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Seite:Die Gartenlaube (1857) 112.jpg

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verschiedene: Die Gartenlaube (1857)


(des Augustus, Hadrian) darstellte. – Auch die Privat-Architektur war bei den Römern glänzend und verschwenderisch entfaltet; dies zeigte sich ebenso an den Wohngebäuden, wie an den Palästen und Villen (Landhäusern) der Vornehmen. Die Ausschmückung der Wohnungen bestand hauptsächlich in Wandmalerei, wie sie zur Zeit noch in Pompeji und Herculanum sichtbar ist.

Nach dem Verfalle des Römerthums entfaltete sich die Architektur in Folge der Herrschaft des Christenthums und des Islams nach zwei verschiedenen Richtungen, deren Mittelpunkte Rom und die neugeschaffene Hauptstadt des oströmischen Reiches, Constantinopel, bilden. (Davon später.)




Blätter und Blüthen.


Ein Bataillon Frauen. Ein Augenzeuge gibt im Pariser „Moniteur de l’Armee“ folgende Schilderung des Heeres des Königs von Siam, der vielleicht nächstens in dem indisch-persischen Kriege eine Rolle spielen wird. Unter den verschiedenen Korps, aus denen das Heer Siam’s zusammengesetzt ist, fesselt Eines besonders die ganze Aufmerksamkeit des Fremden, nämlich das Bataillon Frauen, welches die Leibgarde des Königs bildet. Es besteht dieses Bataillon aus vierhundert Frauen, mit der möglichsten Sorgfalt aus den schönsten und rüstigsten jungen Mädchen des Landes gewählt. Dieses Korps ist ungewöhnlich reich besoldet und eben so vollkommen disziplinirt. Mit dem dreizehnten Jahre treten die weiblichen Gardisten in das Korps und gehören mit dem fünfundzwanzigsten zur Reserve. Dann verlassen sie den persönlichen Dienst des Souveräns und werden bis zu ihrem Hinscheiden als Hüter der königlichen Schlosser und Domänen verwandt. Beim Eintritt in’s Heer legen sie das Gelübde der Keuschheit ab, das sie nur dann brechen können, wenn sie vorn Könige ausersehen werden, unter die Zahl seiner gesetzmäßigen Weiber zu treten, was zuweilen stattfindet. Bei dieser Wahl läßt sich der König mehr von seinem Vortheile, als von seinen Gefühlen leiten: denn es fällt dieselbe nicht auf die schönsten, sondern auf diejenigen Frauen, die sich durch ihre Gewandtheit in der Handhabung der Waffen und in den kriegerischen Uebungen hervorthun. Natürlich hält die Hoffnung einer solchen auszeichnenden Belohnung in dem ganzen Bataillon einen ungewöhnlichen Wetteifer rege, – gerade eine Hauptursache, daß die Frauenschaar die Europäer durch ihr kriegerisches Auftreten, ihre Gewandtheit in allen Uebungen und ihre musterhafte Disziplin zur Bewunderung zwingt. Das Costüme dieser Frauen ist äußerst reich. Ihre Paradeuniform besteht aus einer weißen wollenen Robe von dem feinsten Stoffe und reich in Gold gestickt, die bis auf die Knie reicht. Darüber tragen sie ein leichtes, geschmeidiges Panzerhemd und zum Schutze des Oberkörpers einen vergoldeten Panzer; die Arme sind frei, um sie nicht in der Handhabung der Waffen zu hindern. Den Kopfschmuck dieser Kriegerinnen bildet ein schön geformter, vergoldeter Helm. In diesem Anzuge, der nur bei feierlichen Gelegenheiten, Hoffesten etc. getragen wird, sind sie einfach mit einer Lanze bewaffnet, die sie mit bewunderungswürdiger Geschicklichkeit führen, Ihr gewöhnliches Kostüme in einfacher, und dann besteht ihre Waffe in einer Flinte, die sie nicht minder geschult handhaben. Das Bataillon besteht aus vier Kompagnieen, jede zu hundert Frauen, unter dem Befehl Einer, welche Hauptmannsrang hat. sobald diese Letztere stirbt, versammelt sich ihre Kompagnie sofort zu dreitägigen Waffenübungen in Gegenwart des Königs, welcher die Fähigste und Geschickteste zu der Anführerstelle aus der ganzen Compagnie wählt. Seit fünf Jahren steht das Bataillon unter dem Oberbefehle einer Frau, welche im Jahre 1851 bei einer Tigerjagd dem Könige durch ihren persönlichen Muth und ihre Gewandtheit das Leben rettete. Sie genießt ein hohes Ansehen bei Hofe und hat die größte Autorität über ihre Gefährtinnen. Ihr Hausstand ist völlig dem eines Mitgliedes der königlichen Familie gleich, und zehn Elephanten sind ihrer Verfügung angewiesen. Keinen Feldzug unternimmt der König ohne Begleitung seiner weiblichen Leibgarde; er macht keine Jagdparthie, keinen Spaziergang, ohne von einer Abtheilung derselben begleitet zu sein, da die Ergebenheit der Leibgarde für seine Person eine grenzenlose ist. Jede Frau des Bataillons hat fünf Negerinnen zur Bedienung, braucht sich also gar nicht um ihren Haushalt, ihre Toilette zu kümmern, kann sich vielmehr ganz dem ruhmreichen Waffenwerke widmen.




