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Seite:Die Gartenlaube (1855) 547.jpg

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Verschiedene: Die Gartenlaube (1855)

dagegen um so dickere Grünspanhäutchen sitzen, und doch werden solche Kessel mit unglaublicher Sorglosigkeit zum Einsieden von Pflaumen, Preißelbeeren, Heidelbeeren und anderen sauren Früchten, zum Kochen von Klößen, Fischen u. s. w. benutzt. Die Folgen des öfteren Kupfergenusses sind aber in solchen Familien auch deutlich genug an den blassen kränkelnden Gesichtern der von Krämpfen heimgesuchten Leute zu erkennen. Das Kupfer sollte daher aus jeder Küche entfernt werden, und es ist in der That vollständig entbehrlich.

Dasselbe gilt auch vom Messing, welches durch Zusammenschmelzen von Kupfer und Zink dargestellt wird, und aus welchem ebenfalls zuweilen Kochgeschirre verfertigt werden. Namentlich finden wir aber in den Küchen messingene Mörser. Das Messing bedeckt sich viel langsamer mit einem Grünspanhäutchen als das Kupfer, muß aber doch mit Vorsicht benutzt, und messingene Mörser müssen vor dem Gebrauche stets sorgfältig ausgewischt und gereinigt werden.

b. Eisengeschirr.

Von allen Metallen, deren Preis überhaupt die Anwendung als Material zu Kochgeschirren gestattet (Gold, Platin oder Silber würden sich am Besten eignen, sind aber für den gewöhnlichen Hausgebrauch zu theuer), ist das Eisen das brauchbarste und unschädlichste. Dasselbe zieht zwar noch viel leichter und rascher als das Kupfer, Sauerstoff und Wasser aus der Luft an und bedeckt sich an seiner Oberfläche mit einer immer dicker werdenden Kruste von wasserhaltigem Eisenoxyd, sogenanntem Rost, welcher sich ebenfalls leicht in den verschiedenen Speisen auflöst. Allein durch einen geringen Eisengehalt werden die Speisen durchaus nicht vergiftet, sondern sind der Gesundheit eher zuträglich als schädlich, da das Eisen zu den unentbehrlichen Bestandtheilen des menschlichen Körpers gehört. Dennoch können die Kochgeschirre aus reinem Eisen nur in einzelnen Fällen gebraucht werden; denn wollte man z. B. saure Früchte oder andere saure Speisen in denselben zubereiten, so würde so viel Eisen aufgelöst, daß die Speise dadurch einen schlechten Geschmack erhalten und das Geschirr sehr bald durchlöchert würde. Um diesen Uebelstand zu beseitigen, hat man anstatt reinem Eisen, verzinntes Eisen oder Weißblech zu Kochgeschirren benutzt, oder man hat die innere Fläche der eisernen Pfannen und Töpfe mit einer Emaille und Glasur überzogen. Wir finden daher in den Küchen hauptsächlich drei Arten von Eisengeschirr, nämlich Geschirr aus gewöhnlichem Schwarzblech, glasirtes Eisengeschirr und Weißblechgeschirr.

1. Schwarzblechgeschirr wird aus reinem, zu mehr oder weniger dünnen Platten ausgewalztem Schwarzblech verfertigt und eignet sich ganz vorzüglich zum Braten von Fleisch oder anderen Nahrungsmitteln in Butter oder anderen Fetten. Es kann nie zur Vergiftung der Speisen Veranlassung geben und bleibt, da es aus reinem gewalztem Eisen besteht, sehr lange brauchbar, nur darf man nichts sehr Saures darin kochen, auch nichts sehr Salziges darin aufbewahren, und wenn man es wäscht, muß es immer sehr gut abgetrocknet werden. Versäumt man dieses, so rostet es sehr schnell und bekommt Löcher.

