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Seite:Die Gartenlaube (1855) 471.jpg

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Verschiedene: Die Gartenlaube (1855)

Regionen treiben sich jetzt mit wilden Thieren um die Wette wilde, unabhängige, räuberische Völkerstämme herum, die theils dem Kaiser von Rußland, theils dem Schah von Persien, theils dem türkischen Sultan von Rechts- oder Eroberungswegen gehorchen sollen, im Ganzen aber, wie unsere deutschen Raubritter des Mittelalters, sich als ihre eigenen Herren betrachten, Steuern einnehmen, wo sie etwas finden, und im Uebrigen weder himmlischer noch irdischer Obrigkeit besondere Hochachtung beweisen, obgleich Einige in feierlichen Momenten zu Allah, Andere zum griechisch-christlichen Gott, Andere zu Götzen, und noch Andere gar zum leibhaftigen Satan beten.

Kurden.

Im jetzigem Kriege dienen einige in der russischen, Andere in der asiatisch-türkischen, Andere in ihren eigenen Räuberarmeen. Unter diesen Bummlern und Barbaren auf den Ruinen vorchristlicher assyrischer, babylonischer, persischer, medischer und lydischer Kultur zeichnen sich die Kurden als die malerischsten, romantischsten und ritterlichsten aus. Da diese Herren jetzt in Asien besonders in dem Kampfe bei Kars und Erzerum eine bedeutende Rolle spielen, so verlohnt es sich schon der Mühe, sie ein wenig näher anzuschauen.

Die Kurden betrachten sich als die Hocharistokratie dieser herrlichen Wüsten und als unverfälschte Nachkommen des alten saracenischen Blutes, ohne maurische oder mongolische Mischung. Als der südliche Kaukasus und Kleinasien zwischen Rußland, Persien und der Türkei öfter vertheilt wurden, gab man sie der einen oder der andern Macht theilweise mit in den Kauf; aber wie auch die Nürnberger Keinen hängen, ehe sie ihn haben, wurden auch diese über hundert Meilen langen Strecken der Kurdenländereien weder an das eine noch an das andere Land wirklich angehangen, da die umherreitenden Familien und Stämme

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Verschiedene: Die Gartenlaube (1855). Leipzig: Ernst Keil, 1855, Seite 471. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1855)_471.jpg&oldid=- (Version vom 5.7.2023)