Amtliche Indianerjagd. Ein Indianeragent in Florida fordert in einer offiziellen Bekanntmachung zum Einfangen, resp. zur Anwerbung von Indianern auf. Dieselben müssen in ein Fort abgeliefert und sollen nach dem Westen abgesandt werden. Die ausgebotenen Preise sind nicht unbeträchtlich: 250 bis 500 Dollars für jeden Krieger, 150 bis 200 Dollars für jede Squaw, 100 bis 200 Dollars für jeden Knaben über zehn Jahre. Das Maximum soll für jedes rüstige Individuum, für Kranke und Altersschwache je nach Abschätzung, jedoch nie weniger als das oben genannte Minimum, bezahlt werden. Für Kinder unter zehn Jahren wird kein Cent vergütet; ob man sie nach Einfangung ihrer Eltern und Geschwister sich selbst zu überlassen gedenkt, ist aus der Bekanntmachung nicht zu ersehen. Es ist dies wohl eine neue Art der Kriegsführung, von der es sich nicht leugnen läßt, daß sie ihre überraschenden und pikanten Seiten hat. Für 100 bis 500 Dollars unterzieht man sich schon einer Strapaze und im Nothfall auch einiger Gefahr. Man wird den Indianern Schlingen und Gruben jeder Art stellen, wird sich ihnen unter dem Anscheine freundlicher Absichten nähern und sich ihrer dann bemächtigen; man wird großartige Treibjagden veranstalten und allen Scharfsinn aufbieten, das edle Wild nicht zu verletzen, weil eine Hieb-, Stich- oder Schußwunde den Werth desselben verringern würde. Der Zweck des liebenswürdigen Aufgebots und die Bestimmung der Eingefangenen wird nicht ausgesprochen. Will man auf diese Weise Florida von Indianern säubern, so verdient der Umstand, daß nur für Lebende und nicht für Todte Preise ausgeboten werden, lobende Anerkennung. Aus dem Umstande, daß so besonderes Gewicht auf das Alter und die körperliche Beschaffenheit der Aufgejagten gelegt wird, scheint hervorzugehen, daß man sie irgendwo im Westen zu irgend Etwas zu benutzen und auf diese Weise den Kaufpreis wieder einzubringen gedenkt. Will man sie als Heloten in Texas und Mexico anbringen, oder, wie die Chinesen, als freiwillige Lehrlinge nach Kuba senden? Wir wissen es nicht, müssen aber noch einmal dem Agenten, welcher nicht zur Einbringung von Köpfen, sondern von lebenden Menschen auffordert, unsere aufrichtige Bewunderung zu erkennen geben. Nach Ausspruch des Kongresses sind die Indianer als selbständige Nationen zu betrachten. Daß man auf solche Jagd zu machen pflegt, haben wir freilich nicht gewußt.

New-York. Crim.-Ztg.




