieser anspruchslose Winkel Deutschlands zu denen gehört, die man ungern verläßt und immer gern wieder begrüßt.

Fr. Hofmann.



Um hohen Preis.
Von E. Werner.
(Fortsetzung.)
Nachdruck verboten und Uebersetzungsrecht vorbehalten.

Im Schlosse war es einsam und öde geworden. Die Baronin Harder war mit ihrer Tochter nach der Residenz abgereist, und wenn die Dame selbst mit ihren Launen, Ansprüchen und sonstigen wenig liebenswürdigen Eigenschaften von der Dienerschaft nicht vermißt wurde, so vermißte man um so mehr die junge Baroneß, der sich die Herzen Aller zugewendet hatten. Mit ihr war der Sonnenschein in das Haus gekommen. Sie hatte während der wenigen Monate, die sie dort verweilte, Licht und Leben in die düstere und todte Pracht jener Räume gebracht, selbst der Freiherr war in dieser Zeit um so Vieles milder und zugänglicher gewesen, daß man oft den strengen Gebieter gar nicht wiedererkannte. Jetzt war Gabriele fort, ihr Zimmer verschlossen, und Jeder, von dem alten Haushofmeister an bis zum letzten Diener herab, fühlte die Leere, die zurückgeblieben war.

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Verschiedene: Die Gartenlaube (1878). Leipzig: Ernst Keil, 1878, Seite 485. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1878)_485.jpg&oldid=- (Version vom 31.7.2018)