2. Glasirtes oder emaillirtes Eisengeschirr besteht entweder aus emaillirtem Schwarzblech und ist dann viel düuner und leichter; oder – und zwar gewöhnlich – nur aus emaillirtem und glasirtem Gußeisen, ist aber dann viel dicker, plumper und schwerer. Dieses Geschirr eignet sich zur Zubereitung aller Speisen, ist daher ganz unentbehrlich geworden, kann aber unter Umständen, die wir gleich näher bezeichnen wollen, zu Vergiftungen Veranlassung geben. Man fabricirt es jetzt in allen Ländern und zwar im Allgemeinen auf folgende Weise. Die gegossenen Waaren, welche aus einem ziemlich porösen, schwammigen Eisen (das sich in Säuren viel leichter auflöst, als das festere, dichtere Eisen des Schwarzbleches) bestehen, werden erst mit etwas verdünnter Schwefelsäure (sogenanntem gewässertem Vitriolöl) angebeizt, das heißt auf ihrer innern Fläche damit befeuchtet, dann mit kaltem Wasser abgespült, mit der feuchten Emailmasse gleichmäßig bestrichen, noch feucht mit der fein gepulverten Glasurmasse bestäubt und dann in einem Ofen einer starken Glühhitze ausgesetzt, damit so die Email- und Glasurmasse gleichmäßig festschmelzen. Die Emailmasse stellt man dar, indem man erst Kieselsteinpulver und Borax zusammenschmilzt, die geschmolzene Masse dann sehr fein mahlt, auf das Innigste mit eisenfreiem, feinem Thon und etwas gemahlenem Feldspath vermengt und befeuchtet. Die Glasurmasse besteht gewöhnlich aus Feldspath (einem in der Natur sehr häufig vorkommenden Mineral), Soda, Borax und etwas Zinnoxyd; da sie aber durch Zusatz von bleihaltigen Substanzen, besonders von Bleiglätte, Bleiglanz oder Mennige leichter schmelzbar und weniger spröde wird, so werden ihr diese Körper leider sehr häufig beigemengt. Ein Zusatz von bleihaltigen Substanzen zur Glasur dieser Geschirre sollte, da er nicht unumgänglich nothwendig ist, auf das Strengste verboten werden, indem gerade dadurch das sonst ganz unschädliche emaillirte Eisengeschirr giftige Bestandtheile erhält, die sich in den Speisen auflösen können. Da auch das Töpfergeschirr gewöhnlich mit einer bleihaltigen Glasur überzogen wird, so wollen wir bei diesem über die Bleivergiftung und über die Art und Weise, wie solche Geschirre geprüft werden können, näher sprechen. Das emaillirte Eisengeschirr ist, wenn die Emaille und die auf der Emaille liegende Glasur gut eingebrannt und frei von Blei ist, nicht nur ganz unschädlich, so daß die Speisen selbst Tage lang darin aufbewahrt werden können, sondern auch sehr dauerhaft; nur ist es nothwendig, daß die Töpfe beim Kochen möglichst mit der Speise angefüllt werden, da sonst durch eine ungleiche Erhitzung leicht einzelne Theile der Glasur abspringen; ebenso dürfen die letzten Speisereste nicht allzu heftig mit Blechlöffeln ausgekratzt werden, weil dadurch die Glasur leicht beschädigt werden kann. Hat aber ein solches Geschirr seine Glasur verloren, dann wird es schneller unbrauchbar, als das Schwarzblechgeschirr, und die darin zubereiteten Speisen nehmen einen schlechten Geschmack an.

3. Weißblechgeschirr wird hauptsächlich von den Klempnern verfertigt. Das Weißblech besteht aus einem mehr oder weniger dicken, ganz glatten Eisenbleche, das durch Eintauchen in reines geschmolzenes Zinn auf beiden Seiten mit einer Lage von Zinn überzogen worden ist, einen lebhaften Glanz besitzt und seiner weißen Farbe wegen Weißblech genannt wird. Es wird seltener zum Kochen, gewöhnlich nur zum Dampfen oder Backen benutzt, und wir finden daher in den Küchen meistens nur kleinere Geräthschaften, kleine Töpfchen, Kessel, Schüsseln u. s. w.. davon. Das Weißblech hält nämlich keine sehr hohe Temperatur aus, da das Zinn ein sehr leicht schmelzbares Metall ist, und bei öfterem Gebrauche allmälig vom Eisen abschmilzt. Aus demselben Grunde kann man auch keine nur aus Zinn bestehenden Kochgeschirre verfertigen, da sie sehr bald zusammenschmelzen würden. Beim Gebrauche des Weißblechgeschirres ist ebenfalls einige Vorsicht nöthig, da man zu seiner Fabrikation oft unreines mit Blei oder Kupfer oder beiden Metallen vermengtes Zinn anwendet. Durch das Zinn wird allerdings die leichte Auflöslichkeit des Bleies und Kupfers in Speisen so gemindert, daß man diese ohne Gefahr in solchem Geschirr zubereiten, aber unter keinen Umständen, besonders wenn sie sehr salzig, sauer oder fettig sind, darin aufbewahren darf. Zuweilen wird auch Schwarzblechgeschirr oder gußeisernes Geschirr inwendig verzinnt, doch ist auch hier die Anwendung von reinem Zinn nothwendig, und auch hier stellt sich der Uebelstand des leichten Abschmelzens und der raschen Abnutzung der Zinnbekleidung ein, weshalb ein gut und ohne blei platirtes Eisengeschirr oder das ordinäre Schwarzblechgeschirr jedenfalls den Vorzug verdient.

(Schluß folgt.) 




Friedliche Bilder vom Kriegsschauplatze in Kleinasien.

Die Menschheit kam bisher immer in westlicher Richtung vorwärts; aber da sich jetzt in Amerika „deutsche Auswanderungs-Vereine“ zur Rückeinwanderung nach dem Osten bilden, und die Franzosen in Konstantinopel eben so bauen und bilden wie in Paris, die türkischen Damen unverschleiert in den neuen pariser Luxusläden erscheinen und Französisch sprechen, da ferner Sebastopol nicht mehr so deutlich den Weg nach Konstantinopel bezeichnet und Engländer und Franzosen der Ehre und des Schadenersatzes wegen

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Verschiedene: Die Gartenlaube (1855). Leipzig: Ernst Keil, 1855, Seite 547. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1855)_547.jpg&oldid=- (Version vom 17.7.2023)