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Seite:Die Gartenlaube (1855) 123.jpg

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Verschiedene: Die Gartenlaube (1855)

an Mannschaft fehlen, da wir bald 50,000 Türken und 18 Batterien Feldartillerie dort haben werden, deren Ankunft wir jetzt entgegen sehen. Die schwächsten Stellen sind mit Thürmen und bastionirten Batterien versehen worden (siehe Abbildung), und alle Eingänge zur Stadt wohlbesetzt.

Jeden Tag kommen verschiedene Detachements der Donauarmee an und Omer Pascha hat sich selbst nach Balaklava begeben, um sich mit den verbündeten Generälen zu berathen. Ein Theil dieser Armee wird in der Stadt untergebracht werden, der andere in einem außerhalb befindlichen, verschanzten Lager, das mit den Festungswerke in Verbindung steht; die ganze Cavallerie wird innerhalb der Stadt einquartirt.

Vor den Wällen sind schon mehr als 50 Kanonen aufgepflanzt. Was den Ort noch besonders fest macht, ist, daß er auf drei Seiten vom schwarzen Meere geschützt ist, und die Kriegsschiffe im Stande sind, auf eine solche Weise Anker zu werfen, daß sie mit ihrem Geschütz das ganze rechts und links von der Stadt gelegene Ufer bestreichen können, die überdies mit Getreide und Fleisch wohl versehen ist, obgleich nach der Ankunft der Armee von Sebastopol ein Theil Schlachtvieh für die Belagerungsarmee gebraucht wurde, das Holz allein fehlt hier wie überall, doch haben die durch einen Windstoß am 14. December Schiffbruch gelittenen Fahrzeuge bis jetzt für die gewöhnlichen Bedürfnisse hingereicht.

Befestigter Thurm bei Eupatoria.

Ungefähr 2 bis 300 Tartaren sind als Hülfstruppen angenommen worden, sie dienen im Verein mit den türkischen Lanzenreitern, von welchen erst eine Escadron angekommen ist, als Plenkler. Sie scheinen ganz für uns gesinnt zu sein und ich glaube, daß es leicht sein würde, eine große Anzahl von ihnen für uns zu gewinnen und eine starke Truppe aus ihnen zu bilden. Sie sind im Allgemeinen tapfer und ausdauernd.

Zur rechten Seite ist die Stadt noch vertheidigt durch einen Salzsee, der vom Meere nur durch eine Land- oder vielmehr Sandzunge getrennt ist, die ungefähr 400 Meter in der Länge und 4 Kilometer in der Breite hat. An dem Ende dieser Landzunge befindet sich der arme auf den Strand gelaufene „Henri IV.“, jetzt in eine Festung verwandelt, um die Einfahrt zu vertheidigen. Täglich schickt er einige Kanonenschüsse den Kosaken zu, welche sich bis zu den Trümmern des weiterhin gestrandeten türkischen Schiffes wagen um wo möglich einige Stücke Holz zu erbeuten, denn auch sie leiden viel durch den Mangel an Brennmaterial und können keines finden in dem Lande, dessen Herren sie sind und das, vollständig flach, keine Erhöhungen darbietet, als hier und da einige Erdhügel, welche den türkischen Vedetten als Vorposten dienen.

An dem andern Ende der Landzunge befindet sich in der Nähe der Stadt ein ganzes Dorf von Windmühlen; es sind deren dort mehr als hundert. Man kann sich keinen Begriff von diesem sonderbaren Anblick machen, besonders wenn bei einem frischen Windstoß alle Mühlen ihre Flügel in Bewegung setzen.

An Baudenkmälern besitzt die Stadt erstens eine schöne und alte Moschee, die durch ihre Majestät sonderbar absticht gegen die Tartarenhütten und ärmlichen russischen Häuser, welche sie umgeben; das Innere ist einfach aber geschmackvoll; dann kommt der Palast des Gouverneurs mit vier Säulen an der Facade, und eine griechische Kirche, die einer ungeheueren Scheune nicht unähnlich sieht und einen sehr geschmacklosen Glockenthurm besitzt. Minarets erheben sich hier und da, aber sie sind weder hoch noch malerisch. Endlich giebt es noch eine ziemlich hübsche Synagoge in Eupatoria, in welcher ein Denkmal von weißem Marmor steht, das die Juden dem Kaiser Nicolaus zu Ehren errichtet haben. Das Lazareth gleicht einem großen Viehhof, und die Mauern, welche es umgeben, sind das Beste daran.

Faßt man Alles zusammen, so muß man zugeben, daß die Stadt, welche zwar durch ihren Handel und ihre Lage wichtig ist doch weiter nichts Merkwürdiges besitzt, als diese Mischung von Türken und Tartaren, Russen und Judenthum und einige Religionsdenkmäler von jedem dieser Völker, die sich in der Mitte von schmutzigen, zerfallenen Häusern erheben und von einigen Judenwohnungen umgeben sind, welche einen größeren Luxus im asiatischen Geschmack aufweisen.




Blätter und Blüthen.

Kampf mit einem Tiger. (Nach brieflichen Mittheilungen eines afrikanischen Missionärs.) Der folgende Tag war zu einer Tigerjagd im Hochwalde bestimmt. Die Missionäre zogen frisch und munter mit einer großen Schaar Hottentotten aus. Noch waren sie nicht sehr weit in den Hochwald gedrungen, als sie die Spuren von der Nähe ihres Wildes fanden, denen sie muthig nachgingen, während die Hottentotten sich ängstlich scheu aneinander drängten. Die Spuren führten sie bald in den tiefen Wald. Sie zogen eine Zeit lang unter hochstämmigen Palmen und Bananen hin, bis sie an ein niedriges Dickicht kamen, in welchem sie der vielen, auslaufenden Spuren wegen den Tiger vermuthen mußten. Da das Gebüsch aber zu dicht war, um in dasselbe eindringen zu können, so wurden einige Schüsse abgefeuert, um den Tiger mobil zu machen, und wirklich, – gleich darauf ließ sich ein Rauschen und Rasseln vernehmen, ein Knicken der Zweige und das dumpfe Geräusch mächtiger Sprünge. Ihre Augen blickten durchdringend nach der Gegend, aus welcher sich dieses verdächtige Anzeichen hören ließ, und an einer Stelle, wo das Gebüsch besonders niedrig war, sahen sie in der That das bunte Fell des Tigers einige Mal über den grünen Büschen erscheinen, wie er in mächtigen Sätzen nach der rechten Seite hin entfloh. Da sich das Gebüsch bin an den Fluß hinzog, und nicht zu erwarten war, daß der Tiger dasselbe verlassen werde, so beschlossen sie, das Dickicht rings zu besetzen, und durch wiederholte Schüsse den Tiger aufzuregen, bis er sich in den freieren Hochwald herauswagen würde. So zog denn der ganze Jagdtroß nach der Seite hin, nach welcher man soeben den Tiger hatte entweichen

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Verschiedene: Die Gartenlaube (1855). Leipzig: Ernst Keil, 1855, Seite 123. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1855)_123.jpg&oldid=- (Version vom 28.2.2023)