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Seite:Die Gartenlaube (1871) 589.jpg

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Verschiedene: Die Gartenlaube (1871)


junge Embryo in den erbsengroßen, völlig durchscheinenden Eiern sich von Tag zu Tag mehr entwickelt; immer deutlicher werden die Bewegungen, und nach drei bis vier Wochen, je nach der Temperatur des Wassers, treten die Augen als zwei schwarze Pünktchen deutlich hervor. Jetzt ist der geeignete Zeitpunkt gekommen, die angebrüteten Eier zu versenden, denn jetzt ist der junge, noch im Ei befindliche Fisch bereits hinlänglich gekräftigt, um die Beschwerden eines weiten Transportes zu ertragen.

In ein kleines Kistchen wird eine Lage feinstes Moos gebracht, hierauf streut man sorgsam die angebrüteten Eier so aus, daß sie sich so wenig wie möglich berühren, hierauf kommt wieder


Ausbrütungs-Apparate in Hüningen.


eine Schicht feinstes Moos und so fort, bis das Kistchen völlig gefüllt ist. Dieses wird durch einen Deckel verschlossen und kommt in eine größere Kiste, die Zwischenräume werden mit einem schlechten Wärmeleiter, gewöhnlich trockenes Moos oder Werg, ausgefüllt. Bei starkem Froste bedarf es wohl noch einer dritten Umhüllung.

In dieser Weise verpackt können die angebrüteten Eier, ohne Schaden zu nehmen, ganz gut einige hundert Meilen weit transportirt werden. Man hat es sogar ermöglicht, Lachseier von England aus nach dem fernen Australien zu senden, woselbst die Eier gut ankamen und sich vortrefflich entwickelten. Hunderte solcher Kisten, mit je drei- bis viertausend Eiern, werden oft im Winter an einem Tage an kleinere Fischzuchtanstalten gesendet. Für diese Kisten allein hat die Anstalt in manchen Jahren drei- bis viertausend Franken bezahlt.

Mit ganz geringen Kosten kann also in dieser Weise eine Fischgattung in Gegenden verpflanzt werden, wo sie bis dahin nicht vorhanden war. Wollte man eine solche Verpflanzung mit erwachsenen Fischen vornehmen, so würde ein derartiger Versuch Hunderte, ja Tausende von Thalern kosten und dennoch sehr zweifelhaft bleiben, weil alle edlen Fische einen weiten Transport nur sehr schwer ertragen.

Die Anstalt beschäftigt sich nur mit den edelsten aller Süßwasserfische, den Winterlaichfischen oder Salmoniden. Hierzu gehören der Lachs, die See- und Bachforelle, Lachsforelle, Salbling oder Ritter, die Fern oder das Felchen. In untergeordneter Weise werden noch angebrütet die Eier des Donaulachs oder Huchen und der Aesche. Die Eier der letztgenannten Fische werden im Frühjahr gewonnen; ein Transport solcher Eier ist auf weitere Strecken bei der wärmeren Jahreszeit nicht gut thunlich.

In letzterer Zeit hat man auch angefangen, Kreuzungen vorzunehmen, und Bastarde von Lachs und Forelle, Salbling und Forelle sind ganz vortrefflich gedeihende Fische.

Gegen zehn bis zwölf Millionen solcher Eier etc. repräsentiren ein Capital von vielen tausend Thalern. Theils ruhig

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Verschiedene: Die Gartenlaube (1871). Leipzig: Ernst Keil, 1871, Seite 589. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1871)_589.jpg&oldid=- (Version vom 15.9.2022)