Ein südamerikanisches Urtheil über Leipzig. Während meines Aufenthaltes in St. Jago, der Hauptstadt der Republik Chile in Südamerika, fiel mein Auge eines Abends im Hotel auf ein Zeitungsblatt, el Ferro-carril (die Eisenbahnn und nicht wenig erstaunt war ich, in einem Artikel des Feuilleton das Wort „Leipzig“ zu finden. Als Leipziger nahm ich mit Interesse das Blatt zur Hand und las mit Vergnügen einen Reisebericht, den ein Chilene, der von 1853-55 in Europa gereist war, seinen Landsleuten vorlegte. Sein Urtheil über Leipzig gebe ich hier wörtlich wieder und ich hoffe, daß es von den Leipzigerinnen nicht allzu ungünstig aufgenommen werden wird.

„Nach einem angenebmen und nützlichen Aufenthalte von zwei Tagen in Freiberg, reisten wir nach Leipzig, der zweiten Stadt Sachsens, berühmt durch seine Universität, welche auch Leibnitz und Goethe unter ihre Schüler zählt. Jetzt ruht seine größte Wichtigkeit auch mit in den Buckdruckereien und dem Buchhandel, welchen es mit ganz Deutschland unterhält, denn es ist der Brennpunkt der intellektuellen Thätigkeit dieser großen Nation, welche nur von Intelligenz lebt. Alle Jahre vereinigen sich in den beiden großen Messen über 600 Buchhändler, die in ihren Geschäften einen Umsatz von zwei Millionen Species geben.

„Die Stadt besteht aus drei oder vier großen Straßen mit alten und hohen Gebäuden, die sich in verschiedenen Ricktungen innerhalb der Stadtmauern jetzt in öffentliche Spaziergänge verwandelt ausdehnen, und durch enge und krumme Gäßchen verbunden sind. Ein großer und alterthümlicher Platz als Markt dienend, nimmt den Mittelpunkt der Stadt ein und ist, wie die größere Anzahl der Straßen, mit einigen Brunnen geziert. In der Abendstunde sah ich zu diesen Brunnen die Dienstmadchen gehen, mit ihren reinlichen Einern, welche sie füllten und dann wieder gingen. Es war ein Anblick, dessen Betrachtung entzückte; diese Gruppen der Mädchen von zauberischer Schönheit, die sich gegenseitig in ihrer Arbeit halfen, sich mit Lächeln Dank sagten und auf dem Trottoir entfernten, mit niedergeschlagenen Augen, keuscher Stirn, und bloßen weißen Füßen, alle den Neid und alle die Bewunderung mit sich nehmend, welche die Schönheit einflößt. Ich gestehe, daß ich in keiner Stadt Enropa’s so viel schöne Gesichter gesehen habe als in Leipzig, schon durch die Bescheidenheit und jungfräuliche Schüchternheit, durch die Sanftmuth ihrer Augen, aus denen die Seele zum ersten Male vor den Geheimnissen der Leidenschaften und des Lebens zu erschrecken schien.“

Nach einigen Bemerkungen über die Pariserinnen, Engländerinnen etc. schließt der Reisende den Abschnitt über Leipzig mit den Worten:

„Und ich begnüge mich, zu wiederholen, daß es in Leipzig war, wo ich die schönsten Frauen gesehen habe.“

A.




Ein Kampf zwischen zwei Wallfischen. In der Rahe der kleinen Seestadt Robster in Schottland, in einer Entfernung von etwa zweitausend Schritt vom Ufer, fand kürzlich ein Kampf zwischen zwei Wallfischen statt, dem viele Fischer und andere Leute als Augenzeugen beiwohnten. Die beiden Wallfische schossen wiederholt mit großer Schnelligkeit gegen einander, und der eine sprang dabei zwanzig bts dreißig Fuß hoch in die Luft, und stürzte dann mir zermalmender Wucht auf seinen Feind herab. Dabei versetzten sie sich mit ihren Schwänzen laut klatschende Schläge, und die rings um sie zu Schaum gepeitschten Wellen nahmen bald eine hellrothe Farbe an. Dieser Kampf dauerte volle drei Stunden, wo dann einer der Wallfische bewegungslos ward, und der andere langsam hinwegschwamm. Den erstern, welcher todt war, zog man bald darauf an’s Land. Er maß sechzig Fuß, war sehr zerschlagen, und die obere Kinnlade zerbrochen.



Empfohlene Zitierweise:
verschiedene: Die Gartenlaube (1857). Ernst Keil’s Nachfolger, Leipzig 1857, Seite 112. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1857)_112.jpg&oldid=- (Version vom 14.9.2022)